Marianna Christofides

Marianna Christofides

1980, Nikosia
STIPENDIUM 2014

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2014 wurde an Marianna Christofides vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Denise Ritter (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2012) und. Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 55 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die künstlerische Praxis der zypriotischen, in Köln lebenden Medienkünstlerin Marianna Christofides umfasst Multimediainstallationen, Diaprojektionen, Objekte, Fotografien und Texte. Den thematischen Ausgangspunkt ihrer medienübergreifenden Arbeiten bilden häufig Reiseerlebnisse, spezifische Orte oder persönliche Geschichten. Archivarisches Material wie alte Glasdias, Foto- und Kartografien, Text, Film- und Tonmaterial unterzieht sie einer künstlerischen Transformation und kombiniert diese in räumlichen Installationen mit eigenen Bildern und Objekten. So fließen in ihren Werken häufig zeitliche, geografische und thematische Erzählstränge ganz bewusst zusammen. In Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, unter Verwendung transdisziplinärer Informationen und dokumentarischer Methoden entwickelt Christofides eigene, atmosphärische Topografien und fiktive Bildräume.
All ihre Projekte sind geprägt von einem Prozess der Annäherung an das Material und die eigene Recherche, der berechtigte Zweifel an der festgeschriebenen Wirklichkeit von Gegenständen, Orten und Landschaften erkennen lässt. Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Videoarbeit „Here let me stand“ (2013, HD Video mit Ton |4:3| 29’42“ loop) steht beispielsweise ein umfangreicher Foliant von 1881 mit dem Titel „Cyprus Antiquities – Excavated by Major Alexander Palma di Cesnola“ aus den National Archives of London. Christofides vereint die detailreichen Bilder archäologischer Funde, ihre chronologisch wie topographisch subjektive Klassifizierung zu einer langsamen, poetischen Kamerafahrt. Für „l’histoire d’histoire d’une histoire“ (Installation, 2012) wurden zusammenhanglos gesammelte Laterna-Magica-Glasdias digitalisiert, teilweise bearbeitet und zu einer fiktiven Filmgeschichte in 200 Standbildern verdichtet.
Die Jury überzeugte Christofides‘ vielschichtiges Werk und ihr Projektvorschlag, in dem sich – ausgehend von einem bereits geplanten Aufenthalt – die Auseinandersetzung mit der Oberflächenprägung der Landschaft um Los Angeles fortsetzen wird und dort sozioökonomische, geologische und architekturhistorische Spuren der Zeitgeschichte verfolgt. Mit den Mitteln filmischer Montage wird die Künstlerin ein aktuelles Landschaftsbild, bestehend aus verschiedenen medialen, zeitlichen und disziplinären Quellen, zeichnen.

Marianna Christofides (*1980 in Nikosia, Zypern) lebt und arbeitet in Köln. 2011 vertrat die Künstlerin Zypern bei der 54. Biennale in Venedig. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter Stipendien der Stiftung Kunstfonds, Künstlerhaus Schloss Balmoral, Alexander S. Onassis Stiftung, Kölnischer Kunstverein und Imhoff Stiftung und war nominiert für den 8. Deste Preis in Athen. Derzeit ist sie Stipendiatin der Villa Aurora, Los Angeles. Jüngste Ausstellungen ihrer Werke fanden statt im National Museum of Contemporary Art (Athen), Gasworks (London), Kölnischer Kunstverein, Museum für Fotografie (Braunschweig), Museum für Gegenwartskunst Siegen, Kunsthalle Bremen und BOZAR Palais des Beaux-­Arts (Brüssel).

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin