Gesprächsveranstaltung „Was das Valley denken nennt – und wie davon erzählt wird“

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Gesprächsveranstaltung „Was das Valley denken nennt – und wie davon erzählt wird“

HMKV im Dortmunder U | Kino, EG und online
MI, 15. Juni 2022, 19 – 21 Uhr

Büro medienwerk.nrwPodiumsdiskussion

Mit u.a. Dr. Inke Arns, Prof. Dr. Adrian Daub und Jonas Lüscher
Moderation: Dr. Iuditha Balint und Fabian Saavedra-Lara


Der in Köln geborene Germanist und Literaturwissenschaftler Adrian Daub ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaften an der Stanford University, Kalifornien, und leitet das dortige Clayman Institute for Gender Research. Er schreibt u.a. über Themen wie früher Feminismus, kulturelles Gedächtnis und deutsche Populär- und Musikkultur des 19. Jahrhunderts. Sein Buch „Was das Valley denken nennt. Über die Ideologie der Techbranche“ (suhrkamp, 2020) erzählt vom Silicon Valley – einer Region, die in den letzten 70 Jahren zum mächtigsten IT- und High-Tech Standort weltweit aufgestiegen ist. In seinem Buch hinterfragt Daub, der mit Stanford seinen beruflichen Mittelpunkt in nächster Nähe zum Valley etabliert hat, dessen Selbstinszenierung, indem er die Rhetorik von Unternehmer*innen wie Peter Thiel oder Mark Zuckerberg untersucht und die Ideologie der Branche historisch kontextualisiert.

Nach seinem Studium der Philosophie forschte er intensiv zur Bedeutung von Erzählungen für die Beschreibung sozialer Komplexität und hatte in diesem Kontext ein Stipendium des Schweizer Nationalfonds für einen Forschungsaufenthalt in Stanford. In seiner Novelle „Frühling der Barbaren“ (2013) geht es um die Bedeutung von Narrationen in gesellschaftlichen Zusammenhängen – in diesem Buch kommen die Theorien Richard Rortys narrativ zum Tragen. Über die Mentalität und Rhetorik des Silicon Valley erzählt sein Roman „Kraft“ (2017). Als sozial und politisch engagierter Essayist veröffentlicht Jonas Lüscher zu verschiedenen Themenkomplexen wie Ökonomie oder Populismus.

Adrian Daub und Jonas Lüscher nehmen am 15. Juni 2022 an der Gesprächsveranstaltung „Was das Valley Denken nennt – und wie davon erzählt wird“ mit u. a. Inke Arns, Iuditha Balint und Fabian Saavedra-Lara teil, die in Kooperation mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, dem HMKV Hartware MedienKunstVerein und dem Büro medienwerk.nrw im Dortmunder U stattfindet. Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung „House of Mirrors: Künstliche Intelligenz als Phantasma“ des HMKV. In der Diskussion werden einige Gedanken aus den Texten Adrian Daubs und Jonas Lüschers mit den Ideen und ausgewählten Werken der Ausstellung in einen Dialog gebracht.

Mehr Informationen über House of Mirrors: Künstliche Intelligenz als Phantasma

Eintritt kostenfrei, Anmeldung nicht erforderlich.
Die Veranstaltung wird zusätzlich per Livestream übertragen.

Hier geht es zum Livestream der Veranstaltung

Fotos:
Adrian Daub: © Cynthia Newberry
Jonas Lüscher: © Ulrike Arnold/Jonas Lüscher
Inke Arns: © Frank Vinken

Symposium „Digitale Kultur“ | NEXT LEVEL 2021

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Symposium „Digitale Kultur“ | NEXT LEVEL 2021

Halle 2, UNESCO-Welterbe zollverein, essen
sa-so, 27.-28. November 2021

Büro medienwerk.nrwSymposium

Das zweitägige Symposium „Digitale Kultur“ findet im Rahmen des NEXT LEVEL-Festivals auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen statt und bietet verschiedene Themenforen, Panels und Präsentationen an. Vorgestellt und diskutiert werden digitale Formate und Konzepte rundum Performance und Konzert, aber auch Live-Act-Plattformen und entsprechende Verwertungsfragen. Projekte und Initiativen aus NRW stehen dabei im Mittelpunkt.

Hier geht es zur Aufzeichnung der Veranstaltung : Digitale Künste in NRW


FORUM: Perspektiven der Digitalen Künste in NRW
Sonntag, 28.11.2021, 15:00 – 16:30 Uhr
Wie steht es um die Perspektiven der digitalen Künste in NRW? Wie ist es um die Qualifizierung der Künstler*innen bestellt und welchen technischen Support braucht es? Werden die Akteur*innen der Szene und ihre Bedarfe ausreichend einbezogen? Wie soll es weitergehen, jetzt, wo Defizite im Feld der Digitalisierung während Corona unübersehbar geworden sind? Wie können die zahlreichen digitalen Experimente und virtuelle künstlerische Formate, die während der Corona-Pandemie entstanden sind, auch langfristig weiterentwickelt werden?
Dies sind die Fragen eines Forums und Panels, das als Kooperation von Büro medienwerk.nrw, NRW KULTURsekretariat und Regionalverband Ruhr im Rahmen des »Next Level – Festival for Games 2021« stattfindet

Offener Talk moderiert durch Klaas Werner (Büro medienwerk.nrw)


PANEL: Digitale Künste in NRW. Was ist geschehen – wie geht es weiter?
Sonntag, 28.11.2021, 17:00 – 18:00 Uhr
Eine Gesprächsrunde mit dem Künstlerduo Jana Kerima Stolzer & Lex Rütten, Jasmin Vogel (Kulturforum Witten), Brigitta Muntendorf (Künstlerin und Komponistin), Fabian Saavedra-Lara (Büro medienwerk.nrw), Dr. Christian Esch (NRW KULTURsekretariat). In Kooperation zwischen dem Büro medienwerk.nrw, NRW KULTURsekretariat und Regionalverband Ruhr, in Zusammenarbeit mit WDR 3. Das Panel wird von WDR 3 für die Sendung „Forum“ aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt gesendet.

Moderation des Panels: Fatma Idris (Journalistin)



Über NEXT LEVEL – FESTIVAL FOR GAMES
Next Level ist das Festival für die Kunst und Kultur digitaler Spiele in Deutschland. Seit 2010 präsentiert das Festival interaktive und partizipative Modelle der digitalen Spielekultur und beleuchtet als bundesweit etablierter Resonanzraum für Games ihre Potenziale und Perspektiven. Bereits die Auftaktveranstaltung 2010 in Köln hat den Diskurs um die Relevanz des digitalen Spiels als Kulturgut und Kulturtechnik geprägt und vorangebracht. Seit 2019 findet das Event auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen statt. Next Level wird veranstaltet vom NRW KULTURsekretariat, gemeinsam mit der Stadt Essen und in Kooperation mit der Stiftung Zollverein.

Weitere Infos unter www.next-level.org

WORKSHOP | Urheberrechte bei digitalen Veranstaltungsformaten

WORKSHOP | Urheberrechte bei digitalen Veranstaltungsformaten

do, 28. oktober 2021, 16:00 – 18:00 Uhr
ONLINE-veranstaltung

Büro medienwerk.nrwWorkshop

Vor allem bei digitalen Veranstaltungsformaten über internetbasierte Kanäle, mit einer potenziell unbegrenzten Öffentlichkeit, sind Veranstalter*innen und Seminarleiter*innen oft verunsichert, wo die eigene Haftung für gezeigte Inhalte beginnt und endet. Worauf muss im Vorfeld hingewiesen werden? Welche Einverständniserklärung sollte vorab eingeholt werden? Welche Inhalte dürfen in welchem Kontext bedenkenlos gezeigt werden?

Innerhalb des etwa zweistündigen Online-Workshops wird der Referent Dr. iur Till Kreutzer folgende Themenfelder behandeln:

1. Grundlagen des Urheberrechts: Was ist Urheberrecht, wie entsteht und wie endet es?

2. Freie Nutzungen im Rahmen von Kultur und Bildung: Zitate, Satire, Beiwerk, Nutzungen zum Unterrichtsgebrauch (Schulungen, Konferenzen)

3. Nutzung von Online-Inhalten auf Plattformen, sozialen Medien und Webseiten: Verlinken, Embedden, Sharen

4. Rechtssichere Nutzung von Open Content: Creative Commons und die Nachnutzung von freien Bildern, Texten, Videos

Nach jedem Teil gibt es eine offene Fragerunde.

Wir bitten um Verständnis, dass im Rahmen des Workshops KEINE INDIVIDUELLE RECHTSBERATUNG geleistet werden kann und – aus rechtlichen Gründen – werden darf! Solche ist nur im Rahmen eines anwaltlichen Mandats zulässig. Selbstverständlich wird der Referent gern auf individuelle Fragen eingehen. Auf konkrete Einzelfälle bezogene Fragen (etwa: „Ich habe folgendes Projekt, dort sollen Verträge geschlossen werden, wie muss ich … formulieren?“) können im Rahmen der Schulung jedoch nicht beantwortet werden.

Anmeldung bis zum 24.10.2021:
Interessierte (Online-)Veranstalter*innen und (Online-)Seminarleiter*innen können sich kostenfrei noch bis Sonntag, den 24.10.2021 anmelden, per E-Mail an info@medienwerk-nrw.de, bitte mit Nennung des Vor- und Nachnamens, sowie der Nennung des beruflichen Kontexts. Sofern bereits konkrete Fragen vorliegen, können diese gerne schon in der Anmeldemail mitgeteilt werden. Die Anmeldung ist kostenfrei aber verbindlich. Die Anzahl der Teilnehmer*innen ist begrenzt.

Dr. iur Till Kreutzer ist Rechtsanwalt, Rechtswissenschaftler und Publizist. Er ist Mitgründer und geschäftsführender Partner der Rechtsanwaltskanzlei iRights.Law sowie Mitgründer und Herausgeber von iRights.info, dem mehrfach prämierten (u. a. Grimme-Online-Award 2006) Internetportal für Verbraucher und Kreative zum Urheberrecht in der digitalen Welt. Bei den Urheberrechtsreformen in der Informationsgesellschaft ist er vielfach auf nationaler sowie EU-Ebene als geladener Sachverständiger für Regierungen und Parlamente tätig. Er unterrichtet an einer Vielzahl von Institutionen über IT-, Urheber- und Persönlichkeitsrecht.

Das Büro medienwerk.nrw wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Das Büro medienwerk.nrw ist angesiedelt beim Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Workshop | Technische Umsetzung digitaler Veranstaltungsformate

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Workshop | Technische Umsetzung digitaler Veranstaltungsformate

DI, 13. APRIL / 20. APRIL / 27. APRIL 2021, 17:00 – 20:00 UHR
ONLINE-Veranstaltung

Büro medienwerk.nrwWorkshop

Online-Workshopreihe in Kooperation mit dem Landesbüro für Bildende Kunst NRW (LaB NRW): „Technische Umsetzung von digitalen Veranstaltungsformaten“, geleitet durch Jonathan Kastl & Mario Frank, für Künstler*innen, Event- oder Projektmanager*innen, Mitarbeiter*innen der Produktion

In diesem dreiteiligen Online-Workshop führten die beiden Videokünstler Jonathan Kastl und Mario Frank in die technischen und organisatorischen Grundlagen von digitalen Veranstaltungsformaten ein. Sie zeigten alternative Szenarien für verschiedene künstlerische Praxen auf und beantworten Fragen der Teilnehmenden.

Der 1. Workshop-Block „Technische Grundlagen“ fand am 13. April 2021 statt und bot Künstler*innen, Eventmanager*innnen, Projektmanager*innen und Mitarbeiter*innen der Produktion einen Einstieg in die technische Umsetzung von Live-Streams und Online-Konferenzen. Anhand von Praxisbeispielen zeigten die Referenten Funktionsweisen, Interaktionsmöglichkeiten und Limitationen von Streaming-Software, Plattformen und Tools für Videokonferenzen auf. Zudem erhielten die Teilnehmer*innen einen Überblick über die notwendigen Komponenten der Audio- und Videotechnik.  

Am 20. April 2021 fand der 2. Workshop-Block „Alternative virtuelle Raumszenarien“ statt und fächerte verschiedene Möglichkeiten auf, wie technische Setups und Plattformen nicht-intentional und alternativ nutzbar sind, um bspw. in den sozialen Medien Aufmerksamkeit zu erzeugen oder einen interessanten Effekt während einer Online-Veranstaltung zu erzielen. Erweiterte und kreative Nutzungen von Software spielten hierbei ebenso eine Rolle wie spezialisierte Apps für Social Gathering und Games. Weitere Themen waren mehrkanalige Ausspielungen (Livestream + Videokonferenz) und hybride Veranstaltungen.

Im 3. Workshop-Block „Erfolgreiche Umsetzung von Online-Veranstaltungen“ am 27. April 2021 widmeten sich die Referenten dem Projekt- und Ressourcenmanagement. Die Frage »Wie setze ich eine Online-Veranstaltung erfolgreich um?« begleitete die Beteiligten durch diesen letzten Block der dreiteiligen Workshopreihe. Gestalterische Anliegen wie Sprachverständlichkeit, Bildausschnitt, Beleuchtung, Vortragsstruktur und interaktives Design wurden ebenso besprochen wie konkrete organisatorische Fragen zu technischen Anforderungen, Personaldispo, Ressourcenplanung und Techniksupport.

MARIO FRANK ist Integrated Designer, Fotograf, Videokünstler, Audioingenieur und Kulturaktivist. Musikproduktion und Performance als „M.Funk“. Mitbegründer des Kunst- und Designkollektivs KOLLEKTIV33 sowie künstlerische Leitung des gleichnamigen Musik-Labels. Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Kulturvereins „dreidrei e.V.“. Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Literaturinitiative Land in Sicht e.V.. Mitinitiator der Ateliergemeinschaft „INSEL“. Lehraufträge an der Köln International School of Design, Kunsthochschule für Medien Köln und der Bergischen Universität Wuppertal. Weitere Informationen unter www.mariofrank.com.

JONATHAN KASTL ist Bild- und Toningenieur, Videokünstler und Musiker. Seine künstlerische Arbeit umfasst Medienkunst, Video und Sound für Theaterproduktionen sowie diverse Musikprojekte. Als Kameramann und Bildregisseur setzt er Aufzeichnungen und Livestreams für unterschiedliche Auftraggeber*innen um. Daneben unterstützt er Künstler*innen und Institutionen bei der Planung und Durchführung von hybriden und Online-Veranstaltungen. Weitere Informationen unter www.jonathankastl.com. Jonathan Kastl und Mario Frank arbeiten seit 2021 zusammen unter dem Namen frankaflux.

Das Büro medienwerk.nrw, das LaB K und der Workshop werden gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Das Büro medienwerk.nrw ist angesiedelt beim Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Artist Talk mit Holly Herndon | #TdM2020

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Artist Talk mit Holly Herndon | #TdM2020

online
MO, 28.09.2020

Büro medienwerk.nrwArtist Talk

Erstmalig nahm das Büro medienwerk.nrw am Tag der Medienkompetenz teil. Als Videobeitrag für die digitale Ausstellung des TdM2020 wurde ein Artist Talk zwischen Fabian Saavedra-Lara (Leiter des Büro medienwerk.nrw) und der US-amerikanischen Medienkünstlerin Holly Herndon gezeigt.

Unter dem Motto  „A Better Tomorrow! – Visionen für eine digitalisierte Gesellschaft“ fand am 28. September 2020 der achte Tag der Medienkompetenz im Landtag Nordrhein-Westfalen statt. Gemeinsam mit Bürger*innen, Akteur*innen der Medienkompetenzvermittlung und Vertreter*innen der NRW-Landespolitik wurde darüber diskutiert, wie der digitale Umbruch politisch gestaltet werden und welchen Beitrag jede*r Einzelne zu einer menschlichen Gesellschaft leisten kann. Aufgrund der Coronapandemie fand der TdM2020 virtuell und digital statt. Im Livestream haben Diskussionen und Themenforen dazu angeregt, tiefer in einzelne Aspekte der Digitalkompetenz einzusteigen. Beim „Town Hall Meeting“ stellte sich die Landespolitik live den Fragen der digitalen Öffentlichkeit. Und auch die zentrale Ausstellung wurde aus dem Landtag ins Netz verlagert. Hier zeigten Institutionen aus NRW, u.a. das Büro medienwerk.nrw, ihre eigenen Visionen für eine digitale Zukunft.

THE SOUND OF DATA: Artist Talk & Konzert mit Holly Herndon

Unter dem Titel „Every Step You Take – Kunst und Gesellschaft im Datenzeitalter“ fand am 12.–15. November 2015 die zweite Konferenz des medienwerk.nrw statt, die sich mit den Debatten rund um Big Data, Überwachung und Datenschutz beschäftigte. In den Räumlichkeiten des Dortmunder U und des Schauspiel Dortmund trafen internationale Positionen aus Medienkunst & digitaler Kultur aufeinander, um Utopien und Dystopien unserer digitalen, vernetzten medialen Realität zu befragen. Neben einer Ausstellung, zahlreichen Vorträgen, Paneldiskussionen, Künstlergesprächen und Filmvorführungen, umfasste das Programm auch ein Konzert der US-amerikanischen Künstlerin Holly Herndon.

Im Artist Talk mit Fabian Saavedra-Lara, dem Leiter des Büro medienwerk.nrw, spricht die avantgardistische Musikerin über die Liebesbeziehung zu ihrem Laptop und über „THE SOUND OF DATA“. Zu hören sind elektronische Klangcollagen, die ebenso Samples aus dem digitalen Alltag umfassen wie Glitches, Störungen, Fehler im System und Ausdrucksformen medialer Hyperaktivität. Begleitet wurde das Konzert durch Vocals von Colin Self und Visuals von Mat Dryhurst.

Holly Herndon bewegt sich zwischen Medienkunst und elektronischer Musik. 2015 erschien ihr Album „Platform“, welches von der Kritik international gefeiert wurde. Darin thematisiert sie das emotionale Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Alternative Fortschrittsideale werden hier spürbar: Wie könnten sich zukünftige Technologien nutzen lassen, wenn sie offen, zugänglich und frei von wirtschaftlichen oder politischen Interessen wären? Dabei reflektiert Herndon stets die Konstitution derjenigen Medien, die sie für ihre Musikproduktion nutzt – in ihren Songs werden Software und Laptop als zerbrechliche Akteure dargestellt, die sich von vertrauten Geräten des alltäglichen Gebrauchs, der Kreativität und sozialen Kommunikation jederzeit in Apparate der Überwachung und Kontrolle verwandeln können.

LOUIS BETONG & BALZ ISLER: INTERVENTIONEN ZUR COVIDITÄT

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LOUIS BETONG & BALZ ISLER: INTERVENTIONEN ZUR COVIDITÄT

onLINEBeitrag
MO, 08.06. – SO, 31.08.2020

Büro medienwerk.nrwWebresidency

Im Rahmen einer Web Residency arbeiteten die Performance- und Medienkünstler Louis Betong & Balz Isler auf der Website des Netzwerks für Medienkunst und digitale Kultur

Ursprünglich war die Verabredung zwischen den Künstlern und dem Büro medienwerk.nrw, mehrere Beiträge für das Festival Meta Marathon 2020 des NRW-Forum Düsseldorf unter dem Jahresmotto „Cyborgs“ zu konzipieren und vor Ort in einer Zeitspanne von 42 Stunden umzusetzen. Doch es kam – wie allseits bekannt – alles ganz anders. Die Lage um den Ausbruch des Coronavirus hatte auch für den Kulturbereich schwerwiegende Konsequenzen, die in einer Absage aller Veranstaltungen im physischen Raum bis mindestens Sommer 2020 mündeten. Für Akteur*innen und viele Institutionen aller Sparten stellten sich Fragen nach Existenzsicherung sowie neuen Formen künstlerischer Produktion, Präsentation und des Austauschs mit der Öffentlichkeit in Zeiten des „social distancing“ – jenseits des rein Dokumentarischen. Die damalige Situation war auch eine Zeit des Experimentierens mit den Möglichkeiten und Grenzen des Digitalen sowie grundsätzlicher politischer Debatten – u.a. über die Welt nach der Krise, „Systemrelevanz“, Solidarität und die Bedeutung von Kunst und Kultur für eine offene Gesellschaft.

Die im digitalen Raum der Website des medienwerk.nrw in episodisch stattfindenden Interventionen von Louis Betong & Balz Isler waren Versuche des künstlerischen Nachdenkens die neue Realitäten, Sprech- und Denkweisen, Alltags- und Medienwelten, Anpassungen und Einschränkungen, die durch die Coronakrise hervorgebracht worden sind und Menschen weltweit in einem Zustand des Wartens, der Hoffnung, der Spekulation und Unsicherheit zusammenführten. Isler & Betong nennen diesen Zustand „Covidität“. Als selbsternannte „Coviditätsresidenten“ nisteten sich die Beiden auf der Website des medienwerk.nrw ein und spielten mit den künstlerischen Möglichkeiten des Mediums. Als Ausgangsmaterial dienten Reflexionen zur Lage, individuelle Erfahrungen von An- und Abwesenheiten an nun geschlossenen Orten sowie Fragestellungen aus früheren Veranstaltungen des medienwerk.nrw zum Themenfeld „Körper und Technologie“. 

Zu erleben waren die Arbeiten im Zeitraum 08.06.–31.08.2020 auf der Website des medienwerk.nrw

Über Louis Betong & Balz Isler:
Die Beiden sind Performer, Künstler und öffentliche Denker im Alt- und Neuraum. Sie studierten an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und arbeiten mit zeitbezogenen Medien. Sie leben gemeinsam in Europa. Isler & Betong bewegen sich in den Kompositionen des Klangs und Raums und in Installationen und Performances. In ihnen beschäftigen sie sich mit Kommunikation, Präsentationsmethodik und der heutigen Clip- und Dokumentarkultur. Sie sammeln, überlagern, ordnen neu um und versuchen, mittels unterschiedlicher Medien und räumlicher Ebenen neue Zusammenhänge zu knüpfen, sie in die „Echtzeit“ zu übersetzten (Paul Virilio), um gegebenenfalls auf neue Bewegungen zu schließen.

Das Büro medienwerk.nrw und die Web-Residency wurden gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Anja Kreysing

CounterStructures

Anja Kreysing

1967, Hamm
STIPENDIUM 2002

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2002 wurde an Anja Kreysing vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin, HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Iris Dressler (ehem. Direktorin HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Vanessa Joan Müller (ehem. Kuratorin, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main).

Begründung der Jury
Mit den neuen Technologien haben sich unsere Vorstellungen sowie die „Realitäten“ von Raum, Architektur und Wohnen wesentlich verschoben. So ist bereits der Alltag von vielfachen Überlagerungen zwischen physischen Wirklichkeiten und den Wirklichkeiten der „Codes“ geprägt. Mobilität und Fluktuation, Datenflüsse und Hypertexturen, das Instabile und Liquide, Deterritorialisierung und Nicht-Orte sind nur einige der Schlüsselbegriffe, um welche die aktuellen Diskurse über neue Technologien, Architektur und Urbanität kreisen. Utopien und Dystopien werden dabei gleichermaßen entworfen.
Mit dem Projekt „AudioArchitekt. reality dub“ untersucht Anja Kreysing öffentliche und private Räume verschiedener Städte nach ihren je spezifischen „akustischen Abbildern“. Die Geräusche von öffentlichen Gebäuden, Plätzen und Privaträumen sollen auf einer Audio-CD aufgenommen und dann in Form einer „pocketarchitecture“, das heißt eines technischen Gerätes, dass den audiografierten Ort mobilisiert, an die jeweils anderen „Hörplätze“ verschoben werden.
Das Konzept überzeugte durch seinen originellen Ansatz der akustischen De/Mobilisierung von Architekturen, Räumen und Orten. Positiv bewertet wurde außerdem, dass das Projekt auf vielfältige künstlerische Materialien, Techniken und Handlungen zurückgreift: Es verbindet Audiomaterial, Objekte, Kommunikations-Design, Low- und High-Technologien mit performativen Ansätzen.
Die Arbeit wurde 2003 vom HMKV Hartware MedienKunstVerein parallel zur Ausstellung „games“ in der PHOENIX Halle in Dortmund gezeigt. 
Die Jury hat darüber hinaus zwei lobende Erwähnungen ausgesprochen: Zum einen für Michaela Schweiger und ihr Projekt „Multipl(a)y by(e)“, dass sich mit der Struktur und Architektur von so genannten „Cyberstädten“ auseinandersetzt. Zum anderen für Susanne Brügger und ihr Projekt „Das Inselproblem“, das sich mit der Kartografierbarkeit öffentlicher Räume beschäftigt.

Anja Kreysing (*1967 in Hamm) lebt in Münster. Sie studierte Experimentalfilm und Klangkunst bei Lutz Mommartz (Meisterschülerin); Improvisierte Musik u.A. bei Malcolm Goldstein; Certified Deep Listening Practitioner nach Pauline Oliveros. Live-Soundtracks für Film, Theater, Performance; Elektroakustische Environments / Klanginstallationen; improvisierte Musik mit Akkordeon und Elektronik in der Tradition von Experimental/Noise & Folklore Imaginaire, Kuratorin bei „schwarz-weiss ist die bessere farbe“, Label für Filmkonzerte und a/v Kunst.

Weitere Informationen zur Künstlerin

Philine Sollmann

Philine Sollmann

1978, ulm
STIPENDIUM 2004

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2004 wurde an Philine Sollmann vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Kathrin Becker (ehem. Leitung Videoforum/NBK, Berlin), Iris Dressler (ehem. Direktorin HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Bettina Lockemann (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2001).

Begründung der Jury
Mit der Stipenidumvergabe fördert die Jury eine junge, viel versprechende Nachwuchskünstlerin aus NRW. Philine Sollmann untersucht in ihrem Projekt urbane „Nicht-Orte“.

Philine Sollmann (*1978 in Ulm) lebt und arbeitet in Berlin und Dessau. Sie studierte an der HBK Saar, Saarbrücken, bei Prof. Ulrike Rosenbach. Sie erhielt 2001/2002 ein Erasmus-Stipendium für die Escola Massana in Barcelona und hat ihr Studium mit Auszeichnung bestanden. Seit 2001 beteiligt sie sich mit Multimediainstallationen an Ausstellungen im In- und Ausland.

Weitere Informationen zur Künstlerin

Rosa Barba

Rosa Barba

1972, agrigent
STIPENDIUM 2005

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2005 wurde an Rosa Barba vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Kathrin Becker (ehem. Leitung Videoforum/NBK, Berlin), Iris Dressler (ehem. Direktorin HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Bettina Lockemann (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2001).

Begründung der Jury
Rosa Barba setzt sich in ihrem Projekt mit den Schnittstellen zwischen Musikvideo, Experimentalfilm und Installation auseinander. Mit der Vergabe des Stipendiums würdigt die Jury eine international erfolgreiche Medienkünstlerin aus NRW.

Rosa Barba (*1972 in Agrigent, Italien) lebt in Köln. Sie studierte in Erlangen und an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Ihre Videoarbeiten und Filminstallationen wurden bereits in zahlreichen renommierten Ausstellungshäusern gezeigt. Dazu gehören die Kunsthalle Düsseldorf, das Museum of Fine Arts in Taipeh, die Kunsthalle Budapest, das Museum Ludwig und die Kunsthalle Köln. Außerdem nahm sie an zahlreichen internationalen Film- und Medienkunstfestivals teil.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

STAGING COMPLEXITY – Ein Labor zu Kunst und Theater im digitalen Zeitalter

Staging Complexities
Staging Complexities
Staging Complexities
Staging Complexities

STAGING COMPLEXITY – Ein Labor zu Kunst und Theater im digitalen Zeitalter

DO, 19.03.2020, 11:00 – 17:00 UHR
ONLINE

Büro medienwerk.nrwKonferenz

Aufgrund der Entscheidungen der Stadt Dortmund zum Umgang mit COVID-19 war das ursprünglich geplante mehrtägige Präsenzlabor nicht möglich. Somit wurden die Potenziale und Grenzen der Digitalität in einem konzentrierten Online-Symposium am 19.03.2020 ausgetestet.

Digitale Technologien verändern seit längerem die Art und Weise, wie wir denken, arbeiten, lieben, kommunizieren und zusammenleben. Algorithmen regeln den Verkehrsfluss, soziale Netzwerke schaffen neue Beziehungsformen und Managementsysteme optimieren den Arbeitsablauf. Die Digitalität prägt damit auch künstlerische Inhalte, transformiert etablierte Darstellungsweisen und bringt neue Kunstformen hervor. Wie reflektieren und erforschen Theater und Kunst diese tiefgreifenden Veränderungen?

Im Rahmen eines öffentlichen Online-Symposiums wurde die digitale und vernetzte Gegenwart analysier. Es wurde das Potenzial, aber auch die Grenzen des Digitalen in Gesellschaft, Kultur und Kunst befragt: Wie wirkt sich der digitale Wandel auf unsere alltäglichen sozialen Praktiken aus? Wie auf künstlerische Erzähl- und Gestaltungsweisen? Was heißt dies für Regisseur*innen, Videokünstler*innen, Schauspieler*innen oder Musiker*innen? Was für ihr Publikum? Wie erleben wir Kunst und kulturelle Praktiken, die sich nicht nur einzelner technischer Hilfsmittel bedienen, sondern in computergenerierten Umwelten beheimatet sind?

Online-Symposium
Diana McCarty eröffnete das Symposium mit der Frage nach techno-feministischen Handlungs- und Organisationsweisen, Anja Breljak setzte sich mit der Tatsache auseinander, dass Computertechnologien zum festen Bestandteil unserer Intimsphäre geworden sind, Christian Sievers und Régine Debatty fragten, wie Künstler*innen auf Dispositive von Unsicherheit, Kontrolle und Prekarisierung reagieren und Philipp Jonathan Ehmann diskutierte, wie soziale Netzwerke und Computerspiel Narrative in den darstellenden und bildenden Künsten verändern. Nicht zuletzt schuf das Symposium Raum für Diskussionen und Austausch über Visionen und Ängste in digitalen Zeiten.

Zum technischen Ablauf: Am Tag des Symposiums wurde ab 10 Uhr ein Link zur Teilnahme am Symposium geschaltet. Die aktive Teilnahme über den Browser im Rahmen eines Webinars über den Telekommunikationsanbieter Zoom war gewährleistet. Zu aktiven Beteiligung an den Diskussionen, war ein Rechner mit Mikrofon und ggf. Webcam Voraussetzung. Inhaltliche Fragen durften an labor@cheersforfears.de gerichtet werden. Zudem wurde am Tag selbst eine Telefonnummer veröffentlicht, die bei technischen Fragen genutzt werden durfte.

Programmablauf am Donnerstag, den 19. März 2020

11:00Begrüßung
Michael Eickhoff (Akademie für Theater und Digitalität, Theater Dortmund)
Sina-Marie SchnellerJascha Sommer (Cheers for Fears)
Klaas Werner (Büro medienwerk.nrw)
11:30Intervention I und Diskussion
Diana McCarty: Be(coming) media – Techno-Feminist Pasts, Presents & Potentials
(ENG)
12:30Intervention I und Diskussion
Anja Breljak: Staging Affect? Digitalisierung als/in sozio-affektive/n Prozesse/n
(DE)
13:30Pause
14:30Tele-Panel: Künstlerischer Umgang mit (post)digitalen Herausforderungen
Christian Sievers: Trackedness. Der Traum von Kontrolle, der Umgang mit
Unsicherheit – und was die Kunst daraus macht (DE)
Régine Debatty: Where are the click-luddites? (ENG)
Philipp Jonathan Ehmann: Multimediatheater – ganz ohne Medien, ganz ohne
Theater (DE)
16:00Pause
16:15Diskussion zum Tele-Panel
17:00Ende

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Das Online-Symposium Staging Complexity wurde veranstaltet von Cheers for Fears in Koproduktion mit der Akademie für Theater und Digitalität, dem Theater Dortmund und dem Büro medienwerk.nrw (Träger: Hartware MedienKunstVerein). Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW sowie der Kunststiftung NRW.

KULTURKONFERENZ RUHR 2019- Kulturelle Potenziale von Technologie

Meta Marathon 2019

KULTURKONFERENZ RUHR 2019- Kulturelle Potenziale von Technologie

DORTMUNDER U
FR, 13.09.2019

Büro medienwerk.nrwKonferenz

Die Kulturkonferenz 2019 wurde veranstaltet durch den Regionalverband Ruhr und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, in Kooperation mit dem medienwerk.nrw.

Der digitale Wandel stellt nicht nur Kommunikations- und Produktionsprozesse vor neue Herausforderungen. Auch Kultureinrichtungen und Kulturschaffende müssen Strategien, Antworten und Positionen zur Digitalisierung entwickeln. Die mit 400 Teilnehmern ausgebuchte 8. Kulturkonferenz Ruhr im Dortmunder U bot am 13. September 2019 ein hochkarätig besetztes Forum zu dem Thema.

Das Programm der Kulturkonferenz wurde konzipiert von:

  • Dr. Inke Arns, Direktorin Hartware MedienKunstVerein e.V. (HMKV)
  • Alain Bieber, Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer NRW-Forum Düsseldorf
  • Stefan Hilterhaus, Künstlerische Leitung und Geschäftsführung PACT Zollverein
  • Stefanie Reichart, Referatsleitung Kultur Regionalverband Ruhr
  • Fabian Saavedra-Lara, Leitung medienwerk.nrw.

Mensch und Maschine: In einer gewachsenen Industrieregion wie dem Ruhrgebiet war diese Beziehung stets eine besondere und selten eine einfache.

Der digitale Wandel stellt dieses Verhältnis nun auf eine vollkommen neue, nie da gewesene Stufe. Fiktion ist vielfach längst Fakt; nichts scheint unmöglich, jede Idee technisch realisierbar.

Digitale Technologien verändern unsere Gesellschaft und unsere urbanen Strukturen in kaum überschaubaren Ausmaßen – und nehmen damit auch Einfluss auf die Rolle und das Selbstverständnis von Kunst und Kultur in der gesellschaftspolitischen Entwicklung.

Die andere Seite der Medaille: technische Überforderung, ein Überangebot an Informationen, die Dominanz einiger weniger kommerzieller Akteur*innen und neue globale (und oftmals ausgeblendete) Ausbeutungsverhältnisse.

Wie wird und bleibt man als Künstler*in hier relevant? Wie steht es um ethische Werte, eigene Rechte, Verantwortung, Datenhoheit und bestehende Machtverhältnisse? Wer profitiert – und wer nicht? Welche Bildungsmodelle braucht es? Welche Archive? Wie geht eigentlich digital? Und ist die Sehnsucht nach dem Analogen eigentlich noch legitim? Kurzum: Wie steht es um das moderne Verhältnis von Mensch und Maschine? Und was sagt die Maschine dazu?

Kultureinrichtungen und Kulturschaffende sind aufgefordert, eigene Strategien und Positionierungen in einem Wandlungsprozess zu entwickeln, der zeitliche und räumliche Grenzen aufhebt, der in Updates denkt und globalen Dimensionen. Digitalisierung erweitert unsere Welt um virtuelle Realitäten, eröffnet Märkte, ermöglicht neue künstlerische Freiräume und Ästhetiken. Sie macht Kunst und Kultur allgegenwärtig, jederzeit abrufbar und allgemein zugänglich.

Die 8. Kulturkonferenz Ruhr lud Kunst- und Kulturschaffende dazu ein, die Debatte um den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten. Sie wollte Impulse setzen, Potenziale sichtbar machen und stärken, neue Bündnisse zwischen Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ausloten und fördern.

Ziel war es, einen Diskurs darüber anzustoßen, welche Rolle Kunst und Kultur jetzt und in Zukunft in der Diskussion um Technologie und Gesellschaft einnehmen können, und welche Voraussetzungen und kulturpolitischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden sollten.

Weitere Informationen zu der Kulturkonferenz Ruhr 2019

BLUE SKIES #1 – BODIES IN TROUBLE KÖRPER IN AUFRUHR

Blue Skies 1
Blue Skies 2
Reservate_07
Reservate_07

BLUE SKIES #1 – BODIES IN TROUBLE KÖRPER IN AUFRUHR

PACT ZOLLVEREIN
Mi, 10.07.2019 – So, 14.07.2019

Büro medienwerk.nrwFestival

Mit dem wachsenden Einfluss der Technologie auf das Leben verändern sich unsere Körper, unsere Gemeinschaften und unsere Umwelt – was tun? Wie können wir diesen Wandel gemeinsam begreifen und mitgestalten?

Der ungebremste technologische Wandel und die umwälzenden Entwicklungen in der biochemischen Forschung greifen zunehmend in das Leben selbst ein: Es entstehen Hybride aus Maschine und Organismus, technische Interventionen und Substanzen werden eins mit dem Körper. Neueste Entwicklungen in der Gentechnik versprechen indes, den Menschen noch vor der Geburt modifizierbar zu machen. Die Grundlagen unserer Existenz und unseres sozialen und öffentlichen Miteinanders verändern sich dabei tiefgreifend. In den verheißungsvollen technologischen Versprechen von Konzernen klingt die Freiheit, den Körper, soziale Dynamiken und unsere Umwelt vollkommen gestaltbar und veränderbar zu machen, nach einer universellen Lösung. Andere befürchten ein auswegloses soziales Szenario, in dem die Handlungsmacht des Einzelnen den umfassenden technischen Reduktionen, mathematischen Operationen und gefilterten Wissensbeständen zum Opfer fällt. Wie aber könnten die kritischen Zwischentöne dieser polarisierenden Positionen klingen?

Das Festival bildet die fünfte Konferenz des Büro medienwerk.nrw und gleichzeitig den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe von PACT Zollverein, die sich in den nächsten Jahren einer aktiven und interdisziplinären Arbeit an dringenden aktuellen Fragestellungen im Spannungsfeld von Technologie und Gesellschaft, neuen Erzählungen, spekulativen Zukunftsvisionen und alternativen, empowernden Praxen widmen möchte.

Wir laden Euch ein, im Rahmen eines öffentlichen Online-Symposiums mit uns die digitale und vernetzte Gegenwart zu analysieren. Wir befragen das Potenzial, aber auch die Grenzen des Digitalen in Gesellschaft, Kultur und Kunst: Wie wirkt sich der digitale Wandel auf unsere alltäglichen sozialen Praktiken aus? Wie auf künstlerische Erzähl- und Gestaltungsweisen? Was heißt dies für Regisseurinnen, Videokünstlerinnen, Schauspielerinnen oder Musikerinnen? Was für ihr Publikum? Wie erleben wir Kunst und kulturelle Praktiken, die sich nicht nur einzelner technischer Hilfsmittel bedienen, sondern in computergenerierten Umwelten beheimatet sind?

Mit Beiträgen von:
Ausstellung, Performances & Workshops
acting in concert, The Agency, Aliens in Green, Heather Dewey-Hagborg, FAM_, knowbotiq, labsa, Xavier Le Roy, Mary Maggic, Špela Petrič, Paula Pin, Johannes Paul Raether, Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) & Thomas Melle, Silke Schönfeld, Nguyễn + Transitory u.a.

Diskurs
Marie-Luise Angerer, Madeleine Böckers, Astrid Deuber-Mankowsky, Gabriele Gramelsberger, Jens Hauser, Oliver Kuchenbuch, Justus Pötzsch, Luiza Prado de O. Martins, Kaushik Sunder Rajan, Tabita Rezaire, Emilia Sanabria, Paula-Irene Villa u.a.

Musik
Asita Shirali, COOL FOR YOU, Odete, tryniti, N!zza

Das vollständige Programm finden Sie auf der Seite von PACT Zollverein

Zu den Gesprächen, Vorträgen und Workshops (mit Anmeldung), den Konzerten sowie der Ausstellung und Party ist der Eintritt frei! Karten im Vorverkauf für die Performances „Medusa Bionic Rise“ von The Agency und „Uncanny Valley“ von Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) können auf der Website von PACT Zollverein bestellt werden.

Festivaleröffnung:

MI 10.07.2019
18.30 Uhr

Begrüßung, Einführung & Eröffnung der Ausstellung
21 Uhr
Münchner Kammerspiele, Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) und Thomas Melle
›Uncanny Valley‹

Konzeption: Stefan Hilterhaus, Fabian Saavedra-Lara 
Team Büro medienwerk.nrw: Kirsten Möller, Nada Schroer, Mary Shnayien, Klaas Werner, Sonja Wunderlich 
In Kooperation mit: PACT Zollverein

Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Das Büro des medienwerk.nrw und das Festival ›Bodies in Trouble — Körper in Aufruhr‹ wurden gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW (Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund). Gefördert im Rahmen des »Internationalen Besucherprogramms« des NRW KULTURsekretariats.

ON/LIVE – DAS THEATER DER DIGITAL NATIVES

ON/LIVE

ON/LIVE – DAS THEATER DER DIGITAL NATIVES

FFT DÜSSELDORF
Fr, 10.05.2019, 19:00 Uhr – SO, 12.05.2019, 21:30 Uhr

Büro medienwerk.nrwSymposium

Eine Veranstaltung der FFT Düsseldorf, Institut für Kunst und Kunsttheorie, Universität zu Köln, Stadtbüchereien der Stadt Düsseldorf und des Büro medienwerk.nrw

In naher Zukunft wird es nur noch ein Theater geben: Das Theater der Digital Natives. Es gehört denjenigen, die sich eine Welt ohne digitale Vernetzung, smarte Devices und soziale Netzwerke nicht mehr vorstellen können. Das Symposium ON/LIVE versammelt Digital Natives aus Kunst, Wissenschaft, Schule und Politik und fragt, wie wir uns in Zukunft begegnen werden – im Theater und im Alltag. Welche Erzählungen und Wahrnehmungsweisen bestimmen unsere Gegenwart und wie gestalten wir gemeinsam die Zukunft? In Lightningtalks, Diskussionen, Performances und Workshops verhandelt das FFT mediale Praktiken im Alltag und in den Künsten. Das FFT widmet sich unter anderem dem Netz als Sphäre neuer geschlechtlicher Konfigurationen und dem Spiel als performativer Praxis der Zukunft.

Im Rahmen des Symposiums moderierte Klaas Werner (Büro medienwerk.nrw/Anna Kpok) die Diskussion.

Gaming & Escaping – Die neue Lust am Spiel | 11.05.2019, 12:00 Uhr

Games are the new normal“, erklärte Al Gore 2011. Spätestens seitdem wissen wir, dass auch im politischen und wirtschaftlichen Spektrum das Interesse für das Spiel angekommen ist. Wir sprechen über Spiele als kulturelle Form, künstlerische Praxis und gewinnbringende Unterhaltungsmedien.

Mit Dr. Stefanie Husel, Dennis Palmen, machina eX. Moderation Klaas Werner

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

META MARATHON 2019: ROBOTICS

Meta Marathon 2019

META MARATHON 2019: ROBOTICS

NRW-FORUM DÜSSELDORF
Fr, 15.03. – So, 17.03.2019, 42 Stunden

Büro medienwerk.nrwPodiumsdiskussion

Der META MARATHON 2019 wurde veranstaltet durch das NRW-Forum Düsseldorf in Kooperation mit dem tanzhaus nrw und dem Filmmuseum Düsseldorf. Das Büro medienwerk.nrw steuerte den Programmpunkt „Robotic Swarm“.

42 Stunden nonstop mit Robotern leben, lieben, feiern und arbeiten: Der META MARATHON 2019 widmet sich vom 15.-17. März 2019 dem Thema Robotik. Besucher*innen können nicht nur an Workshops, Talks und Performances teilnehmen, sondern ihren Lebensraum mit Robotern teilen, inklusive der Möglichkeit, im NRW-Forum zu übernachten und den wohl derzeit berühmtesten Roboter der Welt, Sophia, zu treffen.

Was passiert, wenn Roboter den industriellen Kontext verlassen und Teil unseres Alltags werden? Worauf muss sich die Gesellschaft gefasst machen, wenn automatisierte Prozesse von Maschinen vollzogen und Entscheidungen ohne menschliches Eingreifen getroffen werden? Wie verändern Roboter unser Handeln und Fühlen? Werden Maschinen menschlicher oder menschliche Emotionen maschineller? Können Roboter uns beim Entspannen und Entschleunigen helfen und wie sieht eine Kultur der intelligenten Robotik aus?

Programmpunkt des Büro medienwerk.nrw:

ROBOTIC SWARM
Präsentation & Talk mit Katrin Hochschuh, Adam Donovan, So Kanno.

Moderation: Klaas Werner
Sonntag, den 17.03., um 11:00 Uhr

Das Künstlerduo Katrin Hochschuh und Adam Donovan hat nicht-anthropomorphe Schwarmroboter erfunden, entwickelt und programmiert. In dieser vom Büro medienwerk.nrw vorgestellten Veranstaltung zeigen die Künstler*innen, wie sie arbeiten, sowohl im technischen Prozess als auch auf konzeptioneller Ebene, wobei sie sich vor allem auf ihre aktuelle Arbeit „Empathy Swarm“ konzentrieren.

Diese wurden als Antithese oder Erweiterung zu humanoiden Robotern wie der berühmten „Sophia“ entwickelt. Sie wollen zeigen, dass auch nicht-anthropomorphe Roboter lernen und ein Gefühl von Empathie und Mitgefühl erzeugen können. In der Diskussion kommt So Kanno dazu, dessen Arbeit „Lasermice“ sich ebenfalls mit Schwarm-Verhalten beschäftigt.

Das Büro medienwerk.nrw wurde vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Träger des Büro ist der Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Screening und Werkstattgespräch: BALLADE – Céline Berger

Meta Marathon 2019

Screening und Werkstattgespräch: BALLADE – Céline Berger

Temporary Gallery
Do, 7.06.2018, 19:00 Uhr

Büro medienwerk.nrwScreening

bitte Biographie eingeben

Eine Projektleiterin, ein Personalchef und ein Geschäftsführer wandern durch eine karge Landschaft und unterhalten sich über die Zwänge und Ängste des Berufsalltags und ihre Sehnsüchte nach einem anderen, besseren Leben. Das Drehbuch zu Céline Bergers Kurzfilm „Ballade“ basiert auf Mitschnitten von Coaching-Gesprächen an deutschen Business Schulen und thematisiert den Umgang mit Unternehmensstrategien, Management-Rhetorik und der potentiellen Nutzung von Arbeitskräften als Human-Resource (Humankapital).

Céline Berger, geboren 1973 in Saint Martin d’Heres, Frankreich, ist Künstlerin und lebt in Köln und Rotterdam. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der Sprach- und Bildwelt heutiger Arbeits- und Unternehmensstrukturen. Vor ihrem Kunststudium an der KHM Kunsthochschule für Medien in Köln und der Rijksakademie in Amsterdam absolvierte sie ein Studium der Physik und Materialwissenschaften und arbeitete als Ingenieurin für Halbleiterhersteller. Berger ist Preisträgerin des NRW Stipendiums für Medienkünstlerinnen (2015).

Emmanuel Mir, geboren 1972 in Toulon, Frankreich, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, Kunstgeschichte an der Universität Düsseldorf und promovierte über die Funktion von Kunst in privatwirtschaftlichen Unternehmen. Seit 2017 ist er Projektleiter des LaB K Landesbüro für Bildende Kunst NRW.

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Das Büro medienwerk.nrw wurde vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Träger des Büro ist der Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

META MARATHON 2018: ARTIFICIAL INTELLIGENCE

Meta Marathon 2018

42 Stunden nonstop Talks, Performances, Filme, Konzerte, Ausstellung und Workshops zum Thema Künstliche Intelligenz: Der META Marathon ist ein neuartiges Technologie-Festival, das vom 25. bis 27. Mai 2018 im NRW-Forum Düsseldorf stattfand. Die Teilnehmer gestalten das Festival selbst, wechseln die Rollen vom Experten zum Laien und experimentieren mit dem neuen Format – inklusive Übernachtung vor Ort.

Auf Einladung des Büro des medienwerk.nrw sprach die Kuratorin Michelle Kasprzak zum Thema: „Algorithms, trust, and politics: how everything old is new again“

Das Büro medienwerk.nrw und die Veranstaltung wurden gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

Kurzfilmprogramm „Working Life“

The Working Life - Still

Kurzfilmprogramm „Working Life“

KINO IM DORTMUNDER U, EBENE 0
SA, 24.03.2018, 20:00 UHR

Büro medienwerk.nrwScreening

Ein professioneller Hypnotiseur führt uns das Labyrinth unseres Arbeitslebens vor. Drei Wanderer bewegen sich in langen Coaching-Gesprächen durch eine karge Landschaft. Ehemalige Arbeiter der Moskoviter Papierfabrik „Oktober“ reflektieren über die verlorene Arbeit und ihre heutige Situation. Drei sehr unterschiedliche Situationen, drei künstlerische Kurzfilme.

Entlang dieser Stationen luden das Büro medienwerk.nrw und die Künstlerin Céline Berger auf eine vielschichtige und ungewöhnliche Reise in unser Berufsleben ein. Die Veranstaltung präsentierte dabei mit „Ballade“ einen Film, der im Rahmen des Stipendium des Landes NRW für Medienkünstlerinnen (betreut vom Büro medienwerk.nrw) entstanden ist.

The Working Life, 9:50 min, Superflex, 2013
Ballade, 23:00 min, Céline Berger, 2017 (Premiere)
Recitando, 33:00 min, Romana Schmalisch & Robert Schlicht, 2010

Ausführliche Informationen zu den Filmen und Künstler*innen:

FILM 1: The Working Life, SUPERFLEX

„The Working Life“, HD, 9:50 min, 2013, English

The Working Life ist ein 9:50 Minuten langer Film, der sich dem Berufsleben aus einer therapeutischen Perspektiven widmet. Wie soll man sich als „gute*r Bürger*in“ verhalten, wenn die zentrale Forderung einer Wirtschaft in der Krise die individuelle Bereitschaft zu arbeiten zu sein scheint und gleichzeitig in der strukturellen Notwendigkeit eines gewissen Prozentsatzes an Arbeitslosigkeit besteht, um die Löhne niedrig zu halten? Ein Hypnotiseur führt uns durch das Labyrinth des Arbeitslebens – auf der Suche nach Linderung oder vielleicht sogar nach einem Ausweg, falls es einen gibt.

SUPERFLEX wurde 1993 von Jakob Fenger,  Bjørnstjerne Christiansen und Rasmus Nielsen gegründet. Mithilfe einer vielseitigen und komplexen Herangehensweise hinterfragen SUPERFLEX die Rolle des Künstlers in der heutigen Gesellschaft und erforschen die Natur von Globalisierung- und Machtstrukturen. Ihre Kunstwerke voller Witz und subversivem Humor widmen sich ernsten sozialen und kulturellen Anliegen. SUPERFLEX beschreiben ihre Arbeiten als Werkezuge, um damit auf zahlreiche mögliche Anwendungsbereiche für ihre Kunst hinzuweisen.

FILM 2: Ballade, Céline Berger
„Ballade“, 2K, 23 min, 2017, sync. English

Basierend auf realen Coachingsgesprächen untersucht Ballade die Rhetorik und die narrativen Strategien des Business-Coachings.

Eine karge Landschaft. Der Wind bläst. Drei Menschen, versunken in aufeinander folgende Coachingsgespräche, beschreiben spezifische Ereignisse aus ihrem beruflichen Leben als Projektleiterin, Personalchef, Geschäftsführer. Banale Worte des Bedauerns, Befürchtungen, Träume einer leichteren Zukunft hallen in der minimalen Landschaft eigentümlich nach.

Céline Berger entwickelt seit 2009 künstlerische Arbeiten, die unser berufliches Leben, seine Sprache, seine Routinen und Rituale untersuchen. Nach einem Studium der Physik und Materialwissenschaften arbeitete sie bis 2008 als Projektingenieurin in verschiedenen Großunternehmen. Bergers Tätigkeit ist ein Versuch, den Dialog, der mit ihren damaligen Arbeitskolleg*innen entstand, künstlerisch fortzusetzen – auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, unser täglichen Berufsleben zu hinterfragen, jenseits von Vereinfachungen, Ironie oder Fatalismus.

FILM 3: Recitando, Romana Schmalisch & Robert Schlicht
„Recitando“, HD, 33 min, 2010, Russisch mit engl. UT

Recitando dokumentiert die Begegnung zwischen Arbeiter*innen einer Moskauer Fabrik und zwei Filmemacher*innen aus dem Ausland. Der filmische Produktionsprozess wird dabei erst durch den Stillstand der Maschinen ermöglicht. Denn was zunächst wie Arbeit aussieht, entpuppt sich bald als Theater, als Simulation. Die 1924 erbaute Fabrik „Oktober“ (ehemals „Roter Oktober“) war eine der größten Papierfabriken Moskaus. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden Teile des Komplexes in einen Kunstraum umgewandelt.

Romana Schmalisch (*Berlin) und Robert Schlicht (*Berlin) arbeiten seit 2004 gemeinsam an Projekten, die sich an der Schnittstelle von Film und Theorie bewegen. Ihr Hauptaugenmerk lag in den letzten Jahren auf dem Thema Arbeit, so etwa in der Performancereihe The Choreography of Labour (2013–15), dem Theaterstück All the best from Labour Power Plant (2017), dem Kurzfilm Top/Down (2017) sowie dem Langfilm Labour Power Plant (in Postproduktion).

Alle Filme in englischer Sprache

Anschließend Künstler*innengespräch. Romana Schmalisch, Robert Schlicht und Céline Berger waren anwesend.

Organisiert vom Büro medienwerk.nrw & Kino im U e.V.

Das Büro medienwerk.nrw und die Veranstaltung wurden gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.  Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

ENJOY COMPLEXITY – Konferenz zu Digitalität und Theater

Enjoy Complexity

ENJOY COMPLEXITY – Konferenz zu Digitalität und Theater

VARIOUS LOCATIONS DORTMUND
FR, 23.02.- So, 25.02.2018

Büro medienwerk.nrwKonferenz

Eine Veranstaltung des Büro medienwerk.nrw, Schauspiel Dortmund, Akademie für Digitalität und Theater und Hartware MedienKunstVerein (HMKV)

Wir freuten uns sehr die Initiative unseres Netzwerkpartners, des Schauspiel Dortmund, hinsichtlich der Gründung einer „Akademie für Digitalität und Theater“ begleiten zu können. 

Zum Start dieser Aktivitäten fand vom 23. bis 25. Februar 2018 unter dem Titel „ENJOY COMPLEXITY“ eine „Konferenz zu Digitalität und Theater“ statt.

An drei Tagen gab es Performances, Ausstellungen und Workshops am Standort der neugegründeten Akademie in Dortmund.

Das Konferenzprogramm

Eröffnungsabend | Freitag, 23. Februar 2018

17 Uhr: Ausstellung und Lounge geöffnet

19 Uhr: Offizielle Eröffnung durch der Konferenz durch die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen

Im Anschluss: Keynote von Marc Grandmontagne, Geschäftsführer im Deutschen Bühnenverein.

Danach: interaktive Tanzperformance CORPUS (PYGMALIO) von Chris Ziegler 

Workshoptag | Samstag, 24. Februar 2018

Vormittags: Selbstvorstellung von zehn ausgewählten (internationalen) Projekten und Institutionen, die das Feld zwischen Theater und Digitalität bearbeiten.

Nachmittags: Workshops und Vorträge, u.a. zu den Themen: Virtual Reality und Bertolt Brechts Radiotheorie, Kunst und Theater im Netz, Zwischen Maschinenlernen, Nanotechnology und Body Enhancement, Montagetechniken und komplexes Erzählen zwischen Film und Theater, Digitale Bewegungsarchitektur auf der Bühne durch Einsatz von generischen Technologien, Coding und Bewegung, Augmented Reality und Theater, Die Medienabteilung der Zukunft am Theater, Virtual Space, Industrie 4.0 und Internet der Dinge

16:30 – 18:00 Uhr Podiumsdiskussion: Das Theater der Zukunft

Mit: Hubert Eckart und Wesko Rohde (Deutsche Theatertechnische Gesellschaft, DTHG), Kay Voges (Intendant am Schauspiel Dortmund) + N.N.(Medienkünstler). Moderation: Anne Schulz

Die Podiumsdiskussion war eine Kooperation mit dem Büro medienwerk.nrw.

Abends: 4.48 Psychose von Sarah Kane (Regie: Kay Voges) 

Nachts: Konzert von Moritz Simon Geist / Sonic Robots.

Abschlusstag | Sonntag, den 25. Februar 2018

10:30 Uhr: Workshops

Im Anschluss: großes, abschließendes Podiumsgespräch.

Das Podiumsgespräch war eine Kooperation mit dem Büro medienwerk.nrw.

14:30 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Afro-Tech and the Future of Re-Invention“ im Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U mit Inke Arns (Künstlerische Leiterin des HMKV) und Fabian Saavedra-Lara (Leitung des medienwerk.nrw).

18:30 Uhr: Flammende Köpfe (Regie: Arne Vogelgesang) im Studio des Schauspielhaus Dortmund.

Ort: ehemalige Grundschule am Kleyer Weg 90, Dortmund

Das Büro des medienwerk.nrw wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

11 UhrTest
11:30Test 2

Process Festival 2018: Foolish Hackathon – Let’s create not-so-smart Homes

Meta Marathon 2019

Process Festival 2018: Foolish Hackathon – Let’s create not-so-smart Homes

SPeicher 100, Dortmunder Hafen
DO, 01.09.2018, 10:00-16:00 UHR

Büro medienwerk.nrwWorkshop

Eine Veranstaltung des Büro medienwerk.nrw in Kooperation mit dem Process Festival und dem FabLab DEZENTRALE Dortmund, Gemeinschaftslabor für Zukunftsfragen, einem Projekt von Fraunhofer UMSICHTE

Du bist auf der Suche nach einem weiteren Hackathon, bei dem du die nächste millionenschwere App entwickeln und nebenbei dein nächstes Start-Up gründen kannst? Dann bist du hier falsch!
 
In unserem Foolish Hackathon wollen wir die Dinge hinterfragen, die elementare Funktion des Produkts identifizieren – und diese entfernen! Wir schauen uns die Bauteile an und basteln zusammen etwas. Am Ende soll es sinnfrei, nutzlos und einfach nur verrückt sein. 
 
Am 1. September 2018 begannen wir um 10 Uhr mit einem intensiven vierstündigen Workshop. Wir schauten uns zuerst die typische Ausstattung eines zukünftig smarten Lebens an. Als Basis diente hierfür eine automatisierte Cocktailmaschine: Wir bauten Teile aus oder tauschten sie aus, programmierten die gesamte Maschine um, erweiterten sie aber auch willkürlich und wild um neue Funktionen.
 
Es gab einen praxisorientierten Crashkurs im Programmieren, falls keine Vorkenntnisse vorhanden waren. So konnte jede*r Teilnehmer*in auch eigene Ideen an der Cocktailmaschine oder mit einem eigenen Prototyp umsetzen. Dafür wurden genügend Microcontroller, Sensoren und Aktoren zur Verfügung gestellt. Zusätzlich gab es Knete und einen 3D-Drucker, für eine schnelle Umsetzung von großen und kleinen Bauteilen. Anschließend wurden ab 14 Uhr die Gadgets für ein zukünftiges Not-so-smart Home im Rahmen des Hafenspaziergangs präsentiert. 
 
Eingeladen waren Künstler*innen, Aktivist*innen und alle Interessierten – mit und ohne Vorkenntnisse.
 
Process Festival 2018 – Pre-Event
Organisiert und veranstaltet wurde der Foolish Hackathon vom Büro medienwerk.nrw in Kooperation mit dem Process Festival und dem FabLab DEZENTRALE Dortmund, Gemeinschaftslabor für Zukunftsfragen, einem Projekt von Fraunhofer UMSICHT. Die Veranstaltung fand unter dem Motto des Process Festivals „Mensch <> Maschine“ statt und wurde mit einer kleinen Gruppe von ca. 10 Personen, die nicht zwingend programmieren mussten, durchgeführt.
 
Zeitplan: 10:00 – 14:00: Workshop | 14:00 – 16:00: Öffentliche Präsentation der Gadgets.

Weitere Informationen: dotprocess.org

Das Büro des medienwerk.nrw und die Veranstaltung wurden gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

Aktuelle Taktiken des Netzaktivismus – Ein (de-)konstruktiver Workshop mit UBERMORGEN

Netzaktivismus

Aktuelle Taktiken des Netzaktivismus – Ein (de-)konstruktiver Workshop mit UBERMORGEN

PACT Zollverein
DO, 05.07.2018, 10:00-17:00 UHR

Büro medienwerk.nrwWorkshop

Ein Workshop des Büro medienwerk.nrw und des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste

#Black Lives Matter und #Metoo sind zwei Beispiele, wie digitale Öffentlichkeiten genutzt werden können, um auf gesellschaftspolitische Probleme von Diskriminierung und Ungleichheit hinzuweisen. Oftmals kommt es hierbei zu Verschränkungen von physischen und digitalen Räumen: Protestierende Körper formieren sich im urbanen Raum, die Bilder der Aktion zirkulieren in den sozialen Netzwerken um die Welt und erzeugen Aufmerksamkeit für das geteilte Anliegen.

Doch gleichzeitig formieren sich „auf der anderen Seite“ des politischen Spektrums ebenfalls neue, krautwüchsige, anarchisch-libertäre und aggressive Subkulturen im Netz wie bspw. Alt-Right in den USA und Identitäre in Europa, die auf Selbstorganisation einerseits und der Verachtung jeder Staatlichkeit andererseits basieren. Sie produzieren ebenfalls starke Bilder, die ein soziales Echo nach sich ziehen sollen. Hierbei stehen oftmals Kampagnen gegen Individuen oder öffentliche Institutionen im Mittelpunkt, in denen die Ansprache niederer Affekte den rationalen Austausch von Argumenten zugunsten einer beliebigen Konstruktion von Wirklichkeit ersetzt hat. Die Akteure dieser populistischen Kampagnen eignen sich die Taktiken der „Counter Culture“ an und wenden diese gegen die Idee einer pluralistischen, offenen Gesellschaft.

Der vom Landesbüro Freie Darstellende Künste und dem Büro medienwerk.nrw organisierte, eintägige Workshop möchte diese aktuellen Dynamiken des Aktivismus in einem flüssig gewordenen politischen Spektrum ergründen, möchte versuchen zu verstehen, welche Rolle die Strategie der Grenzüberschreitung heute spielt, wie die Künste auf diese Entwicklungen reagieren, worin die Kraft der aktuellen Bewegungen im Netz besteht – und wo ihre Grenzen liegen könnten. Verschiedene künstlerische Aktionsformen haben in den letzten Jahren versucht, sich ähnlicher Strategien zu bedienen. Die Teilnehmer*innen suchten, nach einem kurzen Input zu Beginn und der Diskussion einiger aktueller künstlerischer Projekte, im Anschluss selbst nach geeigneten Formen des Umgangs mit diesen Phänomenen. Die Teilnehmer*innen waren hier auch eingeladen, eigene Konzeptionen und Material mitzubringen, um bereits bestehende Arbeitsansätze im Verlauf des Tages weiterzuentwickeln.

Mit Hans Bernhard konnte eine außergewöhnliche Workshopleitung gewonnen werden. Seit diesem Jahr ist er zusammen mit lizvlx als UBERMORGEN das Professor*innen-Team für Netze an der Kunsthochschule für Medien Köln. Die beiden forschen und arbeiten z.Zt. unter anderem im Bereich „Binary Primitivism“ und interessieren sich für die Alt-Right-Bewegung und verwandte, rechte Netzkulturen global. Dabei untersuchen sie, was Transhumanismus mit Gamification in Social Media-Systemen und was Games als „eiskaltes“ Medium für ungeliebte Menschen mit der Rechten und ihrem revolutionären Potential zu tun haben.

Workshopleitung: UBERMORGEN | Input: Fabian Saavedra-Lara (Büro medienwerk.nrw)

UBERMORGEN: lizvlx (AT, *1973) und Hans Bernhard (CH/USA, *1971) sind zwei Künstler*innen, die mit Installation, Video, Code und Performance arbeiten: ‚doing strange things with software & hardware‘. Ihre frühen Arbeiten wurden als ‚Media Hacking‘ und ‚Online Performances‘ bezeichnet. Im Jahr 2000 wurde die Strategie hinter der Wahlstimmenverkaufsplattform Vote-Auction von der Libération als ‚un plan machiavélique‘ beschrieben. 2005 benannte die NZZ das Projekt Google Will Eat Itself als ’sachliche und perverse‘ Konzeptkunst.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen von weiterkommen!, dem Qualifizierungsprogramm des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste. weiterkommen! wurde im Rahmen der IKF (Individuelle KünstlerInnenförderung) vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert.

Das Büro des medienwerk.nrw und die Veranstaltung wurden gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.  Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

Afro-Tech Fest – Ausstellung, Talks, Performances, Workshops, Filme und Musik

Ausstellungsansicht „Afro-Tech
DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors
Ausstellungsansicht „Afro-Tech
DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors
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Panel Afro Fest
Workshop „Afro-Tech

Afro-Tech Fest – Ausstellung, Talks, Performances, Workshops, Filme und Musik

DORTMUNDER U
Fr, 20.10. – Sa, 28.10.2017

Büro medienwerk.nrwFestival

Veranstaltet wurde das Afro-Tech Fest vom HMKV (Hartware MedienKunstVerein) & Büro medienwerk.nrw in Kooperation mit Interkultur Ruhr – ein Projekt des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und Africa Positive e.V.

Das AFRO-TECH FEST präsentierte vom 20. – 28. Oktober 2017 eine Festivalwoche mit Gesprächen, Vorträgen, Filmvorführungen, Performances, DJ-Sets, Konzerten und Workshops an verschiedenen Orten in Dortmund. Das Programm begann zeitgleich mit der Ausstellung Afro-Tech and the Future of Re-Invention des HMKV (Hartware MedienKunstVerein) im Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität und schuff sehr unterschiedliche Anlässe, um die Themen und Motive der Ausstellung gemeinsam zu diskutieren, zu vertiefen und in vielen Veranstaltungen unmittelbar zu erleben. Gezeigt und besprochen wurden während des Afro-Tech Fests Arbeiten aus Medienkunst, bildender Kunst, Film und Fotografie sowie Beiträge aus der Popkultur und Anwendungen aus der digitalen Kultur.

THEMA
AFRO-TECH beschäftigt sich in einer internationalen Gruppenausstellung und Festivalwoche mit spekulativen Zukunftsvorstellungen und aktuellen Entwicklungen im Bereich digitaler Technologien von Künstler*innen und Erfinder*innen aus verschiedenen Ländern Afrikas, der afrikanischen Diaspora und von vielen weiteren Stimmen in den USA und Europa. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Science-Fiction-Erzählungen und Vorstellungen von Technologie, die nach eigenen Regeln funktionieren und nicht den dominierenden Narrativen des Westens folgen. Eine wesentliche Inspiration für die künstlerischen Arbeiten stellt der Afrofuturismus dar, der Mitte des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der historischen Erfahrung von Rassismus und Diskriminierung der afroamerikanischen Community in den USA entstanden ist und von einer Zukunft erzählt, die einen Raum für die eigene Geschichte eröffnet, für Emanzipation, Selbstermächtigung und individuelle Freiheit. Die Konzepte, Ideen und Ästhetiken des Afrofuturismus bleiben in der Folge nicht auf die USA beschränkt, sondern zirkulieren um die Welt, beeinflussen zahlreiche weitere Künstler*innen und treffen auf ihre jeweils eigenen Erfahrungen – auch im deutschsprachigen Raum.

ANLIEGEN
Das Projekt basiert auf einer besonderen Kooperation verschiedener Partner aus dem künstlerischen, kulturellen und soziokulturellen Bereich auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene. Es wurden künstlerische Positionen und Projekte aus dem Bereich der digitalen Kultur vorgestellt, die noch nie in NRW gezeigt worden sind. Gleichzeitig vernetzte sich das Afro-Tech Fest über zahlreiche Veranstaltungsformate mit der vielfältigen Stadtgesellschaft Dortmunds und schuff Räume, um miteinander ins Gespräch zu kommen, zu denken, Kunst zu erleben und zu tanzen. Gemeinsames Ziel der beteiligten Partner war es, Afrika als Kontinent der technologischen Innovation zu präsentieren und einen differenzierten Blick auf aktuelle medienkünstlerische Entwicklungen in Afrika und der Diaspora zu werfen. Afro-Tech wollte ein Anlass sein, um zu fragen: Welche anderen Strategien, Praktiken, Ästhetiken, Erzähltraditionen und technologischen Ideen gibt es neben der hegemonialen, westlichen Perspektive, um über die Zukunft nachzudenken – und wie sehen diese Zukünfte aus? Was erzählen sie uns auch über die verschiedenen Erfahrungen von Gegenwart und Geschichte?

Alle Vorträge der Afro-Tech Fest gibt es bei Vimeo. Den Eröffnungsvortrag hielt Ingrid LaFleuer aus Detroit:

Veranstaltet wurde das Afro-Tech Fest vom HMKV (Hartware MedienKunstVerein) & Büro medienwerk.nrw in Kooperation mit Interkultur Ruhr – ein Projekt des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und Africa Positive e.V.

Träger Büro medienwerk.nrw: HMKV (Hartware MedienKunstVerein)
Träger Interkultur Ruhr: Regionalverband Ruhr (RVR) /
Die Ausstellung wurde gefördert:
im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW
Die Festivalwoche wurde gefördert: durch die Bundeszentrale für politische Bildung, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, das NRW KULTURsekretariat International und das Kulturbüro Stadt Dortmund
Hauptförderer HMKV: Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität
Partner: Goethe-Institut, Afrikamera – Aktuelles Kino aus Afrika (Berlin), NRW KULTURsekretariat, Kino im U e.V. (Dortmund)

Virtuelle Kunst – Forum Europe Ruhr

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Virtuelle Kunst – Forum Europe Ruhr

ESSEN
SA, 07.09.2017

Büro medienwerk.nrwKonferenz

Immersive Technologien der Augmented und Virtual Reality eröffnen für die Akteure im kulturellen Feld viele neue Möglichkeiten. Besonders Künstler*innen und Kurator*innen aus Medienkunst und Performance befragen dabei zur Zeit die Chancen und Grenzen des Mediums. Die Technik zu durchdringen und neue Bildwelten und Herangehensweisen zu erschaffen, ist Anspruch und Aufgabe relevanter zeitgenössischer Kunstakteure. Trotz existierender technischer und finanzieller Hürden tritt eine eindrückliche Möglichkeit multisensorischer und multiperspektivischer Kunst nun ins Feld der Öffentlichkeit. Dabei sind Künstler*innen nicht mehr allein, sondern umgeben von Designer*innen und Programmierer*innen, oder sie werden zu ihnen.

In Präsentationen und Gesprächen erzählen wichtige europäische Akteure über neue Produktionsweisen, neue Präsentationsmöglichkeiten und sich verändernde Erzählweisen.

4x 15-minütige Präsentationen der entwickelten Projekte mit anschließendem Gespräch.

Moderiert von Klaas Werner (medienwerk.nrw)

Dokumentation zum Forum

Block I – VR im Ausstellungskontext

Tina Sauerländer (DE) – Kuratorin der Ausstellung „Die ungerahmte Welt“ am Haus der elektronischen Künste, Basel

Banz & Bowinkel (DE) – Medienkünstlerduo aus NRW, die mit VR arbeiten

Block II – VR in interaktiven Performances

Mona el Gammal (DE) – Theatermacherin und Szenografin

Daniel Rammer, Lorenz Krautgartner (AT) – Collaborative VR-Videogame

Das medienwerk.nrw wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein

Philosophischer Rundgang zu Erwin Wurm – mit Prof. Dr. Markus Gabriel

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Philosophischer Rundgang zu Erwin Wurm – mit Prof. Dr. Markus Gabriel

Lehmbruck Museum
SA, 08.07.2017

Büro medienwerk.nrwAusstellung

Markus Gabriel (Universität Bonn) ist der jüngste Philosophie-Professor Deutschlands und darüber hinaus auch ein ausgezeichneter Kenner von Erwin Wurms Werk. In einem Rundgang durch die Ausstellung spricht er unterhaltsam und kenntnisreich über die Alltäglichkeit und die Besonderheiten im Werk von Erwin Wurm.

Aufsehen erregte Markus Gabriel als Begründer und Hauptvertreter des „Neuen Realismus“, einer philosophischen Strömungen zu dessen Kreis auch der Berliner Armen Avanessian oder Quentin Meillassoux zugerechnet werden. Es geht ihnen darum, die Thesen Kants hinter sich zu lassen, indem sie feststellen, dass die Welt unabhängig von dem Bild und der Vorstellung, die wir uns davon machen, existiert. So sind von Markus Gabriel auch bisweilen bizarre Aussagen zu hören wie etwa, dass es Einhörner gibt. Das fette Auto Erwin Wurms oder seine absurd anmutenden Bergformationen werden daher in diesem philosophischen Rundgang zum Ausgangspunkt einer Frage nach der Welt und dessen Realitätsgehalt.

Die Veranstaltung war eine Kooperation des Büro medienwerk.nrw mit dem Lehmbruck Museum, Duisburg. Sie stand im breiteren Kontext des Themas „Speculative Technologies“ des medienwerk.nrw.

Das Büro medienwerk.nrw wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Afro-Ruhr Festival 2017 |  „Afro-Tech“ – Filme über Technolgie und Science Fiction

Ausstellungsansicht „Afro-Tech
DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors
Ausstellungsansicht „Afro-Tech
DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors
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Panel Afro Fest
Workshop „Afro-Tech

Afro-Ruhr Festival 2017 |  „Afro-Tech“ – Filme über Technolgie und Science Fiction

DORTMUNDER U
FR, 23.07.2017, 20:00 UHR

Büro medienwerk.nrwScreening

Eine Veranstaltung des Büro medienwerk.nrw, Africa Positive e.V., Hartware MedienKunstVerein, Interkultur Ruhr und Regionalverband Ruhr (RVR)

Ein Raumfahrtprogramm in Sambia, Spekulationen über die Zukunft Sansibars, ein kleiner Junge träumt im Burkina Faso der 1980er Jahre von Superhelden, und eine Reise zur utopischen Insel Drexciya.

Am 23. Juni 2017 war das Medienkunstprojekt Afro-Tech Fest beim Afro-Ruhr Festival 2017 zu Gast (Veranstalter: Africa Positive e.V.) und lud dazu ein, an einem Kinoabend mit vier Kurzfilmen einen ersten Einblick in die Themen zu bekommen, die Ende Oktober im Rahmen einer internationalen Ausstellung und Festivalwoche in Dortmund vertieft und diskutiert wurden (Eröffnung Afro-Tech Fest: 20.10.2017). 

Im Zentrum des Filmprogramms im Juni standen Erzählungen über die Zukunft aus vielfältigen afrikanischen Perspektiven. Ihnen gemeinsam ist ein eigenständiger Blick auf Technologie und auf diverse Mythen der Populärkultur, der herrschende Deutungshoheiten herausfordert. Der Film wird als Medium begriffen, in dem eigene Utopien und Dystopien entworfen werden können. 

Die Filmemacher*innen, deren Arbeiten gezeigt wurden, setzen so unterschiedliche wie kreative Gestaltungsmöglichkeiten ein, um diese Imaginationsräume zu schaffen: Die Regisseurin Frances Bodomo z.B. fügt in ihrem Film kurzerhand einen dritten Akteur in die bekannte Geschichte des Wettlaufs zum Mond in den 1960er Jahren hinzu – eine Dorfgemeinschaft in Sambia, die eine eigene Rakete baut. Simon Rittmeier hingegen erzählt von einer Zukunft, in der sich die gegenwärtige „Flüchtlingskrise“ in ihr Gegenteil verkehrt hat: In seinem Film sind es Menschen aus Europa, die sich auf die lebensgefährliche Reise über das Mittelmeer begeben, um in den Ländern Afrikas Zuflucht zu suchen – und manchmal auf einer sagenumwobenen Insel landen, deren Bewohner*innen über unbekannte, fortschrittliche Technologien verfügen.

Alternative Geschichtsschreibung trifft auf Spekulation. Science-Fiction-Erzählungen aus dem „globalen Norden“ treffen auf viel ältere Mythen und Legenden in verschiedenen Regionen Afrikas, stets ausgehend von den sehr realen sozialen und politischen Situationen der Gegenwart.

Der von Alex Moussa Sawadogo (Afrikamera/Berlin) kuratierte Abend ermöglicht einen Einblick in aktuelles Filmschaffen in verschiedenen Ländern Afrikas und will neugierig machen auf die zahlreichen Veranstaltungen und die Ausstellung im Rahmen des Afro-Tech Fests, die später im Jahr von den Kooperationspartnern Hartware MedienKunstVerein (HMKV), Interkultur Ruhr, Africa Positive e.V. und medienwerk.nrw in Dortmund präsentiert wurden. 

Das Programm: 

*1*
Afronauts

Afronauts erzählt eine alternative Geschichte des Wettlaufs zum Mond, basierend auf wahren Begebenheiten. Es ist die Nacht des 16. Juli 1969, die USA bereiten den Abschuss der Apollo 11 vor. Zeitgleich baut im mittlerweile unabhängigen Sambia eine erfinderische Gruppe von Dorfbewohner*innen eine Rakete, um ebenfalls in den „Wettlauf ins All“ einzutreten. Als der Starttermin näher rückt, muss ihre Astronautin – die 17-jährige Matha Mwambwa – entscheiden, ob sie ihr Leben geben will, um die Mythen ihrer Familie aufrechtzuerhalten …

Ghana/USA  2014, 14 Min. engl. OF

Regie: Frances Bodomo

Die ghanaische Filmemacherin Frances Bodomo studierte Film an der Columbia University und an der Tisch School of the Arts der NYU. Ihr erster Kurzfilm „Boneshaker“  (mit Oscar-nominee Quvenzhané Wallis) lief bei mehr als 20 Festivals. „Afronauts“ feierte seine Weltpremiere beim Sundance Festival 2014.  

*2*
Twaaga 

Burkina Faso ist 1985 ein Land im Umbruch. Manu, der eine Leidenschaft für Comics hegt, und sein großer Bruder Albert wachsen in einer Zeit auf, in der Unmögliches machbar scheint. Als Albert eines Tages beschließt, ein magisches Ritual zu durchlaufen, das ihn unsichtbar machen soll, realisiert Manu, dass es echte Kräfte gibt, die es mit denen seiner Superhelden aufnehmen können.

Burkina Faso/Frankreich 2013, 31 Min. / Original mit englischen UT

Regie: Cédric Ido

Der Burkinabè Cédric Ido arbeitet als Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler, Musiker und Zeichner. 2008 war er als Darsteller in Spike Lees Film „Miracle at St. Anna“ zu sehen. Als Regisseur zeichnet er u.a. für die Fernsehdokumentation „Un ‘Stains‘ de musique“ (2009) und den Kurzfilm „Hasaki Ya Suda“ (2011) verantwortlich.

*3*
Jonah

Mbwana und sein bester Freund Juma sind zwei junge Männer aus Sansibar mit großen Träumen. Diese scheinen sich zu erfüllen, als sie einen riesigen Fisch beim Sprung aus dem Wasser fotografieren und ihre kleine Stadt zum touristischen Hotspot wird. Doch die sensationelle Entdeckung stellt nicht nur die Beziehung der beiden Freunde auf die Probe, sie verändert auch ihre ehemals verschlafene Heimatstadt.

Tansania/Großbritannien 2013, 17 Min. / englische OF

Regie: Kibwe Tavares

Der britische Sundance-Gewinner Kibwe Tavares realisierte seinen preisgekrönten Film „Robots of Brixton“, während er sein Architektur-Studium absolvierte. Zusammen mit Jonathan Gales und Paul Nicholls gründete er die Produktionsfirma Factory Fifteen, mit der er auch die Spezialeffekte für „Jonah“ kreierte. Er verbindet sein Wissen im Bereich der Architektur mit Storytelling und Animation zur Kreation futuristisch animierter 3D live-action Filme. 

*4*
Drexciya

Simon Rittmeiers Kurzfilm ist inspiriert vom afrofuturistischen Mythos des Ortes „Drexciya“ – einem „schwarzen Atlantis“. Europa ist längst untergegangen. Ein junger Schlepper versucht, europäische Flüchtlinge – in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Afrika – in Booten über das Mittelmeer zu bringen. Eines Tages sinkt sein Boot, und er strandet als einziger Überlebender an der afrikanischen Küste. Allein macht er sich auf den Weg in die nächste Großstadt – Drexciya.

Deutschland/Burkina Faso 2012, 27 Min. / englische OF

Regie: Simon Rittmeier

Der Filmemacher Simon Rittmeier studierte Bildende Kunst und Film an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Kunsthochschule für Medien Köln. Oft nutzt er Archivbilder, um die Macht und den politischen Einfluss des Bewegbilds zu erforschen. Seine Filme, zugleich experimentell und essayistisch, befragen soziale Konventionen und klassische Erzählungen über Geschichte.

Die Filme sind englisch untertitelt oder in englischer Sprache. Einführung durch Alex Moussa Sawadogo in deutscher Sprache. Handouts mit deutschsprachigen Kurzbeschreibungen der Filme werden am Abend zur Verfügung gestellt.

Das gesamte Filmprogramm des Afro-Ruhr Festivals fand am 22. und 23.6.2017 im Kino im U (Dortmund) statt. Konzerte, Parties, Vorträge und Gespräche des Afro-Ruhr Festivals waren vom 30.6–2.7.2017 im Dietrich-Keuning-Haus (Dortmund) zu erleben (http://afroruhr.africa-positive.de).

Filmprogramm Afro-Tech kuratiert von: Alex Moussa Sawadogo

Veranstalter Filmprogramm: Büro medienwerk.nrw (Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein)
Partner Filmprogramm: Afrikamera – Aktuelles Kino aus Afrika, Kino im U, Africa Positive e.V.

Kooperationspartner Afro-Tech Fest: Hartware MedienKunstVerein, Interkultur Ruhr, ein Projekt des Regionalverbandes Ruhr (RVR), Africa Positive e.V., Büro medienwerk.nrw

Die Ausstellung wurde gefördert:

im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes
vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

Die Projektwoche wurde gefördert:

durch die Bundeszentrale für politische Bildung
vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW
vom Kulturbüro Stadt Dortmund

Hauptförderer HMKV:

Dortmunder U

VIDEONALE.16 – Diskursprogramm in Kooperation mit dem medienwerk.nrw

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VIDEONALE.16 – Diskursprogramm in Kooperation mit dem medienwerk.nrw

VIDEONALE c/o KUNSTMUSEUM BONN
FR, 17.02.- SA, 17.02.2017

Büro medienwerk.nrwPanel Diskussion

Im Rahmen des Diskursprogramms der Videonale.16 kooperierte das Büro medienwerk.nrw mit dem langjährigen Netzwerkpartner Videonale e.V. Zusammen organisierten die beiden Partner zwei Panels im Rahmen des Eröffnungswochenendes (16. bis 19. Februar 2017), bei dem es zusätzlich viele weitere Performances, Vorträge und Führungen zu sehen gab:

Panel: The artist is (not) present – Live-Performances und ihre Repräsentationin der Medienkunst 
Impulsvortrag von André Eiermann: Postspektakuläre Performance, Gespräch mit: Doplgenger (Künstlerduo, Belgrad), André Eiermann (Dramaturg, Theaterwissenschaftler, Köln), Wermke/Leinkauf (Künstlerduo, Berlin), Moderation: Katrin Mundt (freie Kuratorin, Autorin, Bochum)

Das Panel fragte nach den theoretischen und ästhetischen Rahmenbedingungen von Performances – live aufgeführt sowie im Video konserviert. Ausgangspunkt war die These, dass Aufführungen nicht auf die gemeinsame körperliche Anwesenheit von Performenden und Zuschauenden angewiesen sind, sondern eine vermittelnde dritte Instanz involvieren.

Das Panel war eine Kooperation mit dem Büro medienwerk.nrw. Das Panel fand in englischer Sprache statt.

Panel: Performativität der digitalen Medien – über Aktion und Partizipation im Überall 
Gespräch mit: Dries Depoorter (Medienkünstler, Gent), Stefan Panhans (Künstler, Berlin), Julia Scher (Künstlerin, Professorin für Multimedia/Performance, Köln), Moderation: Felix Hüttemann (Doktorand, Bochum)

Im permanenten Kampf um Aufmerksamkeit im Fluss des digitalen ›image overload‹ gibt es meist keine Gewinner oder Verlierer. Trotz ständig optimierter Methoden der Selbstpräsentation bleibt unscharf, wer hier für wen performt, wer von wem gesehen wird. Das Panel denkt über andere (subversive) Strategien nach, auf die allgegenwärtige Abrufbarkeit des Einmaligen zu reagieren.

Das Panel war eine Kooperation mit dem Büro medienwerk.nrw. Das Panel fand in englischer Sprache statt.

Das gesamte Programm der Videonale und des Eröffnungswochenendes findet sich unter: v16.videonale.org

Das Büro medienwerk.nrw wurde gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund

Dowse-Workshop mit Jaromil – ein künstlerischer Design&Hack-Workshop

Dowse WS
Dowse WS 2
Dowse WS 3

Dowse-Workshop mit Jaromil – ein künstlerischer Design&Hack-Workshop

REKORDER II, DORTMUND
Mi, 27.09.2017

Büro medienwerk.nrwWorkshop

„We should be able to manner your devices behaviour – but first you need to be aware of what they do!“ (Jaromil)

Im Rahmen seiner Workshopreihe Speculative Technologies lud das Büro medienwerk.nrw Studierende, Künstler*innen, Hacker und Maker ein, sich in einem eintägigen Workshop mit konkreten Hard- und Softwarelösungen für alternative Vorstellungen von Technologie zu beschäftigen.

Die Reihe Speculative Technologies eröffnete einem Raum für die Diskussion von Technoimaginationen jenseits von Kommerzialisierung und Kontrolle. Im Zentrum standen Strategien aus der digitalen Kultur und der Medienkunst, die Technologie auf den Prinzipien von offenen Systemen, Zugänglichkeit, Veränderbarkeit, vielseitiger Nutzbarkeit, Emanzipation und Selbstermächtigung denken. Ziel war hierbei nicht der bloße Konsum eines perfekt designten Produkts, sondern die Vermittlung eines kreativen Umgangs mit Technologie und des Wissens über ihre Funktionsweisen. Speculative Technologies fragte danach, welche „anderen“ Technologien vorstellbar sind.

Der Workshop im September richtete sich an Künstler*innen und Designer*innen, die z.B. mit ihren Installationen auf Netzwerktraffic reagieren und Dinge in Echtzeit miteinander kommunizieren lassen möchten, an Hacker, die sich mit Open Source, Kryptographie und intelligenten Proxys beschäftigen, und viele andere, die sich für einen ebenso kritischen wie künstlerischen und kreativen Zugang zu Technologie interessieren. Der Workshop wird geleitet vom italienischen Medienkünstler und Forscher Jaromil (https://jaromil.dyne.org/).

Er hat mit seiner unabhängigen Softwareschmiede Dyne.com u.a. ein Gerät entwickelt, das es uns erlaubt, die Aktivitäten in unseren Netzwerken aufzuspüren, Ressourcen mit Freund*innen und Nachbar*innen zu teilen und das eigene LAN zu schützen:
DOWSE ist eine auf Open Source- und Open Hardware-Prinzipien beruhende Erfindung, die sich auf einem kostengünstigen Board (wie einem Raspberry Pi oder einem OlinuXino) einrichten lässt.

Während des Workshops half Jaromil den Teilnehmenden, eine eigene Box zu erstellen und zusammen an Ideen für künstlerische Anwendungen zu arbeiten.

Weitere Informationen: http://www.dowse.eu

Der Workshop fand im Arbeitsraum Rekorder II, Scharnhorststraße 68, in Dortmund statt.

Der Workshop wurde organisiert vom Büro medienwerk.nrw und ist Teil der Workshopreihe „Speculative Technologies“. Der Workshop wurde gefördert im Rahmen der Individuellen KünstlerInnenförderung (IKF) des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Das Büro medienwerk.nrw wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Virtual Desires

DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors
VD
Ausstellungsansicht „Afro-Tech
DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors

Virtual Desires

Universität Witten/Herdecke
FR, 30.07. – SO, 02.07.2017

Büro medienwerk.nrwWorkshop

Das Büro medienwerk.nrw und super_filme luden Studierende, angehende (Medien-)Künstler*innen und Wissenschaftler*innen ein, sich in einem zweiteiligen Workshop mit Technoimaginationen, dem Erforschen des subversiven Potentials des Virtuellen und alternativen Formationen von Gender und Begehren zu befassen. Der Workshop wurde geleitet von Anneliese Ostertag, Mitglied des warehouse-Projekts (http://warehouse.industries/). Mit Rahel Spöhrer und Samira Elagoz.

Der erste Block (30.06. – 02.07.2017, in deutscher Sprache) beschäftigte sich mit neuen Technologien, Texten und künstlerischen Positionen, die die Virtualisierung von Sehnsüchten und Post-Internet-Intimität zur Disposition stellen. Begleitet wurde dieser Block von Rahel Spöhrer, Mitbegründerin des Performancekollektivs THE AGENCY.
 
Der zweite Block (15. – 16.07.2017, in englischer Sprache) wendete sich dem Einüben von subversiven medialen Praktiken zu. Gemeinsam mit der finnisch-ägyptischen Künstlerin Samira Elagoz (http://www.samiraelagoz.com/) wurden Intimitätsverhältnisse und Begehrensstrukturen in neuen Medien untersucht und Formate erprobt, die die (Zurück-)Eroberung des virtuellen Raums in künstlerische Produktion übersetzten.

Der Workshop fand in den Räumlichkeiten der Universität Witten/Herdecke (Bahnhofstraße 48, 58452 Witten) statt. Nach Abschluss des Workshops erschien eine Online-Publikation der künstlerischen und wissenschaftlichen Ergebnisse.

Der Workshop wurde organisiert von super_filme e.V. und dem Büro medienwerk.nrw und war Teil der Workshopreihe „Speculative Technologies“ (Büro medienwerk.nrw) sowie des kuratorischen Online/offline-Projekts „warehouse“ (super_filme). Der Workshop wurde gefördert im Rahmen der Individuellen KünstlerInnenförderung (IKF) des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW. Das Büro medienwerk.nrw wurde gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Cold bodies, warm machines – Kunst und Technologie nach dem Menschen

Cold Bodies

Cold bodies, warm machines – Kunst und Technologie nach dem Menschen

NRW-FORUM DÜSSELDORF
FR, 09.11. – SO, 11.11.2016

Büro medienwerk.nrwKonferenz

Die Konferenz Cold bodies, warm machines – Kunst und Technologie nach dem Menschen (organisiert vom Büro medienwerk.nrw) nahm aktuelle Konzepte in den digitalen Technologien wie „Affective computing“, Utopien der Kybernetisierung der Körper sowie Tendenzen in der Künstliche-Intelligenz-Forschung zum Anlass, das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine neu zu befragen: Welche Grenzen verschieben sich aktuell zwischen der Sphäre des Lebendigen und der Sphäre des Künstlichen? In Vorträgen, Gesprächen, künstlerischen Beiträgen und einem Filmprogramm wurden verschiedene dieser Phänomene erforscht und diskutiert. Was verändert sich, wenn wir Maschinen mit einem immer sensibleren Sensorium entwickeln, die uns und unsere emotionalen Regungen „verstehen“ und einordnen – neue Akteure, die lernen und handeln – während wir unsere eigenen, biologischen Körper zunehmend als optimierbare und programmierbare Ressource begreifen? 

Die Konferenz verfolgte einen interdisziplinären Ansatz: Sie brachte Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und interessierte Bürger*innen zusammen, um die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die bereits im Gange sind, offensiv zu begleiten und mit Mitteln der Kunst und des Austauschs drei Tage lang komprimierte Zukunftsforschung zu betreiben.

Mit: Ramon Amaro, Inke Arns, Alain Bieber, Andreas Broeckmann, Melanie Bühler, Ami Clarke, Sidsel Meineche Hansen, Laura Hille, Erich Hörl, Felix Hüttemann, Cathrine Kramer, Tasja Langenbach, Kevin Liggieri, Robert M Ochshorn, Luciana Parisi, Sascha Pohflepp, RYBN.ORG, Alexander I. Stingl, Markus Tillmann, Michael Wheeler, Inigo Wilkins 

KEYNOTES

ERICH HÖRL: »TECHNOÖKOLOGISCHE SINNKULTUR (NACH FÉLIX GUATTARI)«
Vor dem Hintergrund der allgemeinen Kybernetisierung der Existenzweisen und der Herausbildung der Environmentalität als medientechnisch implementierte Regierungsform stellte der Vortrag Félix Guattari als Vordenker der neuen, nämlich technoökologischen Sinnkultur vor, die dabei emergiert. Besonderes Augenmerk wurde auf die kritische Reichweite von Guattaris Begriff des Integrierten Weltkapitalismus gelegt, den es mit Blick auf die environmentalitäre Transformation zu reperspektivieren galt.
 

ANDREAS BROECKMANN: »MASCHINENLIEBE UND GESCHWISTERKAMPF. ÜBER DIE BEZIEHUNG VON MENSCHEN UND TECHNIK«
Maschinen treten in vielerlei Erscheinungen auf und sind auf vielfältige Weise definiert worden. Das ganze letzte Jahrhundert hindurch wurde der Begriff jedoch verwendet, um eine polare, wenn nicht gar antagonistische Beziehung zwischen Menschen und Technik zu beschreiben. Der Vortrag diskutierte verschiedene Maschinenkonzepte und machte einen Vorschlag für ein Diagramm, nach dem „die Maschine“ als Ausdruck eines technologischen Paradigmas verstanden werden kann, das nicht so sehr posthumane als vielmehr ganz menschliche Begehren projiziert.

ROBERT M OCHSHORN: »PROTOTYPEN«
Ein Prototyp ist sowohl vorläufig wie beispielhaft und verweist auf eine noch nicht umgesetzte Wirklichkeit. Genauso wie Menschen Werkzeuge und Techniken erschaffen und ihrerseits von ihnen erschaffen werden, muss man auch Software-Prototypen als plumpe Frankenstein-Skizzen einer neuen Person verstehen. Hat diese Person bestimmte Fähigkeiten? Einen Körper? Ist eine „Symbiose“ mit dem Computer möglich, und wenn ja, könnte sie Erkenntnisse hinsichtlich einer künstlichen und statistischen Intelligenz liefern? Überlegungen und Beweisführungen über und in den Medien-/Sprach-Prototypen des Sprechers.

 

PERFORMANCE

AMI CLARKE: ERROR-CORRECTION: AN INTRODUCTION TO FUTURE DIAGRAMS MIT LOW ANIMAL SPIRITS
Error-Correction: An Introduction to Future Diagrams (Take 7) ist Teil in einer fortwährenden Forschungsreihe zu Diagrammen, die themenrelevante Texte, zeitgenössische Kommentare, Nachrichten und anekdotische Spuren aufgreift und weiterverarbeitet, um sie in einer wechselseitigen Konvergenz von vielen miteinander verwobenen Fäden gipfeln zu lassen, wobei die Stimme, anhand von Sprache, „zwischen den Gedanken einer anderen Person und dem Papier“ konstituiert wird. Ausgehend von Jonah Peretti, dem Gründer von BuzzFeed, und dessen Buch Capitalism and Schizophrenia: Contemporary Visual Culture and the Acceleration of Identity Formation/Dissolution, interessiert sich Take 7 vor allem für Materialität, Wesentlichkeit, Algorithmen und eine sich entwickelnde Subjektivität. Low Animal Spirits von Ami Clarke und Richard Cochrane ist ein Algorithmus für Hochfrequenzhandel, der in Echtzeit mit Nachrichten aus der ganzen Welt gespeist wird.
 

FILMPROGRAMM

Das Filmprogramm zu „Cold bodies, warm machines“ erweiterte den Diskursraum der Konferenz ins bewegte Bild und zeigte künstlerische Film- und Videoarbeiten, die verschiedene Facetten der Mensch-Maschine-Beziehung abbildeten und diese, meist kritisch, hinterfragten. Was in frühen Science-Fiction-Filmen noch wie ferne Utopien möglicher androider Lebensformen erschien, ist heute selbstverständlicher Teil unserer Realität. Die fortschreitende Verschmelzung von Mensch, Maschine und Technik im Alltag sowie die zunehmende Kontrolle unserer Lebenswelt durch Datenflüsse und computergesteuerte Hilfsmittel findet damals wie heute ihren Widerhall im bewegten Bild. Im Unterschied zu damals greifen die Künstler*innen dabei heute nicht auf Utopien, sondern auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschung ebenso zurück wie auf persönliche Alltagserfahrungen. Das Filmprogramm zeigte eine Auswahl von Arbeiten aus den Jahren 2007-2015, die sich mit experimentell-dokumentarischen Formaten, Found-Footage-Collagen und performativen Interventionen den Status Quo der Mensch-Maschine-Relation auseinandersetzen. 

Kuratiert von Tasja Langenbach (Videonale, Bonn)

ABLAUF KONFERENZ

FREITAG 9. SEPT. 2016 

19.30 UHR |  ERÖFFNUNG DER KONFERENZ
(Ruth Schiffer, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen; Alain Bieber, NRW-Forum Düsseldorf; Fabian Saavedra-Lara und Klaas Werner, Büro medienwerk.nrw)
 
20.00 UHR |  Keynote I: Erich Hörl
»Technoökologische Sinnkultur (nach Félix Guattari)«
 
21.30 – 22.00 UHR | Filmprogramm – erster Teil
 

SAMSTAG 10. SEPT. 2016

11.00 UHR |  Keynote II
Andreas Broeckmann »Maschinenliebe und Geschwisterkampf. Über die Beziehung von Menschen und Technik«
 
12.15 UHR |  Künstlerische Keynote: Robert M Ochshorn »Prototypes«
 
14.15 UHR | Panel 1: Maschinen, die denken und wollen: Neurale Netzwerke, Verhaltensmodellierung und Computermodelle der Kognition (in Kooperation mit Goldsmiths, University of London)
 
16.00 UHR |  Filmprogramm – zweiter Teil
 
17.30 UHR | Panel 2: Neuronale Vernetzung – Kommunikation mit Maschinen
 
19.00 UHR |  Performance von Ami Clarke

 
SONNTAG 11. SEPT. 2016
 
11.30 UHR | Panel 3: Die posthumanistische Schwelle oder: Über die Möglichkeit, sein eigenes Ende zu denken (in Kooperation mit der Mercator-Forschungs- gruppe „Räume anthropologischen Wissens, Ruhr-Universität Bochum)
 
14.00 UHR | Filmprogramm – dritter Teil
 
15.30 UHR | Panel 4: Der Mensch als Maschine – Phantasmen der Optimierung von Geist und Körper
 
17.15 UHR |  Gespräch zwischen Inke Arns (Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Sascha Pohflepp (Künstler, Berlin/US)
 
18.00 UHR | Veranstaltungsende 


Veranstalter:
 Büro medienwerk.nrw
Träger Büro Medienwerk: Hartware MedienKunstVerein (HMKV) 
Projekt-Team: Programmleitung Fabian Saavedra-Lara (medienwerk.nrw), Programm und Organisation Klaas Werner (medienwerk.nrw), Kuratorin Filmprogramm Tasja Langenbach (Videonale, Bonn) 
Kooperationspartner: NRW-Forum Düsseldorf; Goldsmiths, University of London; Mercator-Forschungsgruppe „Räume anthropologischen Wissens“, angesiedelt an der Ruhr-Universität Bochum

Die Konferenz und das medienwerk.nrw wurden gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weitere Förderung: British Council

Every Step You Take – Kunst und Gesellschaft im Datenzeitalter

Unter falscher Flagge 1
Unter falscher Flagge 1
Unter falscher Flagge 2

Every Step You Take – Kunst und Gesellschaft im Datenzeitalter

Dortmunder U / SCHAUSPIEL DORTMUND
FR, 12.11.- SA, 15.11.2015

Büro medienwerk.nrwFestival

Ein Projekt des medienwerk.nrw, veranstaltet durch: Büro medienwerk.nrw, Hartware MedienKunstVerein, Schauspiel Dortmund, Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität, Kino im U e.V., Heimatdesign, Fraunhofer UMSICHT

Die zweite internationale Konferenz des medienwerk.nrw beschäftigte sich unter dem Titel Every Step You Take – Kunst und Gesellschaft im Datenzeitalter mit den Utopien und Dystopien, die sich mit neuen Technologien der automatisierten Sammlung, Speicherung und Auswertung enormer Datenmengen verknüpfen. In zahlreichen feuilletonistischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Positionen artikulierte sich zu dieser Zeit ein Unbehagen gegenüber aktuellen Entwicklungen unserer digitalen und vernetzten medialen Realität. Die öffentlichen Debatten um „Big Data“, Überwachung, Transparenz und Datenschutz, aber auch das individuelle Nutzerverhalten im sozialen Netz sind von einer tiefgreifenden Ambivalenz geprägt: die Versprechen und Verlockungen des technologischen Fortschritts – Sicherheit, Berechenbarkeit, Optimierung, Komfort – gehen mit gesellschaftlichen wie privaten Konsequenzen einher, die in ihrer Komplexität oft unüberschaubar und abstrakt bleiben.
 
Die Konferenz Every Step You Take stellte Positionen aus Medienkunst, Medientheorie und digitaler Kultur vor, die auf diese aktuellen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie aktuelle künstlerische Strategien unsichtbare (immaterielle) und hochkomplexe Prozesse sichtbar machen, den gegenwärtigen technologischen Wandel beschreiben und seine Konsequenzen begreifbar machen. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Ideen, die sich in die Funktionsweisen der neuen Medien eingeschrieben haben: Wie reproduzieren sich diese Ideen und Logiken in der alltäglichen Nutzung? Und welche Spielräume bleiben für eine kritische Auseinandersetzung und Emanzipation im digitalen Raum?
 
Das Programm umfasste neben Vorträgen, Panels und Künstlergesprächen ein Konzert mit den KünstlerInnen Holly Herndon (Musik) und Mat Dryhurst (Visuals), ein von Florian Wüst kuratiertes Filmprogramm, eine Aufführung des Live-Films Minority Report (R: Klaus Gehre), eine Lesung mit dem Schriftsteller Leif Randt (Roman Planet Magnon) und Workshops in Kooperation mit Fraunhofer UMSICHT und dem Dortmunder U. Der HMKV zeigte ab Beginn der Konferenz die Gruppenausstellung (Artificial Intelligence) Digitale Demenz im Dortmunder U, kuratiert von Thibaut de Ruyter.
 
Mit Beiträgen von: Inke Arns, Kim Asendorf, Dirk Baecker, Alain Bieber, Mercedes Bunz, Niels van Doorn, Cécile B. Evans, Paul Feigelfeld, Matthew Fuller, Gemma Galdon Clavell, Louis Henderson, Holly Herndon, Felix Hüttemann, Alexander Kerlin, Ignas Krunglevičius, Constanze Kurz, Brigitta Kuster, Koen Leurs, Boaz Levin, Joanne McNeil, Jennifer Lyn Morone, Luciana Parisi, Peng! Collective, Maral Pourkazemi, Leif Randt, Hans Ulrich Reck, Manfred Schneider, Nishant Shah, Christian Sievers, Christoph Wachter & Mathias Jud, Jennifer Whitson, Pinar Yoldas u.a.
 
Filmprogramm mit Beiträgen von: Nadav Assor, Jürgen Brügger & Jörg Haaßengier, Bureau of Inverse Technology, Emma Charles, Hellmuth Costard & Jürgen Ebert, Norman Cowie, Stéphane Degoutin & Gwenola Wagon, Omer Fast, Harun Farocki, Walter Koch, Steffen Köhn, Jen Liu, Christian Niccoli, Ridley Scott
 
Filmprogramm kuratiert von Florian Wüst
Konzept & Programmleitung: Fabian Saavedra-Lara
Konzept & Programm: Judith Funke
Projektmanagement: Annette Bohn


Gefördert durch:
Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
Bundeszentrale für politische Bildung
Kulturbüro Stadt Dortmund

Unter falscher Flagge? Sparten- und Grenzüberschreitungen in der Gegenwartskunst

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Unter falscher Flagge 1

Unter falscher Flagge? Sparten- und Grenzüberschreitungen in der Gegenwartskunst

PACT Zollverein
FR, 26.06. – SO, 28.06.2015

Büro medienwerk.nrwKonferenz

Vom 26. bis 28. Juni 2015 fand bei PACT Zollverein (Essen) die 1. Konferenz des Büro medienwerk.nrw zum Thema „Sparten- und Grenzüberschreitungen in der Gegenwartskunst“ statt. Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Medienkunst, der darstellenden und der bildenden Kunst beleuchteten in Vorträgen und Panels aktuelle künstlerische Praktiken. Es ging um Positionen, die ihren traditionellen Kontext zugunsten anderer Präsentationszusammenhänge verlassen, die Erfahrung räumlicher und zeitlicher Strukturen an ihren Aufführungsorten verändern und die Grenzen zwischen den unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen verwischen.

Im Zentrum der Auseinandersetzung stand dabei die wiederkehrende Konvergenz der traditionellen künstlerischen Disziplinen wie beispielsweise des Films, der bildenden Kunst, der performativen Kunst und der Medienkunst, bei der sich die klassischen Grenzen zwischen den Gattungen zum wiederholten Male aufzulösen scheinen.

In vier Panels – je zwei am Samstag und zwei am Sonntag – wurden verschiedene Aspekte dieser Entwicklung mit Fachleuten und der interessierten Öffentlichkeit diskutiert. Bereits am Freitag wurde die Konferenz mit einer Keynote eröffnet. Danach folgte eine Lecture-Performance des schwedischen Künstlers Erik Bünger („The girl who never was“). Zusätzlich gab es an verschiedenen Orten von PACT Zollverein künstlerische Positionen zu sehen – von Cécile B. Evans, Balz Isler, Erik Bünger und Laura Brechmann, Dwayne Holiday, Tania Reinicke, Stephanie von Gelmini, Anne Weyler (EIN kollektiv).

Das aktuelle Interesse von Institutionen der bildenden Kunst am Ephemeren, an künstlerischen Strategien, die auf Situativität, Flüchtigkeit und Erfahrung setzen, scheint symptomatisch zu sein für neue Allianzen, Verschiebungen von Zuständigkeiten und Perspektivwechsel in der Gegenwartskunst, die sich auf über 40 Jahre avantgardistische Entwicklungen stützen. Vor diesem Hintergrund fragt die Konferenz danach, auf welche medialen Verfasstheiten und gesellschaftlichen Entwicklungen Künstler*innen heute reagieren, wenn sie ihren Kontext wechseln und disziplinäre Grenzen durchlässig machen.

Als Ausgangspunkte der Konferenz wurden unter anderem folgende Fragen formuliert: Welche Folgen hat der Transfer der Formen zwischen den Disziplinen für die Praxis und das Selbstverständnis von Künstler*innen und Institutionen? Wie agieren Künstler*innen und Kurator*innen heute zwischen den Disziplinen? Wie gehen Rezipient*innen, Besucher*innen und Zuschauer*innen mit dem Trend zur Auflösung traditioneller Spartengrenzen um?

GESPRÄCHE UND VORTRÄGE mit Inke Arns, Hans Bernhard, Nadja Elia­-Borer, Melanie Bühler, Dieter Daniels, André Eiermann, Cécile B. Evans, Paul Feigelfeld, Judith Funke, Stefan Hilterhaus, Michelle Kasprzak, Daniel Kötter, Serge Laurent, Kirsten Maar, Jessica Nitsche, Manuel Pelmus, Laurence Rassel, Sabine Maria Schmidt, Jörn Schafaff, Bettina Steinbrügge, Vivian Ziherl
 
KÜNSTLERISCHE BEITRÄGE von Erik Bünger, Cécile B. Evans, Balz Isler und Laura Brechmann, Dwayne Holiday, Tania Reinicke, Stephanie von Gelmini, Anne Weyler (EIN kollektiv)

ABLAUF

Freitag, 26.06.2015

19:00 Uhr, Ausstellungsräume geöffnet (Erik Bünger, Balz Isler, Cécile B. Evans, EIN kollektiv)

19:30 Uhr, Begrüßung, große Bühne

20:00 Uhr, Keynote: Vivian Ziherl (If I Can’t Dance, I Don’t Want To Be Part Of Your Revolution, Brisbane/Amsterdam), große Bühne, in engl. Sprache

21:15 Uhr, Lecture Performance: Erik Bünger (Berlin): „The girl who never was“ (kleine Bühne), kleine Bühne, in engl. Sprache mit dt. Übertiteln

22:15 – 23:00 Uhr, Ausstellungsräume geöffnet

 
Samstag, 27.06.2015
 
12:30 Uhr, Ausstellungsräume geöffnet
 
13:30 – 15:00 Uhr, Panel 1:  Historische Perspektiven der Spartenüberschreitung (mit: Jessica Nitsche [Moderation], Dieter Daniels, André Eiermann, Nadja Elia-Borer, Sabine Maria Schmidt)
 
15:45 – 17:15 Uhr, Panel 2: Spartenüberschreitung und die Frage der Temporalitäten (mit: Judith Funke [Moderation], Daniel Kötter, Kirsten Maar, Manuel Pelmus, Laurence Rassel), in engl. Sprache
 
17:30 Uhr – 18:30 Uhr, Gespräch mit Serge Laurent (Kurator Centre Pompidou, Paris), in engl. Sprache

19:00 Uhr – 22:00 Uhr, Get-together
 
 
Sonntag, 28.06.2015

12:30 Uhr, Ausstellungsräume geöffnet
 
13:30 Uhr – 15:00 Uhr, Panel 3: Digitale (Ent-)Grenzung (mit: Melanie Bühler [Moderation], Hans Bernhard, Cécile B. Evans, Paul Feigelfeld, Michelle Kasprzak), in engl. Sprache
 
15:45 – 17:15 Uhr, Panel 4: Spartenüberschreitendes Kuratieren (mit: Jörn Schafaff [Moderation], Inke Arns, Stefan Hilterhaus, Bettina Steinbrügge)

18:00 Uhr, Ende der Konferenz

Projektorganisation und Konzept: Fabian Saavedra-Lara, Klaas Werner

Das Büro medienwerk.nrw und die Konferenz wurden gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Rena Tangens

Rena Tangens

1960, bielefeld
STIPENDIUM 2007

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2007 wurde an Rena Tangens vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Cornelia Sollfrank (Künstlerin, Hamburg/Celle) und Rosa Barba (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2005).

Begründung der Jury
Ausgehend von der Feststellung Lev Manovichs, dass der „(medial) erweiterte Raum überwachter Raum“ ist („Augmented space is monitored space“) wird Rena Tangens sich in ihrem Projekt „Citizens need parks, netizens need privacy“ mit den Auswirkungen realer bzw. erwarteter Überwachung auf das menschliche Verhalten auseinandersetzen und technische, politische, aber auch künstlerische Handlungsmöglichkeiten gegen den oft als unausweichlich empfundenen Verlust der informationellen Selbstbestimmung aufzeigen. Ihr Kunstbegriff ist dabei ein erweiterter, der den Beuysschen Begriff der „Sozialen Plastik“ in den medialen Raum ausdehnt und so eine dezidiert politische Form der „relationalen Ästhetik“ skizziert. Tangens’ Projekt, das sich explizit auf Frederick Law Olmsted bezieht, will dazu anregen, die sozialen, gesellschaftlichen und politischen Prozesse, die im „Augmented Space“ stattfinden, in einem ästhetischen Rahmen zu reflektieren und kritisch zu begleiten.

Rena Tangens (*1960 in Bielefeld) ist Künstlerin, Publizistin, Netzpionierin und Mitbegründerin des Bielefelder Digitalcourage e.V. 1984 gründete sie gemeinsam mit ihrem Kollegen padeluun das Kunstprojekt „Art d’Ameublement“. Seit 2000 recherchiert und organisiert sie die jährlichen deutschen BigBrotherAwards (die „Oscars für Datenkraken“). Rena Tangens prägte 2001 das Wort „Datenkrake“, das inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist. 2004 erhielt sie gemeinsam mit padeluun den Kunstpreis „Evolutionäre Zellen“, 2008 die Theodor-Heuss-Medaille für ihr Engagement für die Bürgerrechte, 2014 den taz-Panterpreis für „Helden des Alltags“, 2015 den Preis „Persönlichkeit des Verbraucherschutzes“ der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz, 2016 den Bielefelder Frauenpreis und 2018 die Ehrennadel der Stadt Bielefeld.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

DIGITALE FOLKLORE

Pauline

DIGITALE FOLKLORE

HMKV Hartware MedienKunstverein
FR, 16.10.2015, 18:00 UHR

Büro medienwerk.nrwArtist Talk

Am 16. Oktober fand im Rahmen der Ausstellung Digitale Folklore des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) eine Gesprächsveranstaltung statt, die das Büro medienwerk.nrw organisierte. Als Gesprächsgast eingeladen war der Designer Manuel Bürger (Berlin).

In seiner kreativen Arbeit beschäftigt sich Bürger mit partizipativen Designpraktiken im Netz. So gestaltete er bspw. die der Ausstellung zugrunde liegende Publikation Digital Folklore und ist derzeit u.a. mit dem Design für das Medienkunstfestival transmediale (Berlin) befasst. In einer kurzen Präsentation und einem anschließenden Gespräch stand das aktuelle Interesse im Feld der digitalen Kultur an den Amateurkulturen im frühen Netz der 1990er im Vordergrund: Was hat sich seitdem verändert, was ist verloren gegangen? Offenbar boten die damaligen Web-Dienste und Werkzeuge mehr Spielraum für individuelle Gestaltung und ermöglichten somit eine größere Bandbreite an Ästhetiken sowie eine lebendige User-Kultur, die in den letzten Jahren im Zuge der fortschreitenden Kommerzialisierung des Webs zugunsten uniformer Templates verschwunden ist. Im Gespräch mit Dr. Inke Arns (HMKV) und Fabian Saavedra-Lara (Büro medienwerk.nrw) wird es u.a. um die Frage gehen, was aus den alten Idealen der DIY-Kultur im Netz geworden ist, was wir heutigen User rückblickend von ihr lernen könnten und wie die damaligen, aus heutiger Sicht „retro“ anmutenden Netz-Ästhetiken heutige Gestaltungspraktiken sowie künstlerische Praktiken beeinflussen („Post-Internet“).
 
Mit: Manuel Bürger (Berlin), Moderation: Dr. Inke Arns (HMKV), Fabian Saavedra-Lara (Büro medienwerk.nrw)

Manuel Bürger (Berlin) bzw. „The Laboratory of Manuel Bürger“ (Worldwide) beschäftigt sich mit dilettantischen und virtuosen Designkräften, arbeitet zwischen Nonsens und Kulturtheorie und betreut Kunden aus verschiedensten Gebieten der Kommunikationslandschaft, wie z.B. das transmediale Festival in Berlin. Bürger ist Teil einiger Kollektive wie Mimetic Club, Bench Boys, Figure 8, unterrichtet an der Merz Akademie in Stuttgart und betreibt erfolgreich den Naives & Visionaries-Verlag. Zudem betreut er das regelmäßig erscheinende Research Magazin CVSN des Critical Vision Studiengangs der University of Cincinnatti, USA, sowie die jährliche Research-Publikation der Aarhus University, Dänemark. Letzte Publikationen und Aufsätze beschäftigen sich mit dem mimetischen Potential von Design und House Music: „Slippery Design – forever beta“ bzw. „Duck House Theory – Robert Venturi’s Darkroom Fantasies“.

Das Büro medienwerk.nrw wurde gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Agnes Meyer-Brandis

Agnes Meyer-Brandis

1973, aachen
STIPENDIUM 2009

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2009 wurde an Agnes Meyer-Brandis vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Susanne Ackers (ehem. Geschäftsführerin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Annette Schindler (ehem. Direktorin des plug.in, Basel) und Sabine Himmelsbach (ehem. Direktorin des Edith-Ruß-Haus, Oldenburg).

Begründung der Jury
„Die Unbekannten Theorie-Objekte, sogenannte UTO’s, sind zufällige Verdichtungen des theoretischen Feldes. … UTO’s sind Kristallkugeln, in denen das vage Licht eines noch nicht existierenden Theorems auftaucht.“
Dies schrieb 1993 die Agentur Bilwet aus Amsterdam, die sich die Verbreitung illegaler Wissenschaften zum Ziel gesetzt hat. Mit diesen illegalen Wissenschaften wird häufig so etwas verbunden wie Zukunftsforschung im allgemeinen oder Trendforschung im speziellen.
Das eingereichte Projekt trägt den Titel „The Moon Goose Experiment / a bio-poetic investigation“. Die bereits vorhandenen Materialien sind Beobachtungen von Verhalten und Reaktion der Mondgans unter dem Einfluss der totalen Sonnenfinsternis in Sibirien, 2008, die die Künstlerin während einer Sibirienexpedition nach Novosibirsk sammelte. Vergleichbar dem klassischen Verhalten von Zugvögeln migrieren die Mondgänse von der Erde zum Mond und zurück. Die Forscherin Agnes Meyer-Brandis untersucht die Frage: Welche Störung oder Veränderung bewirkt die Sonnenfinsternis auf die Flugrouten, den Flugrhythmus und das Verhalten der Mondgänse? 
Agnes Meyer-Brandis setzt Technologie als pseudowissenschaftliches Instrument ein. Sie bedient sich dieses wissenschaftlichen Instrumentariums und setzt es ästhetisch künstlerisch um, indem sie imaginäre Welten konstruiert und erschließt. Die künstlerisch starke Position, die mit diesem Projekt gefördert wird, verknüpft biologische Vorgänge mit technologisch-wissenschaftlichen Mitteln in einer performativ geprägten Form. Die poetische Investigation von Wissenschaft leistet einen klugen und komplexen Beitrag zum großen Thema „Wissenschaft und Kunst“. 
Die Ergebnisse der Residenz wurden 2009 im HMKV Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Agnes Meyer-Brandis (*1973 in Aachen) ist wohnhaft in Köln. Mit ihrem Gesamtkonzept „Forschungsfloß für Unterirdische Riffologie u. V. / www.ffur.de“ entwickelte sie eine eigene Sprache und definiert ihre Rolle sehr präzise als die einer Poetik-Forscherin. In unterschiedlichen Ortsbezügen und Forschungsreisen erhält ihre künstlerische Sprache immer wieder neues Vokabular.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Marianna Christofides

Marianna Christofides

1980, Nikosia
STIPENDIUM 2014

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2014 wurde an Marianna Christofides vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Denise Ritter (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2012) und. Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 55 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die künstlerische Praxis der zypriotischen, in Köln lebenden Medienkünstlerin Marianna Christofides umfasst Multimediainstallationen, Diaprojektionen, Objekte, Fotografien und Texte. Den thematischen Ausgangspunkt ihrer medienübergreifenden Arbeiten bilden häufig Reiseerlebnisse, spezifische Orte oder persönliche Geschichten. Archivarisches Material wie alte Glasdias, Foto- und Kartografien, Text, Film- und Tonmaterial unterzieht sie einer künstlerischen Transformation und kombiniert diese in räumlichen Installationen mit eigenen Bildern und Objekten. So fließen in ihren Werken häufig zeitliche, geografische und thematische Erzählstränge ganz bewusst zusammen. In Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, unter Verwendung transdisziplinärer Informationen und dokumentarischer Methoden entwickelt Christofides eigene, atmosphärische Topografien und fiktive Bildräume.
All ihre Projekte sind geprägt von einem Prozess der Annäherung an das Material und die eigene Recherche, der berechtigte Zweifel an der festgeschriebenen Wirklichkeit von Gegenständen, Orten und Landschaften erkennen lässt. Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Videoarbeit „Here let me stand“ (2013, HD Video mit Ton |4:3| 29’42“ loop) steht beispielsweise ein umfangreicher Foliant von 1881 mit dem Titel „Cyprus Antiquities – Excavated by Major Alexander Palma di Cesnola“ aus den National Archives of London. Christofides vereint die detailreichen Bilder archäologischer Funde, ihre chronologisch wie topographisch subjektive Klassifizierung zu einer langsamen, poetischen Kamerafahrt. Für „l’histoire d’histoire d’une histoire“ (Installation, 2012) wurden zusammenhanglos gesammelte Laterna-Magica-Glasdias digitalisiert, teilweise bearbeitet und zu einer fiktiven Filmgeschichte in 200 Standbildern verdichtet.
Die Jury überzeugte Christofides‘ vielschichtiges Werk und ihr Projektvorschlag, in dem sich – ausgehend von einem bereits geplanten Aufenthalt – die Auseinandersetzung mit der Oberflächenprägung der Landschaft um Los Angeles fortsetzen wird und dort sozioökonomische, geologische und architekturhistorische Spuren der Zeitgeschichte verfolgt. Mit den Mitteln filmischer Montage wird die Künstlerin ein aktuelles Landschaftsbild, bestehend aus verschiedenen medialen, zeitlichen und disziplinären Quellen, zeichnen.

Marianna Christofides (*1980 in Nikosia, Zypern) lebt und arbeitet in Köln. 2011 vertrat die Künstlerin Zypern bei der 54. Biennale in Venedig. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter Stipendien der Stiftung Kunstfonds, Künstlerhaus Schloss Balmoral, Alexander S. Onassis Stiftung, Kölnischer Kunstverein und Imhoff Stiftung und war nominiert für den 8. Deste Preis in Athen. Derzeit ist sie Stipendiatin der Villa Aurora, Los Angeles. Jüngste Ausstellungen ihrer Werke fanden statt im National Museum of Contemporary Art (Athen), Gasworks (London), Kölnischer Kunstverein, Museum für Fotografie (Braunschweig), Museum für Gegenwartskunst Siegen, Kunsthalle Bremen und BOZAR Palais des Beaux-­Arts (Brüssel).

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Ilona Johanna Plattner

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Ilona Johanna Plattner

1961, Dachau
STIPENDIUM 2000

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2000 wurde an Ilona Johanna Plattner vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Iris Dressler (Gründerin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Christine Meierhofer (Kunsthistorikerin, Berlin) und Dr. Friederike Wappler (Dozentin am Kunsthistorischen Institut, Ruhr-Universität Bochum).

Begründung der Jury

Das erste Stipendium des Landes NRW für eine Medienkünstlerin aus NRW wurde an Ilona Johanna Plattner vergeben, die sich mit ihrem Konzept für www.dieMystikerin.de bewarb: einem Netzkunstprojekt, das den Status des Realen, Fiktiven und Virtuellen befragt. www.dieMystikerin.de wurde im Rahmen der Ausstellung „Chiffren + Legenden“ (März/April 2001) in erweiterter Form (Installation „Stellen im Hirn und andersWo“) vorgestellt. Parallel dazu wurde die Website der Mystikerin auf dem internationalen Filmfestival „femme totale“ präsentiert. 

„Stellen im Hirn und andersWo“, Rauminstallation, 2001:
Ausgehend von der etymologischen Bedeutung der Stelle als „äußerstes Ende“, stellt „Stellen im Hirn und andersWo“ die Frage nach der Wirklichkeit, nach ihrer Konstitution und Konstruktion und nach ihren Medien. Wo ist das äußerste Ende, das Unvorstellbare, dort wo das Nichts beginnt? Jede Stelle befasst sich mit einem anderen Themenkreis und/oder anderen Medien, der Handhabung und Bedeutungsgebung von Wahrnehmungskontexten. An verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten werden verschiedene Stellen kombiniert und variiert. dieMystikerin als Schaltstelle und Keimzelle stellt die Frage nach dem was eine Person ist, was eine Person ausmacht in Bezug zu Kommunikationsmedien, die keine körperliche Anwesenheit erfordern. Der materielle Träger ist jeweils ein anderer, er beeinflusst und bestimmt das wahr zu nehmende. Die Stellen variieren in Form und Inhalt, in Bild und Text, in real und fiktiv, in konkret und virtuell, in Leben und Tod; musikalische Strukturen von Wiederholung und Abwandlung. (Ilona Johanna Plattner)

www.dieMystikerin.de, Netzkunstprojekt, seit 2000, produziert im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW für Medienkünstlerinnen aus NRW:
Alles beginnt mit einer Tablette. Der Spalt lässt ein Produkt erkennen, doch darin befindet sich nicht der Stoff zur Erlösung vom Kopfschmerz, sondern vielmehr der Schriftzug, welcher diese Netzkunst-Arbeit tituliert: Die Mystikerin. Die Domain der „Mystikerin“ existiert seit Mai 2000. Seitdem nimmt die Arbeit immer neue Gestalten an. Sie ist zentraler Bestandteil eines Kernwerks („Stellen im Hirn und andersWo“) der Künstlerin Ilona Johanna Plattner.
Die „Mystikerin“ ist als offline-Werk nicht denkbar, denn sie rechnet mit dem Abonnement des Surfers und spiegelt dies durch ihre dem Web angemessene Struktur und die entsprechende Form. Der Gebrauch von schlichten Codierungen, die immer auch für den nicht allzu geübten Laien nachvollziehbar bleiben, verweist auf die Geschichte des HTTP-Protokolls und von HTML als System zur Textübermittlung und Seitenbeschreibung aus einer Zeit vor der Multimedialität. Das Werk baut nicht auf Abgeschlossenheit, ist aber auch nicht performativ im eigentlichen Sinne. Jedoch verhandelt es Zustände, die sich in der Regel um den Begriff der Virtualität, der Sprache, der KünstlerIn ranken. Insofern ist es dem Medium Internet angemessen. Nicht jedes Update ist eine Erweiterung. Manchmal sind es die kleinen Änderungen wie Streichungen, die zu einer Irritation des Besuchers führen.
Zentral ist die selbst beschreibende Komponente und die Frage nach der Identität im Zeitalter der Digitalität. Das Internet verhandelt auf vielfache Weise seit seiner Popularisierung den Begriff Identität dekonstruktiv. Das Transgendering in Chatrooms (aber auch schon in Text basierten Adventures) beispielsweise erlaubte in einem Echtzeit-Kommunikations-Regelwerk, dass sich sowohl Name als auch Geschlecht oder Gattung nach Belieben unter gesetzten Bedingungen verändern ließen. Man konnte dabei auf das Verständnis der jeweiligen Community rechnen. Doch was das Theoretisieren über solche Phänomene weitgehend außer Acht ließ, war die körperliche Verfasstheit, was zu exorbitanten Theorieblasen führte, welche in extremen Positionen den Menschen bereits in ein Nirwana aus Null und Eins lozierten.
Der Begriff der Mystikerin fungiert in Ilona Johanna Plattners Arbeit mehr als nur als Metapher. Mit der Verkoppelung eines uralten religiös-intellektuellen Phänomens und der Hinterfragung von Identitätsbehauptungen in unserer Zeit, formuliert Plattner eine Kritik an der technokratischen Einstellung zum Netz. Gleichermaßen hinterfragt die Arbeit aber intensiv die Vernetzung von Identität mit dem Begriff der KünstlerIn und spielt dies anhand von autobiografischen Details durch, welche aber durch das Medium streng genommen fiktionalisiert werden. Um die Reichweiten zu verdeutlichen, produziert Plattner immer wieder auch lokale Installationen ihrer Arbeit, exzerpiert Bilder, Textfragmente und setzt diese zu komplexen selbstbezüglichen Settings zusammen, die auf Umwegen die Literarizität des Internet entlarven. Dabei entspricht die Modularität im Realraum gleichermaßen der Arbeit im Internet.
Insofern ist www.dieMystikerin.de sowohl Zentrum als auch Peripherie einer ins Rotieren geratenen Vorstellung von Identität, Sprache und Bedeutung. (Matthias Weiß)

Anmerkung: Die Website www.dieMystikerin.de ist seit Mitte 2018 eingestellt. Im „Internet Archive“ lässt sich die letzte Version nachlesen.

Ilona Johanna Plattner (*1961 in Dachau): Kunst schaffen ist ein Befreiungsakt. Ich löse mich von den Zuschreibungen, der Moral und den bestehenden Ansichten. Ich seziere und werte um. Kunst ist wie eine Geburt. Um geboren zu werden braucht es Zeit und Geduld und Können und Übung. Dann, wenn die Kunst geboren ist, wenn sie sich ausbreitet, kann sie erschüttern, trösten und Rebellionen auslösen. Die Macht der Kunst ist eine oft unterschätzte. Sie wirkt im Untergrund, im nicht Gewussten und sie wirkt auf unvorhersehbare Weise.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Bettina Lockemann

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Bettina Lockemann

1971, Berlin
STIPENDIUM 2001

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2001 wurde an Bettina Lockemann vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Iris Dressler (ehem. Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Sophie Delvallée (Künstlerin, Avignon) und Ute Vorkoeper (Kuratorin, Hamburg).

Begründung der Jury
Das Stipendium 2001 des Landes NRW für eine Medienkünstlerin aus NRW erhielt die Künstlerin Bettina Lockemann für ihr Konzept „Was habe ich eigentlich mit der Raumfahrt zu tun? Archiv der Gegenwart“ (Arbeitstitel). Das Projekt setzt an den vielschichtigen Überlagerungen zwischen öffentlichen und privaten Ereignissen/Erinnerungen an. Die Arbeiten „Border Patrol“ und „Position I und II“ von Bettina Lockemann, die im Rahmen ihres Stipediumsprojekts erarbeitet wurden, waren Teil einer internationalen Gruppenausstellung „nicht weit von der wirklichkeit entfernt“ im Herbst 2002 im HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund. 

Bettina Lockemann (*1971 in Berlin) ist Künstlerin und Wissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt künstlerische Dokumentarfotografie. Nach einer Lehre zur Fotografin in Berlin studierte sie künstlerische Fotografie und Medienkunst in Leipzig und promovierte in Kunstgeschichte in Stuttgart. Sie war fünf Jahre lang Professorin für Praxis und Theorie der Fotografie an der HBK Braunschweig. Sie erhielt zahlreiche Förderungen und präsentiert ihre Arbeiten in Ausstellungen, Vorträgen, Fotobüchern und Texten. Sie lebt in Köln.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Aurelia Mihai

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Aurelia Mihai

1968, Bukarest
STIPENDIUM 2003

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2003 wurde an Aurelia Mihai vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Iris Dressler (ehem. Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Diana Ebster (ehem. Kuratorin im lothringer 13/spiegel, München) und Anja Kreysing (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2002). Die Jury hat die Stipendiatin aus 53 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Aurelia Mihais Projekt „Tal der Träumer“ setzt an einer Auseinandersetzung mit der Geschichtskultur in den USA an. Ziel ist eine auf zwei Räume bezogene Installation, die zum einen die Ästhetiken und Sprachen der wissenschaftlichen Ausstellung sowie zum anderen des wissenschaftlich-dokumentarischen Filmes aufgreift. Kalifornien und Nevada werden zum paradoxen Austragungsort ägyptologischer Forschung und Ausgrabungen. Gegenstand der Forschung sind dabei detailgetreue Imitationen des Tutanchamun Grabes oder der Sphinx, wie sie in der Spielermetropole Las Vegas zu finden sind, sowie Film-Sets aus der Hollywood Industrie. 
Die Inszenierung einer fiktiven und „gefakten“ Altertumsforschung wird dabei von der Realität eingeholt: So wurde das Film-Set von Cecil B. De Milles Monumentarfilm „Die Zehn Gebote“ (1923) – d.h. die Kulisse einer 30 Meter langen Tempelarchitektur – nach Ende der Dreharbeiten im Sand der Dünen von Santa Maria vergraben. Vor 10 Jahren wurden Überreste dieser Kulissen gefunden und von Archäologen untersucht. Das Filmset wurde jedoch bisher nicht gehoben. Die Jury überzeugte die sorgfältigen Vorrecherchen, der konzeptionelle Ansatz sowie die geplante Umsetzung und Präsentation des Projektes. Ausschlaggebend waren darüber hinaus die komplexen Ebenen zwischen Dokumentation, Fiktion, Wissenschaft und Illusionismus, die das Projekt „Tal der Träumer“ einander gegenüber stellt.

Lobend erwähnt wurden darüber hinaus die eingereichten Projekte von Christine Erhard (Düsseldorf) und Monika Pirch (Düsseldorf).

Aurelia Mihai (*1968 in Bukarest, Rumänien) studierte an der Kunstakademie Bukarest, Kunstakademie Düsseldorf und an der KHM Köln. Seit 2009 lehrt sie an der HBK Braunschweig. Preise und Stipendien u.a.: E-STAR-Stipendium IEA N.Y., Stipendium der Villa Aurora, L.A., EMARE-Stipendium, HTBA Hull, Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf; EuRegio Kunstpreis; Villa Massimo Stipendium Rom und IASPIS, Stockholm. Ihre Werke wurden international ausgestellt und waren auf zahlreichen Festivals zu sehen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Anne Pöhlmann

Anne Poehlmann Bonner Kunstverein 2014

Anne Pöhlmann

1978, DRESDEN
STIPENDIUM 2006

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2006 wurde an Anne Pöhlmann vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Cornelia Sollfrank (Künstlerin, Hamburg/Celle) und Rosa Barba (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2005).

Begründung der Jury

Das NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen 2006 geht an Anne Pöhlmann (Düsseldorf) für das Projekt „Skater im erweiterten Raum“. Anne Pöhlmann beschäftigt sich in ihren künstlerischen Arbeiten seit längerer Zeit mit „realgewordenen Zukunftsvisionen aus der Vergangenheit“. Dieses Interesse hat sie in die Pariser Stadtviertel La Defense und Beaugrenelle gebracht. In Paris stieß sie auch auf eine Website mit Fotos von Jugendlichen, die in genau diesen Vierteln Skateboard fahren. Die Skater besetzen, so Pöhlmann, eben jene Orte „zwischen der Architektur, zwischen den definierten und umbauten Räumen“. Diese Nicht-Orte, Zwischenräume, Wege, Ecken, zweckfreien Zonen – Negativformen der sie umgebenden Architektur – tauchen wiederum bevorzugt als Szenarien in Computerspielen auf. Pöhlmann fragt, ob es sich bei diesen unbeherrschten Orten, die sich stadtplanerischen, ökonomischen, kommerziellen oder digitalen Kontrollstrukturen entziehen, nicht um die letzten romantisch-besetzten Freiräume der Großstadt handelt. Ihr künstlerisches Projekt wird anhand der zweckfreien Zonen Parallelen zwischen Stadtarchitektur und Computerspiel aufzeigen. 
Die Ergebnisse des Stipendiums wurden in der Ausstellung „Walkthrough“ im HMKV Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Anne Pöhlmann (*1978 in Dresden) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. 2018-2019 Vertretung der Professur für Fotografie, HBK Braunschweig. Einzelausstellungen u.a „Japanraum“ Langen Foundation und Peter Mertes Stipendium Bonner Kunstverein. Seit 2002 verschiedene Gruppenausstellungen u.a. „Bon Voyage! Reisen in der Kunst der Gegenwart“ Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen (2020), „Schluss mit reden, spielen wir!“ Kunsthalle Lingen (2019) und „Next Generations. Aktuelle Fotografie made im Rheinland“ Museum Morsbroich Leverkusen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Susanne Weirich

WEIRICH_Angels in Chains_2009

Susanne Weirich

1962, Unna
STIPENDIUM 2008

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2008 wurde an Susanne Weirich vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Susanne Ackers (ehem. Geschäftsführerin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Annette Schindler (ehem. Direktorin des plug.in, Basel) und Sabine Himmelsbach (ehem. Direktorin des Edith-Ruß-Haus, Oldenburg).

Begründung der Jury

Das Konzept „Angels in Chains“ von Susanne Weirich sieht eine Untersuchung der dreiköpfigen Frauengruppe vor, die an den Tate / La Bianca-Morden beteiligt waren: Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie van Houten. Die von der Künstlerin bereits geleistete Recherche zu einschlägigen Filmen und TV-Interviews sowie YouTube-Links brachte interessantes Material zutage. Überaus spannend ergab sich in diesem Zusammenhang die Verknüpfung mit der Fernsehserie „Charlie’s Angels“, die auch im Titel der Arbeit anklingt, welche die wirklichkeitskonstituierende Rolle der Medien aufzeigt. Die geplante multimediale Installation wird die Medienbilder und -konstrukte miteinander verknüpfen und das eine Hollywood-Bild mit dem anderen überblenden. Es entsteht eine Art Re-Enactment der 1976 erstmals ausgestrahlten US-Serie „Drei Engel für Charlie“, die 2000 und 2003 als Hollywoodblockbuster erneut in Szene gesetzt worden sind. Deren Inszenierung weiblicher Selbstermächtigung korrespondiert mit der Inszenierung der Frauengruppe der „Manson Family“.
Die Jury hat besonders überzeugt, wie durch das für Frauen unlegitime gewaltsame Verhalten, welches in beiden Fällen „plausibel“ dargestellt wird, ein Gender-Diskurs hergestellt wird. Neben diesen thematischen Aspekten überzeugte die geplante technisch-formale Umsetzung, die in bestehenden Arbeiten von Susanne Weirich bereits hervorragend gelöst wurde, wie sich die Jury aufgrund des eingereichten Materials zum Werk der Künstlerin überzeugen konnte.
Die Förderung durch das Stipendium des Landes NRW für die gebürtige Künstlerin aus Unna (*1962), die seit mehreren Jahren in Berlin lebt, ermöglicht ihr, intensiv an der Konzeption und Realisierung der Installation zu arbeiten. Gezeigt wurde die fertige Arbeit im Januar 2009 in der Ausstellung „Man Son. The Horror of the Situation“ die von Frank Barth und Dirck Möllmann für die Hamburger Kunsthalle kuratiert wird und die das Thema Charles Manson und „The Family“ ausführlich beleuchtet.

Die im Rahmen des Stipendiums entstandene Arbeit wurde 2009 im HMKV Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Susanne Weirich (*1962 in Unna) zeigt in ihren prototypischen Realisierungen von Installationen, Objekten und medialen Inszenierungen diverse künstlerische Strategien. Ausgehend von einem Akzent auf Text als Material wenden sich aktuelle Werke Formen des Rituals in transkulturellen Zusammenhängen zu. Seit 2011 ist sie Professorin an der Universität Duisburg-Essen. Eine Werkschau war 2013 im Kinofilm ART GIRLS zu sehen, internationale Ausstellungen ihrer Arbeiten zuletzt in Bolivien und China.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Tina Tonagel

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Tina Tonagel

1973, Lemgo
STIPENDIUM 2010

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2010 wurde an Tina Tonagel vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Thibaut de Ruyter (Kunstkritiker, Berlin) und Susanne Weirich (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2008).

Begründung der Jury

Die Künstlerin Tina Tonagel (Köln) entwickelt seit einigen Jahren experimentelle Arbeiten mit Overhead-Projektoren. Ausgehend von zunächst rein visuellen Installationen, bei denen kinetischen Aufbauten auf den Projektoren Bilder in Echtzeit erzeugten, ist die Künstlerin seit kurzem dazu übergegangen, diese raumbezogenen Installationen durch Klangelemente zu erweitern. Tina Tonagels Projektvorhaben „Himalaya-Variationen“ ist eine audiovisuelle Performance mit zwei Overhead-Projektoren. Auf die Auflageflächen der Projektoren werden selbstgebaute Klangerzeuger/Musikinstrumente gelegt, diese Instrumente werden live gespielt und in Echtzeit visualisiert. Das Konzept für diese „kinetische Overhead-Installation“ sowie die Experimentierfreudigkeit, der Humor und der intelligente Witz dieser Künstlerin haben die Jury überzeugt.

Das Ergebnis der Arbeit im Rahmen des Stipendiums wurde 2011 im HMKV Hartware MedienKunstVerein gezeigt.

Tina Tonagel (*1973 in Lemgo) studierte an der Universität Bielefeld und an der Kunsthochschule für Medien Köln (Abschluss 2004). Sie erhielt u.a. 2004 den Milla und Partner-Preis für Medien im Raum (Stuttgarter Filmwinter), 2008 den 5. Marler Video-Installations-Preis (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl), 2009 ein Stipendium der Kunststiftung NRW (Nachwuchsförderung) und 2011 das Arbeitsstipendium Stiftung Kunstfonds.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Künstlerin Kunst

Sophia Bauer

Künstlerin Kunst

1987, EBERSBERG
STIPENDIUM 2021

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2021 wurde an Sophia Bauer vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Im Zentrum von Sophia Bauers künstlerischer Praxis steht die Auseinandersetzung mit Klang als historischem Dokument und Ressource für neue Formen der Wissensproduktion: „Das Denken durch Klang als einem Netzwerk von Verbindung und Zugehörigkeit hilft uns, Strukturen von Ausgrenzung in Frage zu stellen“, so die Künstlerin. Dabei versteht sie Sound „als ein Medium, das die Kernideen der Trennungskonzepte des europäischen Imperialismus und Kolonialismus“ kritisch beleuchten kann. In ihren Werken – zuletzt vorwiegend Klanginstallationen und Sound-Archive – befragt Sophia Bauer die tradierten hierarchischen Strukturen eines asymmetrischen Machtverhältnisses zwischen Mensch und Natur. Mithilfe von Soundaufnahmen werden die Nachwirkungen kolonialer Strukturen, wie sie sich beispielsweise in den biosozialen (Kommunikations-)Netzwerken von domestizierten Wäldern manifestieren, aufgespürt und offengelegt, um durch eine Rekontextualisierung alternative Zusammenhänge zu schaffen und neue Erkenntnisse für postkoloniale Diskurse zu gewinnen.

In ihrem mehrteiligen Werkkomplex Forest Scapes (seit 2019) erforscht Sophia Bauer den Einfluss des – in die botanische und zoologische Taxonomie eingeschriebenen – Kolonialismus auf verschiedene Waldlandschaften. Anknüpfend an ihre Klanginstallation „Kereita Forest Block“ über eine Zypressenplantage im kenianischen Hochland, plant die Künstlerin nun im Rahmen des NRW Stipendiums für Medienkünstlerinnen eine umfassende Klangstudie über den „Arabuko Sokoke Forest“, einem der letzten noch weitgehend intakten trockenen Küstenwälder Ostafrikas mit einer Fläche von 420 Quadratkilometer. Im Mittelpunkt von Sophia Bauers akustischer Aufarbeitung steht ein Neudenken des Beziehungsgeflechts zwischen Bewohner*innen, Nutzer*innen, Orten und Pflanzen. Das künstlerische Ausgangsmaterial reicht dabei von aus der Kolonialzeit stammenden Berichten aus dem National Archive of Kenya über Interviews bis hin zu mit hochsensiblen Kontaktmikrofonen aufgezeichneten Klängen von Bäumen, Vögeln und Insekten. Aus diesem Repertoire programmiert Sophia Bauer eine Sound-Komposition, die auf Grundlage von akustischen Merkmalen zu einem sich stetig verändernden Klanggeflecht arrangiert und in eine räumliche Installation gebracht wird. Sophia Bauer hat uns mit ihrer Klangstudie Forest Scapes: Arabuko Sokoke Forest überzeugt, die verspricht eine komplexe, tiefgehende und politische Erfahrung von Naturräumen und Kulturlandschaften zu ermöglichen. Wir freuen uns, dieses transkontinentale Vorhaben mit dem NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen unterstützen zu können.
Heike Ander für die Jury

Sophia Bauer (*1987 in Ebersberg) arbeitet in ihren installativ-multimedialen Werken vorrangig mit Klang, Video und Fotografie. Sie hat Afrikanische Sprachen, Literatur und Kunst an der Universität Bayreuth studiert und 2019 ihr Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln abgeschlossen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

kerstin Ergenzinger

Kerstin

kerstin Ergenzinger

1975, Gomadingen
stipendium 2011

Büro medienwerk.nrwFörderung


Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2011 wurde an Kerstin Ergenzinger vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstverein, Dortmund), Thibaut de Ruyter (Kunstkritiker, Berlin) und Susanne Weirich (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2008).

Begründung der Jury
Kerstin Ergenzinger (in Köln lebend) schafft raumbezogene, reaktive Installationen, wie z.B. die beeindruckende Lichtinstallation „..W / ..O KEINGRADWESTUNDKEINGRADOST“ (2006), die aus einer begehbaren Kiste bestand, deren Ecken durch projizierte Linien visualisiert wurden, welche sich kaum merklich verschoben. Auch die raumgreifende kinetische Installation Studie zur Sehnsucht (2007-2009), die seismologische Daten in sich langsam verändernde Berg- und Bodenformationen übertrug, beeindruckte die Jury.
Kerstin Ergenzingers Projekt „Rotes Rauschen“ ist eine experimentelle Installation, ein pseudo-wissenschaftliches Arrangement, eine künstlerische Studie zur Erforschung des Rohmaterials unserer Wahrnehmung – und eine Skulptur. Die Künstlerin plant, einen Raum in einem alleinstehenden, nicht unterkellerten Gebäude in einen „Raumseismometer und Zustands- und Unruhemesser“ umwandeln. Dieser „lauscht den Neigungen – also den Gewichtsverlagerungen in seinem Inneren – sowie den langsamen Frequenzen des allgegenwärtigen seismischen Rauschens, das unter ihm durch den Boden wandert.“ Jeder, der einen solchen Raumseismometer betritt, verändert die Gewichtsverteilung des Ortes und verschiebt das Beziehungsgefüge im Raum.
Das Projekt wurde 2012 im Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Kerstin Ergenzinger (*1975 in Gomadingen) arbeitet in und zwischen den Bereichen von Skulptur, Klang, Kinetik, Licht und Zeichnung. Zentrales Thema ihrer Praxis ist das unauflösbare Beziehungsgefüge zwischen Körper und Welt, zwischen Wahrnehmung und Wahrgenommenem, zwischen sinnlichem Erkunden und der Herstellung von Sinn. Zentral sind Disziplin übergreifende Kunst- und Forschungsprojekten u.a. ist sie Mitherausgeberin der künstlerischen und akademischen Publikation “Navigating Noise” (Walther König, Berlin).

Informationen zur Künstlerin auf ihrer Website.

DENISE RITTER

Denise Ritter

DENISE RITTER

1971, Rodalben
stipendium 2012

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2012 wurde an Denise Ritter vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Ute Vorkoeper (Kuratorin, Hamburg) und Kerstin Ergenzinger (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2011).

Begründung der Jury
Die oft mehrkanaligen elektroakustischen Kompositionen in den Klanginstallationen, -skulpturen und -objekten der Künstlerin und Diplom-Geografin Denise Ritter (Wohnsitz in Dortmund) gehen immer von realen Klangsituationen aus – wie z.B. den Geräuschen eines Walzwerks in Lothringen; Tönen, die die Künstlerin beim Einschlafen macht; dem Kratzen von Pflanzenblättern auf Mauerwerk; dem Funkkontakt zwischen der Erde und der Internationalen Raumstation ISS. Neben der präzisen und differenzierten Ausarbeitung der Kompositionen hat die Jury insbesondere Ritters künstlerischer Umgang mit Raum und Form überzeugt (die Künstlerin nennt sie „audiokartografische Installationen – begehbare Bodeninstallationen – mit Kartensignaturen aus Kabel, Lautsprecher und Kompositionen, die den Landschaftsraum, in dem sie entstehen, widerspiegeln“). Ihr Projektvorhaben „small world wide“ geht von dem sogenannten „Kleine-Welt-Phänomen“ aus, nach dem angeblich jeder weltweit jeden über maximal sechs Ecken kennt („six degrees of separation“). Die Künstlerin wird zehn Zielorte festlegen (z.B. die Internationale Raumstation ISS, das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meersforschung, den Kenogami-Urwald in Ontario, etc.) und über zehn „Startpersonen“ Aufnahmegeräte über eine Kette von Bekanntschaften an die zehn Zielpunkte gelangen lassen, die von zehn „Zielpersonen“ per Audioaufnahmen dokumentiert werden sollen. Das so generierte Audiomaterial wird zum Ausgangspunkt einer neuen audio-kartografischen Installation.
Denise Ritter im Interview über ihr Projekt / Website des Projekts

Denise Ritter (*1971, Rodalben) ist Klangkünstlerin. In ihren Klanginstallationen bringt sie elektroakustische Kompositionen in Einklang mit plastischen Rauminterventionen. Sie ist Dipl.-Geographin, studierte Audiovisuelle Kunst an der HBKsaar in Saarbrücken und war Meisterschülerin von Christina Kubisch. Denise Ritter ist u.a. Preisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises, ist bei Ausstellungen und Festivals im In- und Ausland vertreten und realisiert auch Klanginstallationen im öffentlichen Raum.

Informationen zu den Künstlerinnen auf ihrer Website

Céline Berger

Celine

Céline Berger

1973, Saint martin d’Hères
stipendium 2015

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2015 wurde an Céline Berger vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Denise Ritter (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2012). Die Jury hat die Stipendiatin aus 55 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Céline Berger interessiert sich einerseits dafür, wie sich prekäre Arbeitsverhältnisse in (Bild-)Sprache einschreiben („Employees“, „Release“, beide 2010). Andererseits untersucht die Künstlerin, auf welche Weise Sprache eingesetzt wird, um die persönlichen Karriereziele innerhalb des Unternehmens zu erreichen. Sogenannte „Business Coaches“ bedienen sich dafür einer Vielzahl von Modellen und Gesprächstechniken: Neurolinguistisches Programmieren, systemische Aufstellung, Transaktionsanalyse, emotionale Intelligenz. Die Beziehung zwischen „Trainer“ (Coach) und „Klienten“ (Coachee) stellt dabei für die Künstlerin ein besonders interessantes Erzähluniversum dar: Sie ist ein Rahmen, innerhalb dessen „Geschichten der Arbeitswelt“ erzählt werden. Diese Geschichten, die sie zum Beispiel in den Fallstudien des Harvard Business Review findet, verwebt Céline Berger zu poetischen Erzählungen (z.B. in „Rare birds in these lands“, „La Ronde“, beide 2013). Der Künstlerin, deren Blick sicherlich auch durch ihren Aufenthalt in den Niederlanden geschärft wurde, gelingt so eine äußerst genaue, in manchen Momenten durchaus beängstigende Analyse der gegenwärtigen Unternehmenswelt. Die Jury ist beeindruckt von der präzisen Arbeit dieser Künstlerin, der es gelingt, aus der funktionalen Sprache unserer Arbeitswelt künstlerische Reflexionen über die zunehmend von ökonomischem Denken geprägte Gegenwart zu destillieren. Die im Rahmen des Stipendiums entstandene Arbeit „Ballade“ wurde 2018 im Dortmunder U und in der Temporary Gallery, Köln gezeigt. Organisiert wurden die Vorführungen vom Büro medienwerk.nrw.

Céline Berger (*1973 in Saint martin d’Hères, Frankreich) untersucht das Medium Sprache. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit steht die heutige Arbeits- und Unternehmenswelt.

Informationen zu den Künstlerinnen auf ihrer Website

Verena Seibt und Clea Stracke

Pauline

Verena Seibt und Clea Stracke

1980, Dachau / 1982, Berlin-Tempelhof
STIPENDIUM 2013

Büro medienwerk.nrwFörderung

Als einmalige Ausnahme wurde das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2013 an zwei Künstlerinnen, Verena Seibt und Clea Stracke, vergeben.

Begründung der Jury
Verena Seibt und Clea Stracke (beide in Köln lebend) arbeiten 2006-2016 als Künstlerinnenduo zusammen. Ihre künstlerische Forschung setzt an realen (städtischen, sozialen, architektonischen oder institutionellen) Räumen an und bringt – auf durchaus humorvoll ironische Weise – die verschütteten Wahrheiten dieser Räume zum Vorschein. Ihre Videoinstallation „Und das Schiff fährt“, die sie 2009 zum Studienabschluss präsentierten, setzt sich mit der Architektur des Kunstakademiegebäudes von Coop Himmelb(l)au sowie mit dem Lehrbetrieb und dem „Wesen des Künstlers“ auseinander. Im Video verwandelt sich das Gebäude der Münchner Kunstakademie durch die Verfremdungstechnik des Mediums Film in ein dem Wellengang ausgeliefertes Schiff auf hoher See: „Die reale Fassade wird zur fiktiven Kulisse umgedeutet – und verweist in der Metapher des auf hoher See schwankenden Schiffs auf die höchst realen internen Strukturen der Akademie“, so die Künstlerinnen. Ihr Projektvorschlag „Weil ich dich nicht mehr liebe“ wird verschiedene Trennungsprozesse auf dem Recycling- bzw. Wertstoffhof untersuchen. Das Video will dabei – durch dramatische Überhöhung tragischer Abschiedsmomente – den Blick auf einen alltäglichen Ort verändern.

Verena Seibt (*1980 in Dachau) und Clea Stracke (*1982 in Berlin-Tempelhof) studierten 2001 – 2008 an der Akademie der Bildenden Künste in München und arbeiteten bis 2016 als Künstlerinnenduo zusammen. In ihren subtilen Manövern schaffen die beiden imaginäre Räume, indem sie tastend, staunend, sezierend in echte Orte eindringen und dabei ihre Fundstücke auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion und Realität ausbalancieren. Film und Installation sind die zentralen Medien der Künstlerinnen um raumgreifende Szenarien zu erschaffen.

Informationen zu den Künstlerinnen auf ihrer Website
weitere Informationen hier und hier

Vera Drebusch

Vera

Vera Drebusch

1986, herdecke
stipendium 2016

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2016 wurde an Vera Drebusch vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware Medienkunstverein, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Céline Berger (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2015, Köln). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 43 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die 1986 in Herdecke geborene und in Köln lebende Künstlerin Vera Drebusch setzt sich in ihren Foto-, Text- und Medienarbeiten mit Zeitgeschichte auseinander und aktualisiert diese in Form persönlicher Erinnerungen. So thematisiert Vera Drebusch in der Fotoarbeit Route (2014) die Vertreibung ihrer Großmutter nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Künstlerin ist die 300 km lange Route von Polen über die Tschechoslowakei nach Deutschland mit dem Fahrrad abgefahren und projiziert diese Wegstrecke als Google-Map auf ihr Dekolleté: Der Fluchtweg der Großmutter erscheint als blaue Äderung der eigenen Haut. Geisel-Radio (2014) entstand während eines Aufenthaltes in Kolumbien 2013. Jeden Samstag sendet der größte Radiosender Kolumbiens von Mitternacht bis um 6:00 Uhr des nächsten Tages Nachrichten von Familienangehörigen der vielen Entführten an die Gekidnappten im Dschungel. Die Installation besteht aus einem Radiosender und einem Weltempfänger, aus dem ein von Vera Drebusch verfasster und gesprochener Text zu hören ist – und all dies ist vor einem von hinten beleuchteten Stück Levanto Rosso (Blutmarmor) platziert. Auch in anderen Projekten arbeitet Vera Drebusch mit den Methoden der Verdichtung und der Sichtbarmachung. Ihr neues Projekt, das im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW für eine Medienkünstlerin 2016 realisiert werden soll, hat den Titel Die Höhle des Löwen.
„Die Höhle des Löwen“, Mixed Media Installation (Diaprojektion, in Stahl gerahmte Bilder, 50 x 70cm), 1987/2006/2016: In einem autobiografischen Werk spürt Vera Drebusch dem Verhältnis zu ihrem Kindheitsfreund nach. Wie Geschwister waren beide aufgewachsen, er nahm dann aber eine völlig andere Entwicklung: 11 Jahre lang gehörte er der rechten Szene an, war zwei Mal im Gefängnis, bis er erst kürzlich den Ausstieg schaffte. Die gemeinsamen Fotografien aus den vergangenen 30 Jahren sind stark bearbeitet, sowohl das Gesicht als auch großflächige Tätowierungen sind (auch zur Anonymisierung) ausgeschnitten. Den Versuch der Annäherung in langen Gesprächen dokumentieren Zitate, die in Handschrift vom Diaprojektor an die Wand geworfen werden. Die Empore von Sankt Peter dient als Ausstellungsort. (Mario Müller)

Vera Drebusch (1986 in Herdecke) lebt und arbeitet in Hamburg, absolvierte ein Diplom-Fotostudium in Dortmund und studierte anschließend an der Kunsthochschule für Medien Köln, an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá und als Gast an der Hochschule für Künste Bremen und der Kunsthochschule Kassel. 2013 gründete sie den Ausstellungsraum GOLD+BETON am Kölner Ebertplatz. Von 2015 bis 2019 übernahm sie Lehraufträge am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität zu Köln sowie an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn. Für den Westdeutschen Künstlerbund kuratierte sie Ausstellungen im In- und Ausland.


Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Pauline M‘barek

Pauline

Pauline M‘barek

1979, Köln
stipendium 2017

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2017 wurde an Pauline M’Barek vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstverein, Dortmund), Thomas Thiel (Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Céline Berger (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2015). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die 1979 in Köln geborene und dort lebende Künstlerin Pauline M‘barek setzt sich in ihren multimedialen Inszenierungen mit grundsätzlichen Fragen der menschlichen Wahrnehmung auseinander. Gegenstand ihrer Video- und Audioinstallationen, Skulpturen, Zeichnungen sind Medien der Wahrnehmung (Vitrine, Halterungen) sowie die Sinne selbst. Die Wechselwirkungen von Sehen, Hören und Tasten beschäftigen die Künstlerin ebenso wie die Bedeutung der Körperlichkeit für die Wahrnehmung. In der fortlaufenden Kreuzung von objektiven und subjektiven Perspektiven relativiert M‘barek unsere Wahrnehmung von Welt. So werden aufgrund eines schwarzen Bildhintergrunds in ihrem Video „Semiophoren“ (2013) schwarze, ethnologische Objekte für den Betrachter erst durch Gesten der Berührung mit weißen Handschuhen sichtbar. Im Gegensatz dazu zeigt die Werkserie „Artifacts“ (2014) individuelle Formen der Berührung, indem die Künstlerin einzelne Handbewegungen in fremd wirkenden Artefakten aus Alabastergips abbildet. In Folge der verschiedenartigen Übersetzung taktiler Erfahrung beschäftigte sich die Künstlerin in ihrem Video „Glance“ (2014) oder der Fotografie „Selbstporträt nach Ernst Mach“ (2014) auch mit den möglichen Berührungen des Auges und einer Materialität des Sehens.
Ihr neues Projekt mit dem Titel „Glance – der Körper im Blick“, das im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW für eine Medienkünstlerin 2017 realisiert werden soll, wird diese künstlerische Untersuchungen zum Sehen als taktiler Prozess fortsetzen. Geplant ist die Produktion eines Videos, das an Erkenntnisse früherer Arbeiten anknüpft und den Körper als eigentliches Medium der Wahrnehmung in den Mittelpunkt stellt. Unter professionellen Bedingungen möchte die Künstlerin diesmal den subjektiven Blick des Betrachters mit Makroaufnahmen der Pupille einfangen und gleichzeitig als Spiegel einer architektonischen Umgebung und körperlichen Bewegung im Raum einsetzen. Da sich in der Pupille auch der Körper (Nase, Hände, Beine etc.) spiegelt, erkunden wir mit den Augen eines Anderen im Video einen uns fremden Raum und folgen den minimalen Bewegungsabläufen einer einstudierten Performance. So entsteht im Luhmannschen Sinne eine „Betrachtung zweiter Ordnung“ oder ein langsames „Tasten mit dem Blick“ (Merleau-Ponty) – dank eines natürlichen Zerrspiegels, dem Glanz (Glance) im Blick.

Pauline M‘barek (*1979 in Köln) lebt und arbeitet in Brüssel und Köln, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (2000-2007), École Supérieure des Beaux-Arts in Marseille (2003-2004) und schließlich postgradual Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln (2007-2009). Die Jury ist beeindruckt von dieser medial vielseitigen und dennoch sehr fokussiert arbeitenden Künstlerin, die schon jetzt auf ein sehr eigenständiges Werk und zahlreiche wichtige Auszeichnungen zurückblicken kann.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Nico Joana Weber

Nico

Nico Joana Weber

1983, Bonn
stipendium 2018

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2018 wurde an Nico Joana Weber vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV, Dortmund), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Pauline M’Barek (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2017). Die Jury hat die Stipendiatin aus 56 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
In ihren Arbeiten forscht Nico Joana Weber entlang dichotomisch gedachter Strukturen wie Zentrum – Peripherie, Architektur – Natur, Innen – Außen und überführt sie in einen Zustand des Hybriden. Oder vielmehr: sie seziert das diesen Strukturen bereits immanent Hybride und legt es offen. Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen sind oftmals architektonische Körper, an und in denen sich Narrative historischer und kultureller Aneignungs- und Wandlungsprozesse ablesen lassen. So vollzieht Nico Joana Weber beispielsweise in Arbeiten wie „Monstera Deliciosa“ (2018) oder „Unstable Landscape“ (2016) nach, wie sich westlich geprägte Architekturen in der tropischen Umgebung Südamerikas verorten. Die Architekturen werden hier nicht allein als Ausdruck der Dominanz einer Kultur und ihrer Technik gegenüber einer anderen gezeigt. Vielmehr wird die Verletzlichkeit dieser Gebäude offen gelegt, die sich als Fremdkörper gegenüber den lokalen Verhältnissen behaupten müssen. 
Im Rahmen des hier vergebenen Stipendiums will Nico Joana Weber ihr Projekt „Hybrid Moments“ (AT) weiter voranbringen. Das Projekt nähert sich der kolonialen Vergangenheit Nigerias über die unterschiedlichen architektonischen Stile, die dort als Erbe zum einen der britischen Kolonialisierung und zum anderen des von Nigeria ausgehenden Sklavenhandels der Portugiesen in die damalige Kolonie Brasilien heute noch zu finden sind. Zentral sind hierfür sowohl die realisierten Entwürfe von Architekten des Department of Tropical Architecture, das sich 1955 – 1970 an der Architectural Association in London formiert hatte, als auch die sogenannten Brazilian Houses, die von aus Brasilien zurückgekehrten ehemaligen Sklaven in Lagos entworfen wurden. Architektur wird hier nicht nur als Manifestation globaler historischer Prozesse und als hybrider kultureller Baukörper erlebbar, in dem Einflüsse aus Zentrum und Peripherie gleichberechtigt ineinanderfließen. Sie wird zugleich als ein im Verfall begriffenes Kulturgut, das im Übergang zwischen Moderne und Gegenwart verloren zu gehen droht, dauerhaft dokumentiert. Wir sind sicher, dass Nico Joana Weber in ihren Bildern und der späteren installativen Umsetzung im Raum überzeugende Mittel und Wege der Darstellung für diese komplexen Prozesse finden wird und freuen uns daher, sie mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Landes NRW bei diesem ambitionierten Projekt unterstützen zu können.

Nico Joana Weber (*1983 in Bonn) arbeitet mit Video, Fotografie und multimedialen Rauminstallationen. Sie hat Fine Art and History of Art am Goldsmiths College in London studiert und 2013 ihr Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln abgeschlossen. In ihrer Arbeit verhandelt sie die ästhetischen und politischen Prägungen von Architektur und Landschaft in transkulturellen Kontexten.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Foto: Nico Joana Weber, No Longer A Single Root (2021), Filmstill © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Vanja Smiljanić

Vanja

Vanja Smiljanić

1986, Belgrad
stipendium 2019

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2019 wurde an Vanja Smiljanić vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV, Dortmund), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Pauline M’Barek (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2017). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 56 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Vanja Smiljanić interessiert sich für spekulative Narrationen, feministische Science Fiction und einen neuen Materialismus, der das Physische mit dem Jenseitigen verbindet. Seit 2010 setzt sie sich mit der neuen religiösen UFO-Bewegung „Cosmic People“ auseinander. Nach vielen erfolglosen Versuchen wurde Smiljanic 2013 schließlich Mitglied und bezeichnet sich heute selbst als „Senior Architect“ der „Library of Light“ der „Cosmic People“, also des Archivs, deren Inhalte sie ‚von innen heraus’ zu verändern beginnt. In Lecture-Performances berichtet sie von dieser (subversiven) Tätigkeit. Vanja Smiljanic reflektiert aus einem ambivalenten Innen heraus über ihr Sujet – und lässt in neuartigen Live-Formaten eine interessierte Öffentlichkeit an ihrer künstlerischen Forschungsarbeit teilhaben.

Im Rahmen des Stipendiums wird Vanja Smiljanić an ihrem experimentellen Dokumentarfilm Herland arbeiten. Dazu wird sie mit Mitgliedern der „neuen religiösen Bewegung“ „Unarius“ zusammenarbeiten, einem religiösen UFO-Kult, der 1954 im kalifornischen El Cajon (USA) gegründet wurde. Wie in früheren Projekten versucht die Künstlerin, die von dieser Gruppe entwickelten „unwissenschaftlichen“ Praktiken als alternative Methoden kritischen Denkens einzusetzen. Bei Unarius interessiert sich Vanja Smiljanić insbesondere für die dort praktizierte „Past Life Therapy“. Diese deutet die Künstlerin um in eine „Choreografie des Werdens“, die zu einem „trans-persönlichen Zustand“ führen soll. Im Zentrum des Films wird Billie Stafford stehen, eine 78-jährige Frau, die in ihren früheren Leben angeblich u.a. Leonardo da Vinci, eine illegitime Tochter von Maria Theresia von Österreich und Charlotte Perkins Gilman war. Charlotte Perkins Gilman (1860-1935) war eine utopische feministische Autorin und eine intellektuelle Anführerin der amerikanischen Frauenbewegung. Ihr Buch Herland (1915) schildert eine fiktive, nur aus Frauen bestehende Gesellschaft, die frei von Krieg, Gewalt und Herrschaft ist. Ausgehend von Interviews mit Stafford/Gilman wird Vanja Smiljanić ein experimentelles Dokumentarformat entwickeln, das die Betrachter*innen auf eine Reise in die Geschichte feministischer und anarchistischer Science Fiction, Cyberfeminismus und Tech Noir mitnimmt. Dr. Inke Arns für die Jury

Die Arbeit „Orion Debacle“ wurde im April 2019 als Video des Monats beim Hartware MedienKunstVerein gezeigt.

Vanja Smiljanić (*1986 in Belgrad) ist eine in Belgrad geborene und in Köln lebende Künstlerin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der bildenden Kunst, Video und Performance. In ihrer Praxis nutzt sie oft das Modell der Performance-Vorlesung als einen Weg, um fiktive und erfahrbare Universen zu überbrücken, die technische Apparate, Diagramme und sci-fi Povera-Skulpturen umfassen. Ihre Arbeit verbindet ansonsten unvergleichbare Realitätssysteme und bezeugt die Grundlage von Ideologien als entfremdete Regime, wobei sie ihren eigenen Körper als Medium der Narration verwendet und oft zwischen der Position des Orakels und der Geschichtenerzählerin wechselt. Vanja Smiljanić lebt in Köln.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Julia Weißenberg

Julia Weißenberg

Julia Weißenberg

1982, Bergisch Gladbach
STIPENDIUM 2020

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2020 wurde an Julia Weißenberg vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Welche Erzählungen liegen unter den Oberflächen von Architekturen, Objekten, Produkten, die uns tagtäglich umgeben? Welche Geschichten sind darin verwoben? Welche Politiken des gesellschaftlichen globalen Miteinanders verbergen sich hinter dem Schein des Äußerlichen? Julia Weißenberg erforscht diese Politiken in ihren Werken mit unterschiedlichsten Medien und Formaten und legt sie offen. Es sind die Geschichten von Rohstoffen, die wir in Form von Kleidung oder technischem Gerät tagtäglich am Körper tragen und die, in ihrer Reinform betrachtet, globale Abhängigkeitsverhältnisse und Handelswege offenbaren. Es sind die Erzählungen von Marken und Produkten, die sich als unsichtbare Schichten über unsere Wahrnehmung und unsere Körper legen. Und es sind die Architekturen, die in ihrer Verortung in Raum und Zeit Utopien und Weltsichten manifest werden lassen. Julia Weißenberg bricht diese Oberflächen mit gezielten Interventionen auf und lädt uns ein, genauer hinzusehen. 
Auch in ihrem Projekt „The Habitat“, mit dem sich Julia Weißenberg auf das Stipendium für Medienkünstlerinnen beworben hat, blickt die Künstlerin hinter die Kulissen zeitgenössischer Architekturen und fragt danach, wie sich verschiedene Formen von Arbeit in den Formen unseres Wohnens spiegeln. Konkret vergleicht sie hier die Lebensräume der „digitalen Nomaden“ mit denen chinesischer Wanderarbeiter in sogenannten „Urban Villages“. Während erstere ihren Wohnort selbst nach eigengesetzten Kriterien bestimmen und das Leben aus dem Koffer als den Luxus der Freiheit eines westlichen Lebensstils begreifen, sind die anderen Spielball übergeordneter Machtverhältnisse und zu einem Leben und Wohnen in einem dauerhaft temporären Zustand zwischen Abriss und Neuanfang verdammt. Wie lässt sich unter diesen jeweiligen Verhältnissen und in den dafür vorgesehenen Architekturen ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Identität herstellen, und welche Verbindung müssen unsere menschlichen Körper hierfür mit den architektonischen Körpern eingehen? Welche Bedeutung haben diese Kategorien überhaupt noch für ein modernes Nomadentum? Und gibt es ein Recht auf so etwas wie Heimat? Wir freuen uns, mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Landes NRW Julia Weißenberg dabei zu unterstützen, dieses Projekt umzusetzen, und sind gespannt auf die neuen Lesarten, die sie uns dadurch eröffnen wird. Tasja Langenbach für die Jury

Julia Weißenberg (*1982 in Bergisch Gladbach) hat an der FH Düsseldorf sowie der Kunsthochschule für Medien Köln studiert und dort 2012 ihr Studium abgeschlossen. 

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Sophia Bauer

Sophia Bauer

Sophia Bauer

1987, EBERSBERG
STIPENDIUM 2021

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2021 wurde an Sophia Bauer vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Im Zentrum von Sophia Bauers künstlerischer Praxis steht die Auseinandersetzung mit Klang als historischem Dokument und Ressource für neue Formen der Wissensproduktion: „Das Denken durch Klang als einem Netzwerk von Verbindung und Zugehörigkeit hilft uns, Strukturen von Ausgrenzung in Frage zu stellen“, so die Künstlerin. Dabei versteht sie Sound „als ein Medium, das die Kernideen der Trennungskonzepte des europäischen Imperialismus und Kolonialismus“ kritisch beleuchten kann. In ihren Werken – zuletzt vorwiegend Klanginstallationen und Sound-Archive – befragt Sophia Bauer die tradierten hierarchischen Strukturen eines asymmetrischen Machtverhältnisses zwischen Mensch und Natur. Mithilfe von Soundaufnahmen werden die Nachwirkungen kolonialer Strukturen, wie sie sich beispielsweise in den biosozialen (Kommunikations-)Netzwerken von domestizierten Wäldern manifestieren, aufgespürt und offengelegt, um durch eine Rekontextualisierung alternative Zusammenhänge zu schaffen und neue Erkenntnisse für postkoloniale Diskurse zu gewinnen.
In ihrem mehrteiligen Werkkomplex Forest Scapes (seit 2019) erforscht Sophia Bauer den Einfluss des – in die botanische und zoologische Taxonomie eingeschriebenen – Kolonialismus auf verschiedene Waldlandschaften. Anknüpfend an ihre Klanginstallation „Kereita Forest Block“ über eine Zypressenplantage im kenianischen Hochland, plant die Künstlerin nun im Rahmen des NRW Stipendiums für Medienkünstlerinnen eine umfassende Klangstudie über den „Arabuko Sokoke Forest“, einem der letzten noch weitgehend intakten trockenen Küstenwälder Ostafrikas mit einer Fläche von 420 Quadratkilometer. Im Mittelpunkt von Sophia Bauers akustischer Aufarbeitung steht ein Neudenken des Beziehungsgeflechts zwischen Bewohner*innen, Nutzer*innen, Orten und Pflanzen. Das künstlerische Ausgangsmaterial reicht dabei von aus der Kolonialzeit stammenden Berichten aus dem National Archive of Kenya über Interviews bis hin zu mit hochsensiblen Kontaktmikrofonen aufgezeichneten Klängen von Bäumen, Vögeln und Insekten. Aus diesem Repertoire programmiert Sophia Bauer eine Sound-Komposition, die auf Grundlage von akustischen Merkmalen zu einem sich stetig verändernden Klanggeflecht arrangiert und in eine räumliche Installation gebracht wird. Sophia Bauer hat uns mit ihrer Klangstudie Forest Scapes: Arabuko Sokoke Forest überzeugt, die verspricht eine komplexe, tiefgehende und politische Erfahrung von Naturräumen und Kulturlandschaften zu ermöglichen. Wir freuen uns, dieses transkontinentale Vorhaben mit dem NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen unterstützen zu können.

Sophia Bauer (*1987 in Ebersberg) arbeitet in ihren installativ-multimedialen Werken vorrangig mit Klang, Video und Fotografie. Sie hat Afrikanische Sprachen, Literatur und Kunst an der Universität Bayreuth studiert und 2019 ihr Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln abgeschlossen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin