Universität Duisburg-Essen | Aylime Asli Demir: „AMBIGUITÄT & UNVORHERSEHBARKEIT“

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Universität Duisburg-Essen | Aylime Asli Demir: „AMBIGUITÄT & UNVORHERSEHBARKEIT“

FELLOW: Aylime Asli Demir

MedienkunstfellowsFörderung

Laufzeit: laufend

Das Institut für Kunst und Kunstwissenschaften der Universität Duisburg-Essen und das atelier automatique laden ein zu einem Werkstattgespräch mit der Medienkunstfellow Aylime Aslı Demir (Kuratorin, Aktivistin) sowie den Gästen Eva Busch (Kuratorin) und Begüm Karagöz (Studentische Mitarbeiterin im queerfeministischen Archiv LIESELLE).

Im Gespräch werden Formen des Widerstands und der Archivierung queerer Erzählungen diskutiert, mit einem Fokus auf Erfahrungsaustausch und künstlerischen, kuratorischen Praxen im Kontext Archiv und (Un-)Sichtbarkeiten.

Vom 9.-12. Dezember 2023 sowie vom 27.01.-03.02.2024 ist die türkische Autorin, Kuratorin und Aktivistin Aylime Aslı Demir in unserem Institut als Medienkunstfellow im Rahmen des Projekts Ambiguität und Unvorhersehbarkeit: Zu Formen des Widerstands und der Archivierung queerer Erzählungen zu Gast.

Ihr Aufenthalt ist eingebunden in das kunstwissenschaftliche Teilprojekt der DFG-Forschungsgruppe „Ambiguität und Unterscheidung. Historisch-kulturelle Dynamiken“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Genge und Mitarbeit von Eva Liedtjens, das in der aktuellen Förderphase vor allem queere Perspektiven und ambige Zeitlichkeitskonzepte in der Gegenwartskunst der Türkei in den Fokus nimmt.

Aylime Aslı Demir wird die Zeit ihres Aufenthalts für die kuratorische Forschung zu queeren Praktiken des Archivierens und der Widerständigkeit nutzen. Neben dem Austausch mit der Forschungsgruppe “Ambiguität und Unterscheidung” wird Aylime Aslı Demir Kontakt  zu lokalen Initiativen und institutionalisierten Archiven aufnehmenund neue Formen der Vernetzung mit Akteur*innen queerer (medien-)künstlerischer und kuratorischer Projekte zwischen dem Ruhrgebiet und Ankara entwickeln.

Die Gespräche wurden moderiert von Julia Nitschke (atelier automatique).
Die Veranstaltungen fanden im atelier automatique in Bochum statt.


„Offenhalten – Ein Gespräch über künstlerische Residenzformate“ 
30.01.2024 // 19.00 Uhr // WerkStadt, Viktoriastraße 5, 45327 Essen

Das Institut für Kunst und Kunstwissenschaften der Universität Duisburg-Essen und PACT Zollverein laden ein zu einem Austausch über künstlerische Residenzformate. Gemeinsam mit der Medienkunstfellow und Leiterin des Ankara Queer Art Programmes Aylime Aslı Demir (Ankara, TR), Thomas Lehmen vom Kunsthaus Mitte (Oberhausen, DE) und Hanitra Wagner (Akademie der Künste der Welt Köln, Residency-Programme) sprechen wir über Möglichkeiten und Grenzen (internationaler) Residenzprogramme, ihre Besonderheiten und Entstehungsgeschichten. 
 
Wir laden interessierte Menschen in die WerkStadt ein, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. 

Aylime Aslı Demir ist Autorin, Kuratorin und Aktivistin. Demir hat öffentliche Verwaltung, Politikwissenschaft und Frauenforschung studiert. Seit 2010 arbeitet sie an redaktionellen und kuratorischen Projekten, die sich mit der Politik und Ästhetik der Zusammenführung unterschiedlicher Wissensformen und Praktiken befassen. Seit 2013 ist sie Koordinatorin des Programms für Akademische und Kulturelle Studien und Chefredakteurin von Kaos GL, dem wichtigsten Verband für schwule und lesbische Kulturforschung und Solidarität in der Türkei. Sie lehrte an der Universität Ankara Gender- und Frauenstudien und war Koordinatorin des Feministischen Forums, das prominente Feministinnen und LGBTI+-Aktivisten:innen aus aller Welt in Ankara versammelt. Außerdem ist Demir Jurymitglied des Women to Women Story Contest, der seit 2006 organisiert wird, um Autorinnen zu ermutigen, über ihre lesbisch-bisexuellen Geschichten zu schreiben.

Neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin ist Aylime Aslı Demir im Rahmen von Ausstellungen, Konferenzen und gemeinnütziger Arbeit aktiv. Zu ihren jüngsten Aktivitäten gehört die Kuration der Gruppenausstellung „Betwixt and Between“ im Jahr 2023 im Sanatorium in Istanbul. Im Jahr 2022 war sie Teilnehmerin der von SAHA geförderten Slavs and Tatars Residency. Aylime Aslı Demir kuratierte die Ausstellung „Unpredictable Times: Queering Politics in Turkey“ im MUCEM in Marseille im Jahr 2019. Sie nahm 2019 an der Young Curators Academy am Maxim Gorki Theater in Berlin teil. Weitere Projekte: „At least three fingers;“ still life lessons from a queer feminist activist, Badischer Kunstverein, Karlsruhe 2019; Dislocations in Queer Art, Kara Art Studio, Kocaeli, 2019; Read My World Literature Festival, Amsterdam, 2018; Vanishing Mediator, Evliyagil Museum, Ankara, 2018; Colony, Queering the Posthuman, Schwules Museum, Berlin, 2018; Colony, Queering the Posthuman, Abud Efendi Mansion, Istanbul.

Aylime Aslı Demir gründete 2019 die internationale Ankara Queer Art Residency in Ankara. Das Programm beherbergt bildende Künstler:innen aus der Türkei und dem Ausland und bietet ihnen acht Wochen lang Wohn- und Arbeitsraum, während es Produktions- und Forschungsprozesse unterstützt und fördert. Während dieser Zeit haben die Resident:innen die Möglichkeit, mit Künstler:innen, Aktivist:innen, Forscher:innen und Kurator:innen aus der Türkei zusammenzuarbeiten.

Credits: Fotos © Institut für Kunst und Kunstwissenschaften der Universität Duisburg-Essen

STIFTUNG IMAI | VIDEONALE E.V.: „Video Digest“

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STIFTUNG IMAI | VIDEONALE E.V.: „Video Digest“

Videonale E.v. Bonn | IMAI Inter Media Art Institutes

MedienkunstfondsFörderung

Laufzeit: Frühjahr – Dezember 2023


Video Digest
Ein Recherche- und Ausstellungsprojekt der
Videonale Bonn und des IMAI – Inter Media Art Institutes

Mit Video Digest präsentierten die Videonale Bonn und das IMAI – Inter Media Art Institute Düsseldorf ein Online-Videokunstmagazin und ein damit verbundenes Recherche- und Ausstellungsprojekt in der Moltkerei Werkstatt, Köln, das um die parallel stattfindende Programmreihe VIDEONALE.scope erweitert wurde.

Das Projekt Video Digest nahm mit einer besonderen Faszination für das Videomagazin Schauinsland von Video Congress einen Anfang, das sich im Archiv des IMAI – Inter Media Art Institutes befindet und dessen Ausgaben ab 1984 auch im Rahmen der Videonale gezeigt wurden. 1982 gründete sich Video Congress im Nachhall der documenta 7 als lose Verbindung von Videokünstler:innen in Kassel. Mit dem Wunsch, kollaborativ Themen zu bearbeiten, Infrastrukturen für die Produktion des noch jungen Mediums Video zu etablieren und gleichzeitig eine selbstbestimmte Distribution der Arbeiten zu initiieren, entwickelte die Gruppe ein jeweils mehrere Videobeiträge umfassendes Format auf VHS-Kassetten, das unabhängig zirkulieren, gezeigt und geteilt werden konnte. Dabei nahmen die Initiator:innen Impulse des wenige Jahre zuvor von Gábor and Vera Bódy entwickelten ersten Videokunstmagazins Infermental auf, das von 1980 bis 1991 mit wechselnden Herausgeber:innen und thematischen Setzungen zehn Ausgaben mit internationaler Videokunst ihrer Zeit publizierte. Während Schauinsland deutliche Verbindungen zu Jugend-, Punk- und New Wave-Kulturen aufbaute und die Beiträge miteinander zu einer Art Videocollage verbunden wurden, stärkte Infermental die Idee einer Enzyklopädie, die aktuelle Videoexperimente in ihrer Vielfalt abzubilden versuchte. Als drittes, im Rahmen des Projekts hinzugezogenes Videomagazin gelang es dem ein Jahrzehnt später operierenden Zapp Magazine mit Sitz in Amsterdam und „Zweigstellen“ in New York, Paris, London, Kopenhagen schließlich, das Format Videomagazin als ein unabhängiges Organ der Kunstkritik und Dokumentation noch einmal neu zu denken.

So dokumentierten die von 1993 bis 1999 herausgegebenen Editionen neben Videokunst insbesondere Mitschnitte von Eröffnungen, Vorträgen oder Performances, die in ihrer unaufgeregten DIY-Ästhetik ein vielstimmiges Bild der internationalen Kunstszene transportierten.



All ihrer strukturellen und formalen Unterschiede zum Trotz verbindet die genannten Videomagazine ein besonderes politisches Bewusstsein, das sich in den Themen ebenso wie in der (Selbst-)Organisation und Distribution der Werke niederschlägt. So überschrieb Video Congress ihre erste Ausgabe mit der Devise: „Für eine aktive Art Video“ und auch die Herausgeber:innen von Infermental setzten mit der Thematisierung des schwelenden Ost-West-Konflikts dezidiert politische Akzente.

Das von Videonale und IMAI – Inter Media Art Institute initiierte Online-Magazin Video Digest greifte diese Impulse auf und untersuchte anhand einer Reihe dialogisch präsentierter aktueller Arbeiten das widerständige Potential von Bewegtbild in unterschiedlichen Kommunikationskanälen aus gegenwärtiger Perspektive. Die in diesem Kontext neu entstandenen Videoarbeiten, Performances und Zines von Becket MWN, Ayesha Hameed, Ji Su Kang-Gatto, Rrangwane und Leyla Yenirce (in Zusammenarbeit mit Mazlum Nergiz) greifen dabei diverse Sprachen und Strategien des Protests, der Mobilisierung, aber auch der Resignation auf und reflektieren ein von video on demand, smart TV, YouTube/ Youku, TikTok und Instagram geprägtes Video-Habitat der Gegenwart.

Neben der Präsentation dieser Neuproduktionen zeigte die Ausstellung Video Digest die von FRIGO (Gérard Couty, Mike Hentz, Christian Vanderborght) editierte vierte Ausgabe von Infermental mit 102 Beiträgen, die Ausgabe eins von Schauinsland mit dem Titel Erotik und Beiträgen von Gruppe A & A, Fun & Art sowie Norbert Meissner und die Ausgabe sechs des von Corinne Groot, Jack Jaeger, Arnold Mosselman und Rob van de Ven produzierten Zapp Magazines in einer Ausstellungsarchitektur von Lennart Wolff. Die Ausstellung wurde um Performances, Lesungen und Screenings erweitert.

Kurator:innen: Miriam Hausner, Nele Kaczmarek, Tasja Langenbach
Konzept: Tasja Langenbach, Linnea Semmerling

Alle Werke waren zusammen mit Ausgaben der historischen Videomagazine InfermentalVideo Congress und Zapp Magazine in einer Ausstellung in der Moltkerei Köln vom 25.11.-10.12.2023 zu sehen.

Die Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute widmet sich der Archivierung, der Distribution, dem Erhalt und der Vermittlung zeitbasierter Medienkunst. Das 2006 in Düsseldorf gegründete Institut verfügt seit 2021 über einen eigenen Videokunstkanal, IMAI Play. Dieser setzt auf eine partizipative Präsentation der Videos aus dem IMAI-Archiv und lädt die Nutzer*innen dazu ein, eigene Videoprogramme zusammenzustellen, diese zu teilen und andere zu kommentieren.

Der Videonale e. V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn, der 1984 gegründet wurde, um der damals noch jungen internationalen Videokunst eine erste Plattform in Deutschland zu bieten – die Videonale Bonn ist damit eines der ältesten Festivals für Videokunst weltweit. Seitdem widmet sich der Verein der Vermittlung von zeitgenössischer Videokunst in all ihren Facetten und wendet sich damit an ein sowohl regionales als auch nationales und internationales Publikum. Der Verein realisiert alle zwei Jahre die VIDEONALE – Festival fü r Video und zeitbasierte Kunstformen mit einer Ausstellungspräsentation und einem umfangreichen Festivalprogramm. Seit 2010 verfügt die VIDEONALE über Online-Videoarchiv mit über 200 Einträgen.

Credits:  Installationsansicht, VIDEO DIGEST, 2023, Moltkerei Werkstatt, Köln, Foto: Palazzo Photography

Theater im Depot | Kiran Kumār & Matthias Härtig: „(RE)IMAG(IN)ING THE DIGITAL DOCUMENT OF DANCE“

Workshop Kiran Kumar 6 Foto Bernhard Siebert
Workshop Kiran Kumar 5 Foto Bernhard Siebert
Workshop Kiran Kumar 4 Foto Bernhard Siebert
Workshop Kiran Kumar 3 Foto Bernhard Siebert

Theater im Depot | Kiran Kumār & Matthias Härtig: „(RE)IMAG(IN)ING THE DIGITAL DOCUMENT OF DANCE“

FELLOW: Kiran KumāR, Matthias Härtig

MedienkunstfellowsFörderung

Laufzeit: September bis November 2023


Forschungsprojekt des Theater im Depot geht es nicht um die
Dokumentation einer Abfolge von Tanzschritten, sondern um das
Erfassen des Tanzes als universelle Bewegungsform mithilfe von
Computerprogrammierung. Nach fünf Jahren Feldforschung lässt
der Choreograf Kiraņ Kumār eine Fülle an archivarischen, archäologischen,
ethnografischen und choreografischen Materialien aus
Indien und Indonesien in dieses Experiment einfließen. Diese Materialien
werden mittels einer computerbasierten Angleichungsmethode
zu einer Art digitalen Essenz des Tanzes verarbeitet. So
soll eine bereinigte, körperlose Bewegung zum Vorschein kommen –
ein ‚Tanz der Pixel‘. Als alternatives digitales Tanzdokument entsteht
eine durchgehende Wolke aus sich bewegenden Pixeln. Diese
in Relation zum tanzenden Körper erzeugte Partikelwolke kommt
einer Visualisierung des yogischen Konzepts eines feinstofflichen
Körpers nahe, das die Grundlage der indischen somatischen Praxis
des Yoga bildet.

Der interdisziplinäre Künstler Kiraņ Kumār und der Software-Ingenieur Matthias Härtig arbeiten im Rahmen ihres Fellowships an hybriden computergestützten choreografischen Ansätzen zur digitalen Visualisierung des tanzenden Körpers. Auf der perspektivischen Ebene der „Somatik der Digitalität“ steht ihre Arbeit im Dialog mit dem yogisch-tantrischen Konzept eines „subtilen Körpers“, einem Ort der energetischen Verflechtung zwischen menschlicher Verkörperung und planetarischer Umwelt, und entwirft Skizzen für eine ökospirituelle Digitalität.

Kiraņ Kumār ist ein interdisziplinärer Künstler, Forscher
und Autor. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Entschlüsselung
des menschlichen Körper-Geistes durch
eine dreifache Praxis des Tanzes als Kunst, Wissenschaft
und Ritual – daraus resultieren Vorschläge, wie dieses
Verständnis unsere heutige Welt bereichern kann. In Kumārs
Werken treten diese transdisziplinären Untersuchungen
durch Performance, Text, Video, Installation und
Archivierung als Publikationsformen in einen Dialog mit
drängenden persönlichen und globalen Problemen.

Matthias Härtig ist Programmierer für künstlerisch
interaktive visuelle Anwendungen, Real-Time Visual
Environments und Bühnenprojekte – speziell für die
Bereiche Tanz, Theater, Musik und Computerkunst.
Er ist Initiator der Arbeitsgemeinschaft DS-X.org und
Gründungsmitglied der Trans-Media-Akademie
Hellerau (TMA).

Workshop Expanding Inscriptions: somatic/graphic/choreographic/computational mit Kiraṇ Kumār

Dieser Workshop war eine zweitägige gemeinsame Erkundung unter der Leitung des Künstlers Kiraṇ Kumār. Er hat die fortlaufende gemeinsame choreografisch-computerbasierte Forschung zwischen Kiraṇ Kumār und dem Programmierer Matthias Härtig vorgestellt. Im ersten Teil wurden den Teilnehmer:innen ein somatisch-körperlicher Zugang zu geometrischer Zeichnung und Tanz vermittelt. Diese Praktiken leiten sich ab von den Hatha-Yoga-Techniken āsana (Körperhaltung) und prāṇāyāma (Atemmodulation) ebenso wie von kōlam-Zeichnungen in tamilischer Tradition. Darauf aufbauend wurden die choreographisch/computerbasierten Komponenten Prinzipien des Tempel-Tanzes aus ganz Indien und Indonesien erschlossen, die durch meditative Visualisierung hervorgehoben wurden. In diesem Prozess wurden die Teilnehmenden durch die Live-Generierung und Modulation digitaler Partikel durch Motion-Capturing unterstützt.
Der Workshop Expanding Inscriptions: somatic/graphic/choreographic/computational folgte einem offenen und partizipativen Ansatz zwischen Ritual, spirituellen und digitalen Elementen der Tanzpraxis.
Er bot eine Einführung in Kiraṇ Kumārs transdisziplinäre Praxis an der Schnittstelle von Tanz, bildender Kunst, neuen Medien und Schreiben. Durch Kumārs Auffassung von Wörtern, Bildern, Bewegungen, Klängen, Atem und Pixeln als plurale Modi der „Einschreibung“ rekonfiguriert sich Choreo-Graphie hier als eine Folge von tiefen Einschreibungen („Inscriptions“) in verschiedene Lebensräume: psycho-physische, soziopolitische, künstlerische, wissenschaftliche, philosophische, technologische Räume. 

Der Workshop fand am 19. + 20.11.2023 im Theater im Depot in Dortmund statt.

Das 2001 gegründete Theater im Depot in der Dortmunder Nordstadt, seit 2022 unter der künstlerischen Leitung von Jens Heitjohann, wurde als Produktions- und Spielstätte aus der Dortmunder freien Szene sowie durch das
FAVORITEN Festival bekannt. Mittlerweile liegt der Fokus auf überregionalen und internationalen Arbeiten aus dem Bereich der Performing Arts. Ein neues Tätigkeitsfeld besteht in der Etablierung einer Bühne für digitale und hybride Theaterformate (als Teil des Entwicklungsprojekts Digitale Kulturstadt Dortmund).

In der Folge des Podcasts behind the screens – behind the scenes spricht die Journalistin Sophie Emilie Beha mit Kiraņ Kumār, Matthias Härtig und Theaterleitung Jens Heitjohann über ihre Erfahrungen aus dem Projekt, welches das Erfassen von Tanz als universelle Bewegungsform erforscht. Dabei behilflich ist eine eigens programmierte digitale Capturingmethode, die eine Art digitale Essenz des Tanzes erstellt. In fünf Jahren Feldforschung hat Kiraņ Kumār eine Fülle an archivarischen, archäologischen, ethnografischen und choreografischen Materialien aus Indien und Indonesien in dieses Experiment einfließen lassen und damit einen Dialog mit der yogisch-tantrischen Praxis erzeugt. In einem abschließenden Workshop wurde Teilnehmenden eine transdisziplinäre Praxis an der Schnittstelle von Tanz, bildender Kunst und neuen Medien nähergebracht.

Credits: Fotos Workshop: © Bernhard Siebert | Portrait Kiraņ Kumār: © Ulf Langheinrich

Studio Trafique | WEHR51: „FULLDEMO.CRACY“

FULLDEMO.cracy_Bild Tobias Weikamp

Studio Trafique | WEHR51: „FULLDEMO.CRACY“

STUDIO TRAFIQUE (SIR GABRIEL DELLMANN E.V.) | WEHR51 E.V.

MedienkunstfondsFörderung

Laufzeit: Oktober 2022 bis Dezember 2023

FULLDEMO.cracy ist ein realitätsnahes Live-Theater-Game mit Escape Room-Charakter.

Das Multiplayer live Setting lässt die Zuschauer*innen zu Akteur*innen der Geschichte werden und die Errungenschaften und Herausforderungen von demokratischen Prozessen hautnah erleben. Das Geschehen dreht sich um die grundsätzlichen Fragen: In welcher Form der Demokratie wollen wir leben und wie können wir diese aktiv gestalten?

STORY

2023. Eine bislang unbekannte Gruppierung hat mehrere Parlamentsgebäude der Stadt besetzt. Bislang ist nicht vollständig geklärt, welche Absichten die Täter*innen verfolgen. Für die folgenden Stunden wurden Live- Streams angekündigt, in denen Politik und Bevölkerung weitere Informationen erhalten sollen. Bis geklärt ist, ob die Täter:innen bewaffnet sind und welche Ziele sie verfolgen, halten sich Sondereinsatzkommandos und Antiterroreinheiten bereit. Auf einen Eingriff wird jedoch vorerst verzichtet, um eine Eskalation zu verhindern.
Im Netz überschlagen sich die Spekulationen: Wer sind diese selbsternannten “Demokrat*innen”? Handelt es sich um einen Angriff auf den Status Quo oder um eine notwendige Revolution von Politik und Gesellschaft? Und wer sind die Köpfe hinter dieser vermeintlich dezentralen Bewegung?
“Herzlich Willkommen, Spielerin. Wir benötigen Deine Hilfe. Bedenke bei all Deinen Entscheidungen: Die Zukunft der Menschheit könnte von Dir abhängen. Die Zeit läuft ab jetzt.”

HINTERGRUND Krude Verschwörungstheorien und ein weltweiter Rechtsruck halten sich gegenseitig die Steigbügel. “Volksstürme” auf Parlamente demokratisch organisierter Rechtsstaaten sind nicht nur in Brasilien, den USA und Deutschland eine beängstigende “Modeerscheinung”. Auf diese bedrohlichen Szenarien reagieren Trafique mit einem künstlerischen Echoraum, der interdisziplinär gestaltet wird: Die Inszenierung von FULLDEMO.cracy wird in einem Team von Künstler*innen, Mediengestalter:innen und Programmierer*innen entwickelt, um den performativen Gestaltungsraum um neueste digitale und narrative Methoden zu erweitern.

FORM Die Spieler*innen werden in zwei Teams eingeteilt, die räumlich getrennt mit- und gegeneinander agieren. Begleitet werden sie von zwei Schauspieler*innen, die einerseits Storytelling-Elemente beisteuern, andererseits als Spielleiter*innen den Spielablauf kontrollieren können.
Über einen lokalen Server haben die Spielenden Zugang zu der eigens für das Stück erstellten Weboberfläche, welche ein zentraler Handlungsort des Live-Game-Theaters wird. Filmische Beiträge, wie auch schauspielerische Interaktionen ergänzen und beeinflussen die performative Handlung. Licht / Sound und veschiedene interaktive Elemenet im Raum (z.B. Buttons und Motoren) reagieren vorprogrammiert direkt auf das Gameplay und somit auf die Handlunge der Spielenden.

Die Premiere war am 6. Dezember 2023.

6., 7., 8. und 9. März 2024 | 20 Uhr
ORT: Studio Trafique, Merheimer Straße 2

Studio Trafique – Institut zur Gestaltung theatraler Zukunftsvisionen ist ein 2021 gegründetes Theater in Köln, das zeitgenössische Ästhetiken in den Fokus setzt. Im Zentrum steht die Entwicklung neuer Theaterformen durch die Kombination bekannter theatraler Ästhetiken mit filmischen und digitalen Technologien. Betrieben wird das Studio Trafique vom Ensemble Trafique mit dem künstlerischen Leitungsteam bestehend aus Anna Marienfeld und Björn Gabriel.
Für ihre Initative in der Digitalisierung der Darstellenden Künste wird das Studio Trafique 2022 mit dem Kölner Kulturpreis für Junge Initiativen ausgezeichnet.
In den letzten zehn Jahren haben sie dazu ein vielfältiges Programm verschiedenster Produktionen geschaffen und sich kontinuierlich weiterentwickelt – stets auf der Suche nach entsprechenden Erscheinungsformen zu ihren zeitgenössischen Inhalten. Hierbei überwinden sie vordergründige Genregrenzen.

Mit digitalen und filmischen Elementen erweitern sie herkömmliche Darstellungs- und Wirkungsräume der performativen Künste. So hat Trafique seit Beginn der Pandemie das zukunftsweisende Format des hybriden Live-Film-Theaters entwickelt, bei dem der Live-Charakter der Inszenierung stets im Vordergrund steht: Mit einer Live-Regie, Live-Videoschnitt sowie Live-Sound Engineering, verweisen alle Mittel stets auf den theatralen Anlass und kreieren so immer neue Erlebnisse für die Zuschauerschaft.

Schwerpunkt von WEHR51 (unter der künstlerischen Leitung von Andrea Bleikamp und Rosi Ulrich) ist die Umsetzung eigener Konzepte und Theatertexte, die sich aktuellen und gesellschaftspolitisch relevanten Themen widmen. Einher geht die Suche nach neuen dramaturgischen Ansätzen, die an außergewöhnliche Aufführungsorte führen und immersive Kunstformen beinhalten. In der künstlerischen Auseinandersetzung bestimmt der Inhalt die Form. Ausgangsidee und Thema geben den dramaturgischen Ansatz vor, bei dem die Tools Schauspiel, Tanz, Musik, Video u.a. gleichwertig kombiniert und erweitert werden. So entsteht ein vielfältiger Spielplan aus ‚hybriden’ Inszenierungen.

WEHR51 versteht das Publikum als Teil der Inszenierung. Dabei geht es nicht darum, das Publikum zum Mitmachen zu zwingen oder es zu belehren, sondern es gilt den Menschen sinnlich zu erwärmen, die Themen zu hinterfragen und neu zu denken.

Unterstützt wird das Projekt auch vom Kulturamt der Stadt Köln, dem NRW Kultursekretariat Wuppertal und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.

Credits: Bild ©Tobias Weikamp

Rautenstrauch-Joest-Museum | Kunsthochschule für Medien Köln (KHM): „Leaky Archive“

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courtesy of the rautenstrauch joest museum _23824_1
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Rautenstrauch-Joest-Museum | Kunsthochschule für Medien Köln (KHM): „Leaky Archive“

Rautenstrauch-Joest-Museum | Kunsthochschule für Medien Köln

MedienkunstfondsFörderung

Laufzeit: Frühjahr 2022 bis November 2023

Das Projekt Leaky Archive untersucht, wie koloniale Archive und Sammlungen in postkolonialen Zeiten weiterentwickelt werden können. Ausgehend von der Free / Libre-Open-Source-Philosophie, schaffen die Teams des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) und der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) in Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Institutionen, Kolleg*innen und der Öffentlichkeit ein neuartiges Archiv – lebendig, multiperspektivisch und mehrstimmig. Als Teil dieses Archivprojekts werden digitale Fellowships ins Leben gerufen, die sich auf die grundlegenden Perspektiven der Online-Zusammenarbeit, des Wissensaustausches und der dezentralen Infrastruktur konzentrieren. Das Projekt zielt nicht darauf ab, analoge Ideen in den digitalen Raum zu übertragen, sondern die Sammlungen des RJM, die Konsequenzen ihrer Digitalisierung, die Möglichkeiten ihrer Vermittlung und ihre radikale Demokratisierung durch die Erstellung von Leitfäden digital zu überdenken. Die Ausschreibungen der Fellowships richten sich an Künstler*innen, Aktivist*innen, Macher*innen, Fachleute oder Kollektive aus dem Globalen Süden. In jeder Runde erforschen vier Stipendiat*innen drei Monate lang eine eigene Idee. In digitalen öffentlichen Rundgängen sowie Lecture Performances gewähren sie Einblicke in ihre Forschungsergebnisse.

Wie können koloniale Archive und Sammlungen mithilfe digitaler Technologien kritisch erschlossen und reflektiert werden? Dieser Frage widmet sich ein digitales Stipendiat*innenprogramm, bei dem es beispielsweise um die Frage geht, wie sich digitalisierte Sammlungsbestände neuartig vermitteln lassen.

Hier geht es zum digitalen Leaky Archive

Die Ausstellungseröffnung fand am 6. September 2023 im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln statt.

In der Podcast-Folge spricht Sophie Emilie Beha mit der Kuratorin Agustina Andreoletti über das Projekt Leaky Archive.

Das 1901 im Kölner Süden gegründete Haus wurde im Jahr 2010 als Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt in einem Neubau im Zentrum der Stadt wiedereröffnet. Dort werden etwa 70.000 Alltags- und Ritualobjekte und rund 100.000 historische Fotografien aus Ozeanien, Asien, Afrika und den Amerikas verwahrt. Ausgehend von diesem vorwiegend historischen Sammlungsbestand, werden unterschiedliche Perspektiven auf das gemeinsam geteilte kulturelle Erbe geöffnet, mit vielfältigen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Bedeutungsebenen.

Die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) wurde 1989 gegründet und 1990 in Köln eröffnet. Heute ist die KHM erfolgreicher Teil der deutschen Kunst- und Filmhochschullandschaft. Sie vertritt einen projektorientierten Ansatz und fördert gezielt die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit unterschiedlichen künstlerischen Feldern (u. a. Fotografie, Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilm, Video- und Lichtkunst, Kamera und Bildgestaltung, experimentelle Informatik, bis hin zu Theorie, Ästhetik und Geschichte der Maschinen, der Künste und der Medien).

Credits: Bilder Depot: © Rautenstrauch-Joest-Museum | Fotos Edit-a-thon: @ Dörthe Boxberg

FFT DÜSSELDORF | HOCHSCHULE DÜSSELDORF: „RE-IMAGINING PUBLIC LIFE“

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FFT DÜSSELDORF | HOCHSCHULE DÜSSELDORF: „RE-IMAGINING PUBLIC LIFE“

FFT DÜSSELDORF | HOCHSCHULE DÜSSELDORF

MedienkunstfondsFörderung

Laufzeit: Juni 2022 bis Juni 2023

Interventionen an Schnittstellen städtischer und digitaler Öffentlichkeiten, Erkundungen im Düsseldorfer Stadtraum.

Der Philosoph und Soziologe Henri Lefebvre hat 1968 das „Recht auf Stadt“ eingefordert. Die Hochschule Düsseldorf und das FFT Düsseldorf (Forum Freies Theater) betrieben in ebendiesem Sinne Feldforschung. Im Projekt Re-Imagining Public Life setzten sie sich forschend und künstlerisch mit der städtischen Umgebung auseinander.

Die Städte sind im Wandel und mit ihnen die Öffentlichkeit. Bauprojekte wie das Areal Kö-Bogen II in der Düsseldorfer Innenstadt mit dem sogenannten Ingenhoven-Tal und der Neugestaltung des Gustaf-Gründgens-Platzes versprechen eine nachhaltige ,Reparatur‘ der Stadtlandschaft und des urbanen Lebens. Doch welche Formen von Öffentlichkeit finden hier statt? Welche Rolle spielen Privatisierung, Investment, Stadtmarketing und Design? Was passiert mit dem Verkehr und was ist eigentlich ,grüne Architektur‘? Für die Hochschule Düsseldorf und das FFT Düsseldorf wurde das Ingenhoven-Tal zum Experimentierfeld für spielerische Formate. In Workshops, einer Ausstellung im Foyer des FFT, einem performativen Stadtspaziergang und einem Tischgespräch erforschten sie aktuelle Tendenzen der Stadtentwicklung und befragten die Erzählungen, die die städtebaulichen Eingriffe und Planungen begleiten. Dabei folgten sie eben nicht der (unbewussten) Logik der Optimierung, sondern re-imaginierten Formen eines anderen Zusammenlebens. Mit der Eröffnung einer Unbedingten Universität unter freiem Himmel oder beim Stadtspaziergang Sichtgrün – Die steinernen Täler und grünen Hügel der Stadt mit dem Performer Hauke Heumann, dem Fotografen Jan Lemitz und dem Dramaturgen Moritz Hannemann intervenierten sie in den alltäglichen 38 Strukturen der Lebens- und Arbeitswelt – spielerisch, spekulativ, reforschend, performativ, auch im Sinne eines cultural hackings, also
affirmativ-kritisch, eingreifend und verändernd zugleich.

PROJEKTBETEILIGTE:
Moritz Hannemann, Hauke Heumann, Jan Lemitz, Janna Lichter, Marcel Mücke, Laura Oldörp, Lukas Röber, Anja Vormann und Studierende der HSD Düsseldorf; sowie Kai van Eikels, Alexander Konrad und Wen Wu im Rahmen von Workshops und Klaus Englert, Sebastian Kirsch, Dagmar Pelger, Christoph Schäfer und Laura Strack im Rahmen des Tischgesprächs

RE-IMAGINING PUBLIC LIFE
Werkstatt, Ausstellung, Stadtspaziergang, Tischgespräch

30.05. – 04.06.2023


Paradise– Park–, der Ü-Wagen der Hochschule Düsseldorf (HSD), und das FFT laden zu Erkundungen im Düsseldorfer Stadtraum ein. Mit dem Umbau der Stadt verändern sich auch die Formen der Öffentlichkeit auf Plätzen und an öffentlichen Orten. Ausgehend vom Areal Kö-Bogen II erforscht Re-Imagining Public Life Zusammenhänge von Privatisierung und Investment, Stadtmarketing und Design, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung.
Anja Vormann und Studierende der HSD eröffnen eine Unbedingte Universität unter freiem Himmel. Dabei wird das „Ingenhoven-Tal“ zum Experimentierfeld, auf dem Besucher*innen und Passant*innen lernen und forschen können – im eigenen Rhythmus und in Auseinandersetzung mit der Umgebung. Hauke Heumann und Jan Lemitz gestalten einen performativen Spaziergang Zu den steinernen Tälern und grünen Hügeln der Stadt, der Bilder und Texte mit Orten im Stadtraum konfrontiert. So werden Brüche in der aktuellen Stadtentwicklung und historische Projektionen erfahrbar. Das FFT-Foyer wird Werkstatt und Ausstellungsraum zugleich: Von hier brechen wir in den Stadtraum auf, hier versammeln wir Projektergebnisse und diskutieren die Transformation von Stadt und Öffentlichkeit bei einem Tischgespräch.
Von und mit Hauke Heumann, Jan Lemitz, Anja Vormann & Studierenden der HSD Düsseldorf


DIE UNBEDINGTE UNIVERSITÄT – TRYOUTS

Die unbedingte Universität begann täglich (30.5. – 2.6.) um 11 Uhr mit einem einstündigen Workshop im FFT. Nach einer Mittagspause wurden die erlernten Techniken von etwa 14 bis 16 Uhr im Ingenhoven-Tal angewendet. Die Ergebnisse dieser Versuche wurden in eine Ausstellung überführt, die im Zeitraum 2. – 4.6. im FFT-Foyer zu sehen war.
Weitere Infos zum Programm der Unbedingten Universität gibt es hier

Die unbedingte Universität hat ihren Ort nicht zwangsläufig, nicht ausschließlich innerhalb der Mauern dessen, was man heute Universität nennt. Sie wird nicht notwendig, nicht ausschließlich, nicht exemplarisch durch die Gestalt des Professors vertreten. Sie findet statt, sie sucht ihre Stätte, wo immer diese Unbedingtheit sich ankündigen mag. – Jacques Derrida, Die unbedingte Universität
Anja Vormann und Studierende des Fachbereichs Design der Hochschule Düsseldorf experimentieren zwischen FFT und Stadtraum mit den Grundfesten ihrer eigenen Disziplin. Im Zusammenhang mit der Forderung nach einem „Recht auf Stadt“ (Henri Lefebvre), bei der die Stadtgesellschaft Transformator des urbanen Lebens sein sollte, wird die Rolle des Designs kritisch betrachtet und untersucht. Wie können Designer*innen mit den ihnen zur Ver­fügung stehenden künstlerischen Mitteln, ihrem Wissen und ihrer Erfahrung Dinge tun, die nicht der (unbewussten) Logik von Optimierung und Konsum folgen?
Mit dieser Frage gehen wir nach draußen: Unter freiem Himmel betreiben wir Feldforschung und setzen uns mit der städtischen Umgebung auseinander, die wir vorfinden und an deren Hervorbringung wir beteiligt sind. Das sogenannte Ingenhoven-Tal und der neugestaltete Gustaf-Gründgens-Platz werden zum Experimentierfeld für spielerische Formate, die sowohl Werk als auch Lehre sind. Besucher*innen sind eingeladen, an unseren Kursen teilzunehmen und die rhetorische Kraft von Text-, Bild- und Raumgestaltung im Verhältnis zum Stadtraum zu erfahren.


Sichtgrün
Zu den steinernen Tälern und grünen Hügeln der Stadt

Stadtspaziergang

Das 20. Jahrhundert baute mit Sichtbeton, das 21. Jahrhundert baut Sichtgrün. In der Düsseldorfer Innenstadt befindet sich die größte Grünfassade Europas: Auf dem Areal Kö-Bogen II, zwischen Shadowstraße, Hofgarten und Schauspielhaus, befindet sich ein Geschäfts- und Bürogebäude, dessen Dach und Seiten mit ca. 30.000 Hainbuchen bepflanzt sind. Auf einheitliche 1,35 Meter gestutzt bilden sie eine Hecke von insgesamt rund 8 Kilometern Länge. Diese Architektur wird als Vorbote einer Tendenz des Stadtumbaus gefeiert, die Klaus Englert in seinem kürzlich erschienenen „Architekturführer Düsseldorf“ auf die Formel „von der barocken Gartenstadt zur Green City“ bringt.
Die Green City der Zukunft ist alles andere als autofrei – der Verkehr wurde neugeordnet, durch Tunnel geführt und ist nun unsichtbar. Stattdessen soll die weitgehend verrohrte und überbaute Düssel vielerorts wieder freigelegt werden, sodass ein blaugrüner Ring aus Wasserläufen und Parkflächen entsteht, der nebenbei die kulturellen Hotspots der Stadt verbindet. Im Rekurs auf das historische Stadtbild werden die ‚Bausünden‘ der Nachkriegszeit, mitunter als „zweite Zerstörung Düsseldorfs“ tituliert, ausgebügelt. Und mit der Neugestaltung des Gustaf-Gründgens-Platzes wurde ein unwirtlicher Durchgangsort in einen attraktiven öffentlichen Platz verwandelt. Die Stadt, so das Versprechen, wird repariert und den Bürger*innen zurückgegeben – als ein Lebensraum, der die Bedürfnisse von Mensch und Natur, Kultur und Shopping, Klima und Urbanität ganzheitlich und nachhaltig miteinander verbindet. Wie stimmig sind diese Narrationen, die die städtebaulichen Eingriffe und Planungen begleiten? Während beim Sichtbeton auf die Verkleidung der tragenden Konstruktion verzichtet wird, verdeckt das Sichtgrün nicht nur die verbauten Betonmassen, sondern auch die Eigentums- und Arbeitsverhältnisse, die die neu entstandene Stadtlandschaft prägen.
Der Schauspieler und Performer Hauke Heumann sowie der Fotograf und Künstler Jan Lemitz haben einen Stadtspaziergang entwickelt, bei dem Texte und Bilder mit konkreten Orten im Stadtraum konfrontiert werden. Auf dem Weg zu den steinernen Tälern und grünen Hügel der Stadt werden historische Projektionen erfahrbar und Fragen an die aktuelle Stadtentwicklung laut. Welchen Platz hat die Stadtbevölkerung angesichts eines Baugeschehens zwischen Naturnachahmung und Investment? Und welche Formen öffentlichen Lebens können in diesem Stadtraum stattfinden?

Von und mit: Moritz Hannemann, Hauke Heumann, Jan Lemitz. Audioaufnahmen: Simon Nieder. Gestaltung Faltblatt: Marian Fitz. Dank: Theatermuseum Düsseldorf / Dumont-Lindemann-Archiv, Katrin von Chamier / human voice studio.

Die Spaziergänge fanden im Juli und September 2023 statt.

In der Podcast-Folge spricht Sophie Emilie Beha  mit den Projektbeteiligten Anja und Moritz sowie Design-Studierende der Hochschule Düsseldorf, wie sie sich dieser Form der Stadtgestaltung in Spaziergängen und Workshops kritisch, spielerisch und experimentell angenähert haben.

Das FFT Düsseldorf (Forum Freies Theater) ist ein Produktionshaus für freie darstellende Künste, das in einem Netzwerk aus Produktionsstätten, Theatern und weiteren Partner*innen lokal, (über)regional und international agiert. Neben Theater, Performance, Tanz und Musik präsentiert es auch Formate an den Übergängen zwischen verschiedenen künstlerischen Disziplinen und Medien. Dabei stellt es Künstler*innen nicht nur Produktionsmöglichkeiten und eine
Bühne zur Verfügung, sondern erforscht neue Ideen und Räume des öffentlichen Austauschs und der Kooperation. Im Fokus stehen dabei die Themenfelder Demokratisierung, urbanes Leben und Handeln, Postkolonialismus und Transkulturalität sowie Vernetzung und Digitalität. Das FFT ist Teil des Bündnisses internationaler Produktionshäuser.

Paradise–Park– ist der Ü-Wagen des Fachbereichs Design der Hochschule Düsseldorf. Er geht der Frage nach, wie wir in Zukunft gemeinsam in den Städten leben möchten. Designer*innen sind Produzent*innen von Atmosphären, Lebensräumen und Wünschen, dabei häufig unter der Regie
marktförmiger Strategien. Paradise–Park– arbeitet gegenläufig: Mittels künstlerischer Interventionen werden Entwürfe und Räume dekonstruiert, um ihre Wirkungsabsichten und Funktionen freizulegen. Als mobiles Stadtlabor versteht sich Paradise–Park– als Instrument der Partizipation, das Bürger*innen Gestaltungsmedien verstehen und Stadt aktiv mitgestalten lässt. Design erweitert sich in den Bereich der Kritik, der Vermittlung sowie der Produktion alternativer Stadtentwürfe. Paradise–Park– sind Anja Vormann als Professorin des Fachgebiets audiovisuelle Medien sowie die Mitarbeiter*innen Janna Lichter, Laura Oldörp und Patrick Kruse.

Credits: Fotos Stadtspaziergang @ Jan Lemitz & @ PLZZO

PACT Zollverein Essen | Marco Donnarumma: I AM YOUR BODY

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Screening AM YOUR BODY_von Marco Donnarumma_bei PACT Zollverein in Essen_(C)Dirk Rose_Auswahl
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PACT Zollverein Essen | Marco Donnarumma: I AM YOUR BODY

FELLOW: Marco Donnarumma

MedienkunstfellowsFörderung

Was bedeutet Klang für Menschen, die ihn nicht hören? Wie hört man etwas, das man nicht hören kann? Im Projekt I AM YOUR BODY beschäftigte sich Marco Donnarumma bei PACT Zollverein künstlerisch und wissenschaftlich mit der Beziehung zwischen Klang, KI und dem Wissen, das in gehörlosen und schwerhörigen Körpern verankert ist.

Elektromechanische Wandler liegen auf dem Tisch, Muskelsensoren, die Körperliches – Bewegungen, Herzklopfen, das Blut, das durch die Venen fließt – hörbar und spürbar machen. Marco Donnarumma entwickelt Musikinstrumente, durch die der Sound des Körpers wahrnehmbar wird. Dafür arbeitete er mit KI-Robotik und neuen Interfaces für den musikalischen Ausdruck. Mit diesen Instrumenten konnte die fünfköpfige Forschungsgruppe im Rahmen des Projekts I AM YOUR BODY experimentieren. Es handelte sich dabei um Menschen, die von Geburt an gehörlos oder schwerhörig sind oder mit einem Cochlea-Implantat leben, von der 15-jährigen Jugendlichen bis zum 57-jährigen Elektromechaniker. Mit dieser sehr heterogenen Gruppe ging Marco Donnarumma der Frage nach, was Klang bedeutet und wie Sound durch gehörlose und schwerhörige Körper wahrgenommen wird. Das Projekt zielte darauf ab, das Verständnis von Klang über die Grenzen des normativen Hörens hinaus zu erweitern und die Interdependenz körperlicher Erfahrungen zu feiern. Donnarumma ist selbst schwerhörig; 2014 bekam er die Diagnose eines genetisch bedingten, beidseitigen degenerativen Hörverlusts. Über ihre Erfahrungen tauschten sich die Teilnehmer*innen bei digitalen Treffen und in den Workshops aus. Deutlich wurde hier, „wie wichtig für gehörlose und schwerhörige Menschen ein physischer und geistiger Raum zum ungestörten Austausch von Gedanken, Bedenken und Fragen zu unseren körperlichen Erfahrungen ist“, so Marco Donnarumma. Gesprochen wurde darüber, was Klang alles sein kann – auch Vibration oder Licht. Mit Lichtfiltern konnte – basierend auf der individuellen Hörkurve – visualisiert werden, was jeder Teilnehmer*in hört und was nicht. Die Recherche ist Inspiration für Donnarummas Soloperformance, die im September 2023 bei PACT Zollverein uraufgeführt wird. Ein Begleitprogramm mit Ausstellung, Videoinstallation, Vorträgen und Gruppendiskussion wird die Performance ergänzen und den kreativen Arbeitsprozess nachvollziehbar machen. Aufbauend auf feministischer Theorie und Critical Disability Studies, will dieses Projekt somit einen Dialog zwischen Bewegungsforschung, interaktiver Musik und Mensch-Computer-Interaktion fördern.

Marco Donnarumma (DE / IT) ist Künstler, Performer, Regisseur und Wissenschaftler und verwebt in seiner Arbeit seit Anfang der 2000er-Jahre Performance, Medienkunst und interaktive Computermusik miteinander. Er manipuliert Körper, kreiert Choreografien, entwickelt Maschinen, komponiert Klänge und verbindet so Disziplinen, Medien und neue Technologien zu einer eigenwilligen, sinnlichen und kompromisslosen Ästhetik. Donnarumma ist international bekannt für seine Solo-Performances, Bühnenproduktionen und Installationen, die sich über Genres hinwegsetzen und in denen der Körper zu einer sich wandelnden Sprache wird, um kritisch über Rituale, Macht und Technologie zu sprechen.

Der 2002 gegründete PACT Zollverein in Essen ist ein Produktionshaus mit besonderem Fokus auf Performing Arts in Relation zu Wissenschaft, zeitgenössischer Theorie sowie sozialen Fragestellungen. Das Haus initiiert und fördert experimentelle, künstlerische und transdisziplinäre Formen der Wissensproduktion. Innerhalb eines internationalen Bühnenprogramms zeigt PACT Koproduktionen, Premieren und Gastspiele und realisiert im Bereich Plattform diskursive Formate wie Symposien und Festivals. Als Residenzort ist PACT zentrale Arbeits- und Wirkungsstätte für internationale wie regionale Künstler*innen. PACT ist gemeinsam mit sechs anderen zentralen Institutionen in Deutschland Mitglied des Bündnisses internationaler Produktionshäuser.

Fotos: © Dirk Rose

MIREVI (Hochschule Düsseldorf) | Die Ruhrgebieterinnen: „You better don’t know“

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MIREVI (Hochschule Düsseldorf) | Die Ruhrgebieterinnen: „You better don’t know“

MIREVI (Hochschule Düsseldorf) | Die Ruhrgebieterinnen

MedienkunstfondsFörderung

Laufzeit: Juni 2023 bis Juni 2024

Post-digitale Kultur trifft auf Science-Fiction: Das Kunstprojekt You better don’t know hinterfragt und inszeniert das Verhältnis von Umwelt, Mensch und Realitätssinn und entwickelt spekulative Erzählungen für paranormale und außerirdische Erfahrungen.

You better don’t know schafft eine faszinierende surreale Begegnung mit außerirdischem Leben. Die Künstlerinnen greifen den Ufo-Mythos auf, um zum Spielen und Experimentieren mit Realitätsordnungen einzuladen. Im Zentrum des Geschehens stehen die Teilnehmenden: In einem hypnotischen Zustand zwischen Träumen und Wachsein verlassen sie ihre wohlbekannte alltägliche Umgebung, um sich in eine postapokalyptische Welt voller Herausforderungen zu begeben. Im Austausch mit Wesen aus völlig fremden Welten werden sie zu aktiven Mitgestalter*innen einer möglichen Zukunft.

Seit meiner ersten paranormalen, außerirdischen Begegnung im Alter von acht Jahren in Form einer nicht eindeutig zu definierenden Lichterscheinung am Himmel frage ich mich immer wieder, ob diese Erfahrung wirklich bzw. real oder bloß eine Illusion des Lichts war, die aufgrund eines übermäßigen Konsums von Sci-Fi-Filmen in Erscheinung getreten ist.
I WANT TO BELIEVE Mein Glaube an die Menschheit beruht darauf, dass unsere postdigitale Gesellschaft eine Lösung für den Umgang mit Intoleranz und Ablehnung gegenüber Fremden / Fremdartigem findet.
(Vesela Stanoeva)

Die künstlerische Produktion You better don’t know fördert die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen und Künstler*innen aus den unterschiedlichsten künstlerischen Sparten (u. a. Medienkunst, Creative Coding, Sounddesign, Tanz, Lichtdesign, Szenografie, Kostümdesign, 3-D-Design), um sich vor dem Hintergrund des sozialen und politischen Wandels gemeinsam dem Thema der postdigitalen Gesellschaft zu widmen. Die Ergebnisse des Kooperationsprojekts wurden auf dem NEW NOW Festival 2023 für digitale Künste in Essen präsentiert. Angedacht sind zudem mindestens zwei weitere Aufführungen im Dortmunder Theater im Depot.

Die Ruhrgebieterinnen sind ein Künstlerinnenkollektiv, das 2021 von Vesela
Stanoeva und Elisabeth Drache gegründet wurde und sich auf digitale Performance spezialisiert hat. Sie erproben neue Formen von Begegnungen und Differenzen sowie Potenziale von Diversität in verschiedenen performativen und installativen Projekten.

MIREVI ist die Arbeitsgruppe „Mixed Reality und Visualisierung“ der Hochschule Düsseldorf. In einem externen Labor nahe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs arbeitet ein Team aus Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Gestalter*innen zusammen mit Künstler*innen an innovativen Mensch-Technik-Schnittstellen, die den ganzen Körper ansprechen.

Credits: Bilder @ Die Ruhrgebieterinnen

STERNA | PAU & Lisa Passing: „AUDIENCE PARTICIPATION LAB“

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STERNA | PAU & Lisa Passing: „AUDIENCE PARTICIPATION LAB“

FELLOW: lisa passing

MedienkunstfellowsFörderung

Theaterperformance mit Publikumsbeteiligung, Interaktion, Sensoren, Daten und IoT

Ein Stück, das nur mit der aktiven Teilnahme des Publikums stattfinden kann: Die Performancegruppe STERNA | PAU und die Webdesignerin Lisa Passing entwickelten digitale Tools für eine Inszenierung, die Theater und Computerspiele lustvoll miteinander verbindet.

Die Pandemie war eine Zeit, in der neue digitale Praktiken entwickelt wurden. Interaktivität und eine aktive Einflussnahme des Publikums bekamen eine ganz neue Bedeutung in Performances, die plötzlich nicht mehr im Theaterraum, sondern vor dem Bildschirm stattfanden. Die Performancegruppe STERNA | PAU wollte ebendiese Techniken und Handlungsweisen, die uns vor allem aus dem Computerspiel-Bereich bekannt sind, wieder ins Präsenztheater zurückführen. Aus Computerspielen stammende Tools wie Eingabe und Feedback oder Input und Output wurden auf ihre Eignung für den Theaterraum hin überprüft. Das Beteiligungskonzept der Produktion ghostlike wurde auf Basis von Fragestellungen entwickelt: Sollen konstant Daten aus dem Publikum gesammelt werden, ohne dass dieses aktiv werden muss – zum Beispiel indem man Geräusche mit Mikrofonen aufnimmt und darüber Projektionen beeinflusst? Oder kommen Controller zum Einsatz, die nur einzelnen Personen im Publikum zur Verfügung stehen und die beispielsweise Motoren in der Kleidung der Performer*innen aktivieren und diese so wissen lassen, wie sie sich verhalten bzw. bewegen sollen? ghostlike ist vom Genre der sogenannten Rogue-like-Spiele, einer Untergruppe von Computer-Rollenspielen, beeinflusst. Die Bezeichnung beruht auf dem Rollenspiel Rogue aus dem Jahr 1980, bei dem, aufgebaut aus verschiedenen Levels, ein Amulett in einem von Monstern bevölkerten Verlies gefunden werden muss. Für die Produktion wurden Taschenlampen im Publikum verteilt und farbig markierte Lichtsensoren an der Bühne befestigt – die Zuschauer*innen, die hier immer auch Teilnehmende waren, konnten also mittels Licht-Feedback aktiv Einfluss auf den Verlauf der Performance nehmen.

WO: Essen (Residenz im Maschinenhaus Essen), Berlin (Haus Kunst Mitte), Bochum (BlueSquare, Ruhr Universität), Düsseldorf (FFT Forum Freies Theater Düsseldorf)

Die Premiere zu ghostlike fand am 25. Februar 2023 in Düsseldorf statt. Gastspieltermine sind ab Herbst 2023 in Essen und Dortmund geplant, Weiterentwicklung und Auswertung der Tools bis Ende 2023.

TEAM ghostlike: Konzept und Stückentwicklung: Maren Becker, Yasmin Fahbod, Lisa Passing, Laura Pföhler, Hannes Siebert, Jolanda Uhlig. Regie: Laura Pföhler. Performance: Maren Becker, Yasmin Fahbod, Hannes Siebert. Kreativtechnologie: Lisa Passing. Gamedesign: Hannes Siebert. Bühne & Video: Christopher Dippert. Bühnenbildassistenz: Lea Deckers. Kostüm: Jolanda Uhlig.
Musik: Maren Becker, Laura Pföhler. Produktionsleitung: Laura Zielinski. Veranstaltungstechnik und Lichtdesign: Julius Kindermann. Sounddesign: Simon Nieder. Dramaturgie: Aidan Riebensahm, Laura Zielinski.

Lisa Passing (Berlin) hat Webdesign und – entwicklung studiert und arbeitet als Creative Technologist. Ihr Schwerpunkt ist Interaktion mit Technologie auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Sie verbindet Erfahrungen aus der Software- und Videospielentwicklung mit Aktivismus und Policy-Arbeit rund um Open Source und Open Data. Sie ist Mitglied des feministischen Hacker*innen-Kollektivs Heart of Code.

STERNA | PAU ist ein Theater- und Performance-Netzwerk aus Bochum, Dortmund und Berlin. Die Künstler*innen kreieren Theater für Jugendliche und Erwachsene und erproben dabei immer wieder neue Formen von Teilhabe. Gerne arbeiten sie mit nicht-menschlichen Akteur*innen zusammen und transferieren Theater in digitale Räume. Im Mittelpunkt stehen vor allem das Zusammenleben und Beziehungen in jeglicher Form sowie die Frage, wie diese durch Technik, Digitalität und Popkultur geprägt sind.

Credits: Fotos Audience Participation Lab: © Louisa-Marie Nübel | Portrait Lisa Passing: © privat

Universität zu Köln | MELT: „Counting Feelings“

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Universität zu Köln | MELT: „Counting Feelings“

FELLOW: Ren Loren Britton & Iz Paehr (MELT)

MedienkunstfellowsFörderung

Laufzeit: 2022/23

In diesem Wintersemester 2022/23 laden MELT (Ren Loren Britton & Iz Paehr) zur Mitarbeit im Rahmen ihres Projekts Counting Feelings ein. 

Als Medienkunstfellows sind MELT Gäste des Fachbereichs Kunst & Kunsttheorie, geben Einblicke in ihre Praxis, und suchen den Austausch zu trans*feministischen und Disability Justice Datenpraktiken mit Studierenden, Kolleg*innen, Künstler- und Designer*innen und Forscher*innen. MELT wird ein Datencenter als Satellit der Bibliothek des Fachbereichs Kunst gründen und die Frage untersuchen, wie und mit welchen Absichten die Erfahrungen marginalisierter Gruppen als Daten quantifiziert und gezählt werden, und wie wir mit Daten anders – oder anderes – erzählen können. Counting Feelings ist ein spekulatives Projekt, das ausgehend von dem strukturellen Wissen und der persönlichen Erfahrung noch-nicht-existierender Datensammlungen konzipiert und erprobt. 

In drei Workshops werden Mittel und Werkzeuge der Datenerhebung erforscht, um technische und soziale Strukturen weiterzuent/wickeln, so dass sie sich auf liebevolle Weise mit dem Wissen von Trans* und behinderten Menschen auseinandersetzen. 

MELT entwickelt derzeit Projekte entlang vier verschiedener Forschungslinien: ACCESS SERVER, The Meltionary, COUNTING FEELINGS und Zeitgeber. Aufgekocht werden Praktiken des Gestaltens und künstlerischen Forschens, die materielle und infrastrukturelle Transformationen generieren und mit Transfeminismen und Disability Justice brodeln. Mit Veränderung und Schmelzprozessen in einer kaleidoskopartigen Form arbeitend, werden mehrere Themen gleichzeitig engagiert: Klimawandel, das Potenzial für politische Neuformulierungen, kritische technische Praxis und die Schaffung von Zugang / Access. MELT teilt Arbeiten in Form von Videos, Installationen,
Websites, Vorträgen und Workshops.

Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit Jun.-Prof. Dr. Konstanze Schütze statt.

Für Studierende bieten MELT darüber hinaus auch ein Blockseminar Counting Feelings: Coalitional Politics and Artistic Research an.

VERANSTALTUNGEN ZUM PROJEKT COUNTING FEELINGS

21.–25.11.22 Forschungswerkstatt mit Workshop I The Autistic and Trans* Coalition Data Center

WORKSHOP I
21. November 2022, 10 – 15 Uhr

Sprache: Englisch (teilweise Übersetzungen ins Deutsche möglich)

Counting Feelings: The Autistic and Trans* Coalition Data Center [Das Datenzenter für autistische und Trans* Erfahrungen]: In diesem spekulativen Design-Workshop konzipieren und besuchen wir das Autistic and Trans* Coalition Data Center, das Datensets enthält, die sich liebevoll mit autistischen und trans*gender Erfahrungen beschäftigen. Dieses fiktive Datencenter sammelt ausschließlich Daten, die von Trans*gender und behinderten Menschen für wichtig befunden werden. Grundlage des Datencenters ist eine Offenheit gegenüber unseren geteilten und vielfältigen Erfahrungsmustern, (fehlenden) Zugängen zu Gesunheitsversorgung und Diagnosen. Deshalb bietet das Datencenter Informationen über persönliche und medizinische Statistiken die anderswo (noch) nicht existieren. Wir werden gemeinsam (er)zählen, schreiben, voraussagen, und Puzzle lösen um aus kollektiven Erfahrungen mutmachende und widerständige Praktiken gegen Datenpraktiken zu entwickeln, die Zukünfte verschließen.

WORKSHOP II: 
12.–16.12.22 Forschungswerkstatt mit Workshop II Collecting Data as a Counter-Practice (15. Dezember 2022, 10 – 15h) WORKSHOP

WORKSHOP III
23.–27.01.23 Forschungswerkstatt mit Workshop III Building Datasets (26. Januar 2022, 10 – 15h); der Workshop wird online stattfinden!

Ausstellung
14.04.23, 17h – 20h: Eröffnung
18.04. – 11.05.23: Öffnungszeiten sind Di., Mi., Do., 10h – 16h
Veranstaltungsort: BIB (Raum 2.214) Gronewaldstr. 2, Köln, 50931 Google Karte anzeigen
Zugänglichkeit: Die Bibliothek ist über einen Aufzug zu erreichen. Eine detaillierte Beschreibung zu den Räumlichkeiten des Veranstaltungsortes kann in Deutsch und Englisch heruntergeladen werden.

Zum Blogpost mit weiteren Informationen hier entlang.

Universität zu Köln Das Department Kunst & Musik untersucht Methoden künstlerischer Forschung und unterstützt den Diskurs zu gesellschaftlichen Transformationsprozesse und Ansätzen einer diskriminierungskritischen Lehre & Forschung in der Lehrer*innenbildung.

Die Professur Kunst Medien Bildung untersucht aktuelle ästhetische Praxen vor
dem Hintergrund postdigitaler Herausforderungen und unternimmt regelmäßige teilnehmende Bestandsaufnahmen kritischer Medienpraxis/-kultur/-wissenschaft.

Credits: © MELT

HHU DÜSSELDORF | BEN J. RIEPE KP E.V. | FREIRAUM DÜSSELDORF „Aufteilungen des Sinnlichen. (Medien­)Ästhetik und Politik in der Gegenwart“

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HHU DÜSSELDORF | BEN J. RIEPE KP E.V. | FREIRAUM DÜSSELDORF „Aufteilungen des Sinnlichen. (Medien­)Ästhetik und Politik in der Gegenwart“

HHU DÜSSELDORF | BEN J. RIEPE KP E.V. | FREIRAUM DÜSSELDORF

MedienkunstfondsFörderung

Laufzeit: April 2022 bis Oktober 2022

Wie verändert sich die sinnliche Wahrnehmung mit der Digitalisierung? Und wie organisieren die Künste die sinnliche Wahrnehmung? Welche Ästhetiken entwickelt die (Medien­)Kunst? Diesen Fragen widmeten sich das Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und die Ben J. Riepe Kompanie.

Touchpads, Face Locks und Sensoren – längst sind es nicht mehr nur die
mechanische Tastatur oder der Bildschirm, über die wir mit der medialen Umwelt interagieren. Wir berühren und fühlen die Geräte, Apps und Programme, wir sprechen mit ihnen. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine werden fließender. Bei der internationalen Tagung Aufteilungen des Sinnlichen: (Medien-)- Ästhetik und Politik in der Gegenwart ging es um ebendiese Art der sinnlichen Wahrnehmung digitaler Inhalte und Formen und ihre jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Bedeutungen.
Unsere technisierte Umwelt gestaltet gezielt und entlang der menschlichen Sinneskanäle unser Erleben digitaler Medien und Räume, eröffnet Zugänge
und bestimmt Teilhabe mit. Untersucht wurden die sinnlichen Interaktionen der Bedienung, das Erfahren und Steuern von sinnlichen Oberflächen wie Tablet, Smartphone oder virtuellen Umgebungen und Onlinemedien im Verhältnis zum physischen Sein in einer analogen Welt. Die Tagung brachte wissen schaftliche und künstlerische Perspektiven auf das Verhältnis von analoger und digitaler Erfahrung in der Gegenwart zusammen und reflek tierte die Ästhetik der Medienkunst. Denn sie ist es, die die Sinnlichkeit der digitalen Interaktion gestalten, aber eben auch Unerwartetes hervorbringen kann. Das Herzstück der Veranstaltung im Düsseldorfer FREIRAUM bildete ein künstlerischer Workshop der Ben J. Riepe Kompanie, in dem mit praktischen Übungen über die sinnliche Erfahrung von Medienkunst und darstellenden Künsten nachgedacht wurde.

Veranstaltet von: Maren Butte, Martin J. Hoffmann, Diana Kasper
Mitarbeit: Kim Karger

Die Tagung und der Workshop fanden am 21. und 22. Mai 2022 statt.

Das Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen medial vermittelten Kommunikationsprozessen und kulturellen Ordnungen.
Es gliedert sich in einen Bachelorstudiengang Medien- und Kulturwissenschaft, den Masterstudiengang Medienkulturanalyse sowie den trinationalen Masterstudiengang Theater­ und Medienkulturen im transnationalen Raum /
Analyse des Pratique Culturelles. Die Forschungsarbeiten des Instituts bewegen sich in den Feldern populäre Kulturen, Sound, Game und Performance Studies sowie audiovisuelle und digitale Kulturen.

Ben J. Riepe, Jahrgang 1979, studierte Tanz und Choreografie an der Essener Folkwang Universität der Künste. Er war als Bühnentänzer unter anderem beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und bei V. A. Wölfl / NEUER TANZ engagiert. Der seit 2006 freischaffende und mehrfach ausgezeichnete Choreograf betreibt seit 2010 eine eigene Produktionsstätte in Düsseldorf, den
FREIRAUM, als kollaborativen Konzeptions- und Arbeitsort für die Künste und realisiert regelmäßig eigene Produktionen, auch als Gastchoreograf für renommierte Kompanien, darunter das Ballett am Rhein oder die Dance Company Osnabrück.

Credits: Ben J. Riepe: CREATURE © Ben J. Riepe, CREATURE, Kunst & Denker Contemporary, Ausstellungsansicht: Kunst & Denker Contemporary Foto: Alexander Basile | Tagung Aufteilung des Sinnlichen im FREIRAUM (Düsseldorf, 2022) © Maren Butte

KOLPING HOCHSCHULE | KÜNSTLER*INNENVEREINIGUNG JUNGBLUT & HERRMANN „DIGITAL SOCIAL ARTS“

Platzhalter

KOLPING HOCHSCHULE | KÜNSTLER*INNENVEREINIGUNG JUNGBLUT & HERRMANN „DIGITAL SOCIAL ARTS“

KOLPING HOCHSCHULE | KÜNSTLER*INNENVEREINIGUNG JUNGBLUT & HERRMANN

MedienkunstfondsFörderung, Research

Laufzeit: Oktober 2021 bis Februar 2023

In acht experimentellen Werkstattgesprächen überprüften die Kolping Hochschule für Gesundheit und Soziales und die Künstler*innenvereinigung Jungblut & Herrmann unser soziales Miteinander im digitalen Zeitalter.

Wie verändert sich die Kunstlandschaft durch Digitalität? Wie die Soziale Arbeit? Und wo liegen die Schnittmengen beider in der Mitgestaltung des digitalen Wandels? Ausgehend von der Annahme, dass sich sowohl die künstlerische Praxis als auch die Praxis Sozialer Arbeit traditionell über die unmittelbare Begegnung mit Menschen auszeichnen, verzeichnen die Projektmacher*innen bei beiden Disziplinen ein fehlendes fundiertes Verständnis davon, was Digitalität für ihre berufliche Praxis eigentlich bedeutet und bedeuten kann. Also haben sie die Disziplinen zusammengebracht, in einem Studio, an einem Tisch. In acht Gesprächen trafen sich am Thema Interessierte, zum Beispiel eine Grundschullehrerin, die digital informiert arbeiten möchte, und ein Vertreter aus dem Bereich der Medienkunst. Oder der Leiter des digitalen Jugendzentrums Köln und ein Gesprächspartner aus der digitalen Wirtschaft. Ziel war es, verschiedene Berufsgruppen miteinander in Kontakt zu bringen. Die Gespräche folgten der Idee einer zufälligen Begegnung. Und sie wurden künstlerisch begleitet und beeinflusst, zum Beispiel durch provokative Text­to­Speech­Einwürfe („Jedes Kind sollte ein Smartphone besitzen“), durch live eingespielte Synthesizer-Musik und zeichnerisch-visuelle Assoziationen. Die Gesprächsteilnehmer*innen waren dazu eingeladen, ihrem Interesse an Digitalität, an gesellschaftlicher Transformation, an Kunst und – vor allem – ihrem Interesse aneinander zu folgen. Die Gespräche wurden aufgezeichnet, ausgewertet, künstlerisch weiterverarbeitet und werden auf einer Website veröffentlicht.

Gesprächsteilnehmer*innen:
Friedemann Dupelius, Mona El Gammal, Judith Erb, Almuth Fricke, Kathrin Goelz, Carla Harter, Daniel Heimbach, Carmen Johann, Marc Müller, Felix Museller, Frank Neises, Amelie Neumann, Ole Reichard, Thomas Riedel, Jens Schulze, Marcus Zilz

Die Kolping Hochschule für Gesundheit und Soziales in Köln bietet seit 2021 als digitale Präsenzhochschule vier Studiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales an, darunter den grundständigen Studiengang Soziale Arbeit.
Die Kolping Hochschule hat sich die Aufgabe gestellt, die digitalen Aspekte gesellschaftlichen Wandels in ihrer Bedeutung insbesondere für Adressat*innen Sozialer Arbeit, vor allem aber im Bereich der gestaltenden digitalen Gemeinwesenarbeit zu erforschen und mitzugestalten.

Die Künstler*innenvereinigung Jungblut & Herrmann (Claus Daniel Herrmann & Roman Jungblut) aus Köln arbeitet seit 2009 an transmedialen Installationen sowie allgemein an audiovisuellen Erfahrungen – in öffentlichen wie in virtuellen Räumen. Jungblut & Herrmann befassen sich intensiv mit medienkünstlerischen Projekten an den Schnittstellen von virtuellem und physischem Raum sowie von künstlerischer Gestaltung und politischem Statement.

Verena Seibt und Clea Stracke

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Verena Seibt und Clea Stracke

1980, Dachau / 1982, Berlin-Tempelhof
STIPENDIUM 2013

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Als einmalige Ausnahme wurde das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2013 an zwei Künstlerinnen, Verena Seibt und Clea Stracke, vergeben.

Begründung der Jury
Verena Seibt und Clea Stracke (beide in Köln lebend) arbeiten 2006-2016 als Künstlerinnenduo zusammen. Ihre künstlerische Forschung setzt an realen (städtischen, sozialen, architektonischen oder institutionellen) Räumen an und bringt – auf durchaus humorvoll ironische Weise – die verschütteten Wahrheiten dieser Räume zum Vorschein. Ihre Videoinstallation Und das Schiff fährt, die sie 2009 zum Studienabschluss präsentierten, setzt sich mit der Architektur des Kunstakademiegebäudes von Coop Himmelb(l)au sowie mit dem Lehrbetrieb und dem „Wesen des Künstlers“ auseinander. Im Video verwandelt sich das Gebäude der Münchner Kunstakademie durch die Verfremdungstechnik des Mediums Film in ein dem Wellengang ausgeliefertes Schiff auf hoher See: „Die reale Fassade wird zur fiktiven Kulisse umgedeutet – und verweist in der Metapher des auf hoher See schwankenden Schiffs auf die höchst realen internen Strukturen der Akademie“, so die Künstlerinnen. Ihr Projektvorschlag Weil ich dich nicht mehr liebe wird verschiedene Trennungsprozesse auf dem Recycling- bzw. Wertstoffhof untersuchen. Das Video will dabei – durch dramatische Überhöhung tragischer Abschiedsmomente – den Blick auf einen alltäglichen Ort verändern.

Verena Seibt (*1980 in Dachau) und Clea Stracke (*1982 in Berlin-Tempelhof) studierten 2001 – 2008 an der Akademie der Bildenden Künste in München und arbeiteten bis 2016 als Künstlerinnenduo zusammen. In ihren subtilen Manövern schaffen die beiden imaginäre Räume, indem sie tastend, staunend, sezierend in echte Orte eindringen und dabei ihre Fundstücke auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion und Realität ausbalancieren. Film und Installation sind die zentralen Medien der Künstlerinnen um raumgreifende Szenarien zu erschaffen.

Informationen zu den Künstlerinnen auf ihrer Website
weitere Informationen hier und hier

Ani Schulze

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Ani Schulze_Suffusion of Yellow_Videostill

Ani Schulze

1982, Frankenberg
STIPENDIUM 2022

Büro medienwerk.nrwAusstellungseröffnung, Förderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2022/23 geht an Ani Schulze.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien Köln), Dr. Linnea Semmerling (Direktorin Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute, Düsseldorf) und Julia Weißenberg (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2020, Köln). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Ani Schulze arbeitet unter anderem mit den Medien Video, Zeichnung und Skulptur, die sie zu multimedialen räumlichen Landschaften zusammenfügt. Intensive Klänge und drängende Rhythmen verleihen ihren surrealen, fragmentarischen Bildwelten einen unausweichlichen Sog. Die Themen, die Ani Schulze dabei beschäftigen, reichen von nichtlinearen Erzählstrategien über die Verflechtungen von Natur- und Kulturlandschaften bis hin zu Stofflichkeit und Digitalität in der Bildgestaltung.

In ihrem Projektvorhaben The Hurricane widmet Ani Schulze sich der fiktionalen Utopie einer radikalen, frei von patriarchalen Zwängen lebenden weiblichen Gemeinschaft aus dem 17. Jahrhundert. Diese will die Künstlerin mit dem Leben und Werk – Skulpturen, Figurinen, Kostümentwürfen, Aquarellen, Zeichnungen – von drei französischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts verknüpfen, um in der Verschränkung von mythischen mit realen Frauenfiguren hybride Charaktere entstehen zu lassen, die sie in Kooperation mit zwei Tänzer*innen in einem spekulativen, abstrakt-räumlichen Szenario inszeniert. Mit Unterstützung von computergenerierten Animationen sollen sich die Grenzen zwischen den historischen Figuren und ihren Performerinnen, realen und fiktiven Räumen, historische Fakten und Anekdoten auflösen.

Ani Schulze überzeugte die Jury mit ihren dichten, collageartigen multimedialen Rauminstallationen, in denen sie mit einem außerordentlichen Gespür für Rhythmus und Dramaturgie verschiedenste Medien und Materialien – wie z.B. Video, Zeichnung, Skulptur, Keramik, Sound, Found Footage – zu komplexen, surreal anmutenden Erzählungen und ambivalenten Gefühlsbildern unserer Gesellschaft verwebt.

Wir freuen uns, 2022/23 mit The Hurricane von Ani Schulze ein Projektvorhaben mit dem NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen unterstützen zu können, das vor dem Hintergrund virulenter Fragen des Zusammenlebens, der Geschichtsschreibung und der Konstruktionen von Weiblichkeit Perspektiven für neue Möglichkeitsräume und Realitäten schaffen will.

VERANSTALTUNGEN ZUM PROJEKT THE CONVENT OF PLEASURE

Ausstellungseröffnung am 21. Oktober 2023, 18 – 21 Uhr
vom 22. Oktober bis 19. November 2023

Öffnungszeiten
Sa und So | Von 15 – 18 Uhr
mail@apathcp.com
in der Moltkerei Werkstatt
Moltkestrasse 8, 50674 Cologne

Zur Website mit weiteren Informationen hier entlang.


Ani Schulze (*1982) arbeitet mit Video, Skulptur, Malerei und multimedialen Rauminstallationen. Sie studierte an der Städelschule in Frankfurt, an der Glasgow School of Arts sowie an den Kunstakademien Düsseldorf und Karlsruhe. Ihre Praxis untersucht die Beziehung zwischen menschlichem Körper und seiner Umwelt und die Konstruktion von Weiblichkeit. Jüngst waren ihre Arbeiten in der Hamburger Kunsthalle, im Kunstverein Siegen, im Salzburger Kunstverein und im I: Project Space in Beijing zu sehen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Portraitfoto: © Jorge Nogueira;
Installationsansicht: © Simon Vogel, Ani Schulze, Flint House Lizard, Kunstverein Siegen, 2021; Video still: © Ani Schulze, Suffusion of Yellow, 4K Video, mit Sound, 10 min, 2021

Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst | Kris Dittel: „UNRULY KINSHIPS“

Gabris, Robert, 100x70cm, pencil on cardboard, Vienna 2022
Juurak, Krõõt_ Bailey, Alex_ FNW_7225 xx www m
Exhibition view_ Pauline Curnier Jardin + The Feel Good Cooperative (The Death of the Pope)
Exhibition view_ Nicole Baginski, Jay Tan, Clementine Edwards
Selman, Selma_ gold
Edwards, Clementine_ Rice Huisje Rice, gold leaf, silver leaf, copper leaf glue, 2022
Aiwen, Yin_ Relationship Consulate station_ Liquid Dependencies at Framer Framed_ photographed by Samuel White Evans
Aiwen, Yin_ Relationship Consulate station_ Liquid Dependencies at Framer Framed_ photographed by Samuel White Evans_

Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst | Kris Dittel: „UNRULY KINSHIPS“

FELLOW: Kris Dittel

MedienkunstfellowsFörderung

Laufzeit: März bis Dezember 2022


Kris Dittel ist derzeit Medienkunstfellow NRW an der Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Köln. Während ihres Stipendiums ist sie an dem Forschungsprojekt „Unruly Kinships“ zu Formen der Verwandtschaft beteiligt, in dem sie über utopische Formen der Verwandtschaft jenseits von Eigentumsverhältnissen und der sozialen Reproduktion von Normen spekuliert. Es geht um eine Kritik an der Kernfamilie mit dem Ziel, den hinterfragenden Geist auf Praktiken des kollektiven Lernens, des Teilens und des Nachdenkens über andere Formen der Organisation des Lebens und der sozialen Reproduktion auszuweiten. Kris Dittel interessiert sich für Themen wie die Abschaffung der Familie, queere Verwandtschaft, reproduktive Gerechtigkeit, die Rolle der Technologie bei der Gestaltung von Beziehungen sowie Überlegungen zur Kindererziehung. Das Projekt zielt darauf ab, gemeinsam über die Frage nachzudenken, wie Gemeinschaften aufgebaut werden können, die über die normative Familieneinheit hinausgehen, in einer Welt, die darauf ausgerichtet ist, soziale Beziehungen über die private sozioökonomische Organisation der Kernfamilie zu regeln. Anstatt „neue Modelle“ oder universalistische „Ideale“ zu präsentieren, will das Projekt von der Idee der Blaupausen abweichen und hofft, gemeinsam die Frage zu erörtern, wie Gemeinschaften aufgebaut werden können, die über die normative Familieneinheit hinausgehen, in einer Welt, die darauf ausgerichtet ist, die sozialen Beziehungen über die private sozioökonomische Organisation der Kernfamilie zu regeln.

Das Projekt beinhaltet eine gemeinsame Forschung zwischen der Stipendiatin Kris Dittel und der Direktorin der Temporary Gallery, Aneta Rostkowska. Zusätzlich findet die Studiengruppe „Unruly Kinships“ statt. Diese Reihe von Treffen zielt darauf ab, gemeinsam über die Art und Weise nachzudenken, wie wir Beziehungen in und mit der Welt außerhalb der Kernfamilienstruktur gestalten. Die Treffen finden monatlich statt, online. Jede Sitzung wird von einem eingeladenen Gast geleitet, darunter Künstler, Denker, Dichter, Aktivisten und andere.

Im Podcast spricht Olga Felker mit Kris Dittel über das Projekt.

Kris Dittel ist Kuratorin, Redakteurin und gelegentliche Autorin in Rotterdam. Ausgehend von ihrem Hintergrund in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften achtet sie in ihrer kuratorischen Praxis auf den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Kontext ihrer Arbeit. Ihre langfristigen Forschungsprojekte werden auf vielfältige Weise realisiert: in Form von Ausstellungen, Performances, Publikationen, Vorträgen, öffentlichen Veranstaltungen und anderem. Zu ihren jüngsten Forschungsinteressen gehören „Unruly Kinships“ (Temporary Gallery, Köln 2022); The Voice as Material (Post-Opera bei TENT, V2_, Operadagen Rotterdam, 2019); und The Question of Value (The Trouble with Value bei Bunkier Sztuki, Krakau und Onomatopee, Eindhoven, 2016-19). Zusammen mit Eloise Sweetman ist Kris Dittel Co-Moderatorin von I Hope This Message Finds You Well, einem Podcast über das Kuratieren.

Ihre neueste Veröffentlichung, The Material Kinship Reader, die sie gemeinsam mit Clementine Edwards herausgegeben hat, befasst sich mit Material jenseits der Extraktion und Verwandtschaft abseits der Kernfamilie (Onomatopee, 2022). Zu ihren früheren Sammelbänden gehören The Trouble with Value: Art and Its Modes of Valuation (Onomatopee, 2020), Marjolijn Dijkman: Radiant Matter (Onomatopee, 2018), The Economy is Spinning (Onomatopee, 2017) und Antonis Pittas: Road to Victory (gemeinsam mit Clare Butcher herausgegeben, Mousse Publishing und Hordaland Kunstsenter, 2017).

VERANSTALTUNGEN ZUM PROJEKT UNRULY KINSHIPS

FORMS OF KINSHIP – LIQUID DEPENDENCIES
19. Februar 2022


Eine Veranstaltung des documenta Instituts in Zusammenarbeit mit Temporary Gallery. Zentrum für zeitgenössische Kunst.
Mit Aneta Rostkowska (CCA Temporary Gallery, Köln), Kris Dittel (freie Kuratorin), Aiwen Yin (ReUnion Network / Liquid Dependencies)
Moderation: Mi You

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FORMS OF KINSHIP — ON FAMILY ABOLITION
Vortrag von Sophie Lewis
16. März 2022


Die Abschaffung der Familie ist ein aufgeladener Begriff, der oft augenblicklich die Reaktion „Aber ich liebe meine Familie!“ hervorruft. Mit Sophie Lewis werden wir diskutieren, was mit Familienabschaffung gemeint ist, was sie mit Liebe und kollektiver Fürsorge zu tun hat, warum wir die Familie und ihre utopische Vision abschaffen sollten. Sophie Lewis wird auch darüber nachdenken, was die Abschaffung der Familie in politischen Kontexten bedeutet, in denen die indigene, minoritäre und rassifizierte Familie immer schon vorher abgeschafft ist.

Dokumentation FORMS OF KINSHIP — ON FAMILY ABOLITION. A talk by Sophie Lewis

FORMS OF KINSHIP — THE MATERIAL KINSHIP READER
Gespräch mit Kris Dittel, Clementine Edwards und Vortrag von Joannie Baumgärtner
29. April 2022


Was bedeutet es, die eigene Nähe, die Verstrickungen oder gar die Verwandtschaft mit der materiellen Welt anzuerkennen? Und was bedeutet es, Familienstrukturen zu hinterfragen — die Art und Weise, wie sie bestimmte Lebensformen organisieren, ihnen Zwänge auferlegen und sie abweichen lassen — und in anderen Möglichkeiten der Verwandtschaftsbildung zu verweilen? The Material Kinship Reader ist nicht nur ein fröhliches Überdenken von Objekten oder ein polyamores Herumtollen in Beziehungen — das Buch rechnet mit der extraktivistischen Geschichte von Material und den sozialen Beziehungen, die einen Großteil des heutigen Lebens bestimmen, ab.

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FORMS OF KINSHIP — RADICAL DREAMING
Workshop mit Georgy Mamedov
15. Mai 2022


Für viele Menschen ist Schlaf in stressigen Situationen eine Strategie der Flucht. Wir wollen einschlafen, in der Hoffnung, dass nach dem Aufwachen der stressige Zustand vorbei ist. Der Schlaf ist ein vorübergehender Zustand, eine Zufluchtsort vor der bedrängenden und schrecklichen Realität. In Träumen erscheinen komplexe, sonst nie zuvor erfahrene Welten und nie zuvor erlebte Gefühle. Träume haben die Kraft, zu erschrecken und zu beunruhigen, aber auch zu heilen und zu befreien. Träumen ist eine sehr persönliche, sogar intime Erfahrung, die oft zu peinlich ist, um sie mit anderen zu teilen.

Doch genau das möchte ich tun – Freunde und Fremde in meinen Traum einladen; jeden die Traumwelt, die ich selbst einmal besucht habe, erforschen und besiedeln lassen. Es ist eine Welt, in der die Menschen die Chance haben, ewig zu leben. Doch wenn und falls sie sich entscheiden zu sterben, verwandeln sie sich in menschenerschaffene Objekte. Welches Objekt würden Sie nach dem Tod werden wollen? Was bedeutet der Tod überhaupt? Was geschieht mit Verwandtschaft, Liebe und Zugehörigkeit in einer Welt, in der der ontologische Unterschied zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen willkürlich wird? Wir werden gemeinsam in diese Fragen eintauchen und versuchen, einige Antworten zu finden, die möglicherweise etwas Licht und Hoffnung in unsere gegenwärtige düstere und beängstigende Welt bringen.

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FORMS OF KINSHIP — THE POWER OF DREAMS
Lesung und Talk mit Georgy Mamedov
16. Mai 2022

In Träumen sind Alltäglichkeit, Fantasie, individuelle Ängste und kollektive Sehnsüchte oft auf die seltsamste Weise miteinander verbunden. Können wir die Kraft dieser seltsamen Gegenüberstellungen möglicherweise für eine radikale (Neu-)Vorstellung der Welt, in der wir leben, nutzen? Audre Lorde beginnt ihre „Notes from a Trip to Russia“ (1976) mit der Erinnerung an einen erotischen Traum während ihres Besuchs in Moskau. Georgy Mamedov wird dieses kurze Fragment als Einladung zu einem Gespräch über die Macht der Träume als Mittel radikaler Imagination lesen. Lasst uns Träume teilen und sehen, wohin sie uns führen!

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FORMS OF KINSHIP — ANCESTRAL SPIRITS
Gespräch mit Khanyisile Mbongwa und Li’Tsoanelo Zwane
7. September 2022

Im Gespräch werden die Kuratorin Khanyisile Mbongwa und die Forscherin und Heilerin Li’Tsoanelo Zwane Geister der Vorfahren diskutieren, und wie sie verschiedene Ebenen der Verwandtschaft herstellen. Sie werden die Art und Weise erörtern, wie sie sich als Sangoma (Schamane/indigene spirituelle Heiler) zueinander verhalten, wie wir die Beziehungen zu idlozi – singulären und pluralen Ahnengeistern, mit denen man seinen Körper teilt (Zwane, 2021) – gestalten können, und die Bruderschaft mit ubuNgoma (die als der übergreifende theoretische und pragmatische Rahmen definiert werden kann, der die Arbeit der Sangomas bestimmt) (Zwane, 2021). Die Diskussion wird sich auch um die Verwandtschaft aus der Perspektive der weiblichen und männlichen Energien drehen, die keine statischen Rollen sind, sondern fließend und immer im Wandel. Mbongwa wird erläutern, wie diese Form der Verwandtschaft ihre kuratorische Praxis der Pflege und Heilung beeinflusst.

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FORMS OF KINSHIP – DADDY RESIDENCY
Gespräch mit Nahee Kim und Jiyoung Kim
31. Oktober 2022

Die Künstlerin Nahee Kim und die Wissenschaftlerin Jiyoung Kim werden im Gespräch Nahee Kims Projekt Daddy Residency diskutieren. Daddy Residency ist ein Projekt über Nahee Kims Familienplanung mit ihrem ungeborenen Baby und mehreren biologisch nicht verwandten Vätern. Das Projekt ist Kims Versuch, darüber nachzudenken, wie sehr unsere Normen und Wünsche in Bezug auf Familie als „natürlich“ programmiert sind und wie Kim als Individuum in der hetero-patriarchalen Gesellschaft diese außer Kraft setzen kann. Im Jahr 2019, in der Anfangsphase des Projekts, veröffentlichte Kim ihren Plan, ein Baby per IVF zu bekommen und es mit mehreren temporären Vätern großzuziehen, die im Rahmen eines offenen Aufrufs ausgewählt werden. Das Geschlecht der Bewerber spielt dabei keine Rolle, sie würden für ihre Arbeit bei der Kindererziehung entschädigt werden.

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FORMS OF KINSHIP – POLYSEXUAL ECONOMY
Reading Group mit Bini Adamczak
24. August 2022

Der Liebesmarkt basiert auf der Konkurrenz der Liebenden zueinander, wie jeder andere Markt einzig auf der Konstruktion von Knappheit. Es gibt genug Lover für alle, aber nicht alle bekommen einen ab, bzw. zehn. Die Theorie der Polysexuellen Oekonomie fasst Sexualität als Wertform, von der Seite des Austauschprozesses her. Sie lässt die Möglichkeit einer sexuellen Oekonomie erblicken, die zum ersten Mal in der Geschichte nicht ständisch-feudal, nicht rassexistisch-segregationistisch strukturiert wäre, ein universeller (Welt)Markt, auf dem alle Körper als Waren auftreten, ineinander tauschbar sind (welche Verzögerung, siehe 1789). Liberalisierung der Oekonomie ist aber Abschaffung ihrer Begrenzungen, nicht bereits Abschaffung der Oekonomie, um die es geht. Gesucht wird ein Modus von Vergesellschaftung, der weder der (unterkonsumptiv-)krisenhafte des Single-Marktes ist, noch der des Paars, des Ehevertrags, Handelsabkommen auf Lebensabschnittszeit. Weder protokapitalistische Oekonomie allgemeiner Konkurrenz also, noch sozialistische, Planwirtschaft, die die Armut (eine und nur eine Ware Anziehungskraft für jede[n?]) für die Ewigkeit verwaltet.
Bini Adamczak (Berlin) arbeitet als Philosophin und Künstlerin und schreibt über politische Theorie, queere Politik und die vergangene Zukunft von Revolutionen. Sie hat den Begriff „circlusion“ erfunden und ist die Autorin von „Communism for Kids“ (MIT) und „Yesterday’s Tomorrow. On the Loneliness of Communist Specters and the Reconstruction of the Future“ (MIT, erscheint demnächst). Zusammen mit Konstanze Schmitt entwickelte sie das Theaterstück „Everybody Needs Only You. Love in Times of Capitalism“ (Berlin 2019).

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FORMS OF KINSHIP – NEUROQUEER INTIMACIES
Veranstaltung mit Francisco Trento
8. Dezember 2022

Während der Veranstaltung wird Francisco Trento zwei laufende Projekte zum Thema nicht-neurotypische intime Beziehungen vorstellen, die vom Standpunkt des neurotypischen Privilegs abweichen. Francisco wird ihre Forschungen über die Stigmatisierung von Neurodiversität in Online-Dating-Plattformen vorstellen und Auszüge aus einem Artikel präsentieren, der demnächst in der Zeitschrift Culture Unbound veröffentlicht wird. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden sie einen Zine-Prototyp vorstellen, T*nder-bender (entwickelt im Rahmen der UrbanApa Home Residency). Das Zine thematisiert Erfahrungen mit Stigmatisierung in der Online-Dating-Szene als neurodiverse Person. Obwohl dieses Projekt stark mit dem Jammern verbunden ist, betont es den neuroqueere SPASS. Aus diesem Grund enthält der Prototyp auch fiktive, spielerische Dating-App-‚Profile‘, die einen freudigen Ansatz für mehr-als-menschliche und neuroqueere Ansätze für Intimität zeigen; Profile, die neurodivergente Eigenschaften wie Stimming, Stottern, Überempfindlichkeit und Überwältigtsein durch Texturen, Geräusche und überfüllte Umgebungen wertschätzen. Das Zine zeigt gegensätzliche Dating-App-Profile aus der Perspektive nicht-menschlicher Subjekte wie Steine, Bäume und Spielzeuge auf der Suche nach einer intimen Beziehung. Die konzeptionellen Verbündeten des Zines sind, neben vielen anderen, Remi Yergeaus Buch „Authoring Autism: On Neurological Queerness“ und Sophie Lewis‘ „Abolish the Family“.

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FORMS OF KINSHIP – ON THE (FEMINIST) CONTRADICTIONS OF PARENTING
Mit Karina Kottová und Barbora Ciprová
13. Dezember 2022

Festhalten – Loslassen
Elternschaft in Zeiten der vielfältigen globalen Krisen wirft viele Fragezeichen auf. Woran können wir uns orientieren und welche Modelle können wir verfolgen oder etablieren, um Kinder mit Zukunft zu erziehen, die in der Lage sind, nachhaltigere und liebevollere Bedingungen für Leben, Bildung, Beziehungen, Arbeit und Erfüllung mitzugestalten?

Der Online-Vortrag und das Screening bieten einen Einblick in Texte und Forschungsmaterialien zu verschiedenen Modalitäten der Elternschaft und der Beziehungen zu Kindern, die zur Vorbereitung eines internationalen Ausstellungsprojekts mit dem Titel Beyond Nuclear Family verwendet wurden, das vom Kuratorenkollektiv der Jindřich Chalupecký Society in Prag, Berlin und New York präsentiert wurde. Während des Vortrags und der anschließenden Diskussion werden die beiden Kuratorinnen einige der oft widersprüchlichen Standpunkte und Vorschläge zu Elternschaft und Eltern-Kind-Perspektiven untersuchen, die aus der feministischen Theorie und der belletristischen, psychologischen und anthropologischen Literatur stammen. Sie werden Themen wie (unsichere) Bindung, (De-)Privatisierung der Betreuung oder „Tribalisierung“ von Erziehungsstilen diskutieren. Der Vortrag wird Ausschnitte aus Bewegtbildarbeiten enthalten, die Teil der Ausstellung Beyond Nuclear Family waren.

Karina Kottová ist Kuratorin und Theoretikerin für zeitgenössische Kunst und lebt in Prag, Tschechische Republik. Derzeit ist sie Direktorin der Jindřich Chalupecký-Gesellschaft. Zu den von ihr gegründeten und mitbegründeten Projekten gehören INI Project, ein unabhängiger prozessorientierter Projektraum, der Věra Jirousová Award für Kunstkritiker oder UMA Audioguide. Sie interessiert sich für die psychologischen und emotionalen Auswirkungen aktueller gesellschaftspolitischer Herausforderungen sowie für feministische Theorie und das subversive Potenzial der sogenannten „weiblichen“ Eigenschaften wie Empathie, Irrationalität oder Intuition. Seit 2010 hat sie über 60 Ausstellungen, Projekte und Festivals kuratiert, sowohl in der Tschechischen Republik als auch international – in unabhängigen Institutionen und Museen in New York, Washington D.C., Berlin, Helsinki, Diepenheim (NL) oder Gdansk (PL). Sie hat mit prominenten Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Bereichen an groß angelegten Projekten und Aufträgen für neue Kunstwerke gearbeitet. Im Jahr 2019 veröffentlichte Display ihre Monografie „Institution and the Viewer“.

Barbora Ciprová ist eine in Prag lebende Kuratorin und Musikerin. Sie studierte an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Karlsuniversität in Prag und an der Fakultät für Bildende Künste in Brünn. Neben ihren unabhängigen kuratorischen Projekten, vor allem in regionalen Galerien, arbeitet sie bei der Jindřich-Chalupecký-Gesellschaft, zunächst als Produktionsleiterin, dann als Teil des kuratorischen Kollektivs und als stellvertretende Direktorin. In ihrer Praxis konzentriert sie sich auf den Einfluss der physischen oder kulturellen Umgebung auf den inneren „Raum“ einer Person, sei es im Kontext von Kunst, Anthropologie oder Psychologie.

Beyond Nuclear Family ist das dritte Kapitel des Langzeitprojekts Islands: Possibilities of Togetherness der Jindřich Chalupecký-Gesellschaft. Es ist auch Teil der internationalen Plattform Islands of Kinship: A Collective Manual for Sustainable and Inclusive Art Institutions, die von der Europäischen Union kofinanziert wird.

Die Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst ist eine gemeinnützige Institution für zeitgenössische Kunst in Köln. In 2009 als Kunstverein gegründet, wurde sie in den Jahren 2012-2018 von der Kunsthistorikerin und Kuratorin Regina Barunke geleitet. Im Januar 2019 hat Aneta Rostkowska die Leitung der Galerie übernommen. In Einzel- und Gruppenausstellungen stellt die Temporary Gallery junge oder wiederentdeckte, vielfach internationale Positionen vor. Seit 2014 wird die Temporary Gallery von der Stadt Köln als Zentrum für zeitgenössische Kunst institutionell gefördert.

Abb. Quelle: @ Konrad Klapheck. The Superman (Der Supermann), 1962. Ludwig Museum I © Christopher Leaman. Sophie Lewis, 2019 I © Pan Yannan I Foto: Bini Adamczak © Chris Grodotzki | Gabris, Robert, 100x70cm, pencil on cardboard, Vienna 2022 |

Anja Kreysing

CounterStructures

Anja Kreysing

1967, Hamm
STIPENDIUM 2002

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2002 wurde an Anja Kreysing vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin, HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Iris Dressler (ehem. Direktorin HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Vanessa Joan Müller (ehem. Kuratorin, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main).

Begründung der Jury
Mit den neuen Technologien haben sich unsere Vorstellungen sowie die „Realitäten“ von Raum, Architektur und Wohnen wesentlich verschoben. So ist bereits der Alltag von vielfachen Überlagerungen zwischen physischen Wirklichkeiten und den Wirklichkeiten der „Codes“ geprägt. Mobilität und Fluktuation, Datenflüsse und Hypertexturen, das Instabile und Liquide, Deterritorialisierung und Nicht-Orte sind nur einige der Schlüsselbegriffe, um welche die aktuellen Diskurse über neue Technologien, Architektur und Urbanität kreisen. Utopien und Dystopien werden dabei gleichermaßen entworfen.
Mit dem Projekt AudioArchitekt. reality dub untersucht Anja Kreysing öffentliche und private Räume verschiedener Städte nach ihren je spezifischen „akustischen Abbildern“. Die Geräusche von öffentlichen Gebäuden, Plätzen und Privaträumen sollen auf einer Audio-CD aufgenommen und dann in Form einer „pocketarchitecture“, das heißt eines technischen Gerätes, dass den audiografierten Ort mobilisiert, an die jeweils anderen „Hörplätze“ verschoben werden.
Das Konzept überzeugte durch seinen originellen Ansatz der akustischen De/Mobilisierung von Architekturen, Räumen und Orten. Positiv bewertet wurde außerdem, dass das Projekt auf vielfältige künstlerische Materialien, Techniken und Handlungen zurückgreift: Es verbindet Audiomaterial, Objekte, Kommunikations-Design, Low- und High-Technologien mit performativen Ansätzen.
Die Arbeit wurde 2003 vom HMKV Hartware MedienKunstVerein parallel zur Ausstellung „games“ in der PHOENIX Halle in Dortmund gezeigt. 
Die Jury hat darüber hinaus zwei lobende Erwähnungen ausgesprochen: Zum einen für Michaela Schweiger und ihr Projekt Multipl(a)y by(e), dass sich mit der Struktur und Architektur von so genannten „Cyberstädten“ auseinandersetzt. Zum anderen für Susanne Brügger und ihr Projekt Das Inselproblem, das sich mit der Kartografierbarkeit öffentlicher Räume beschäftigt.

Anja Kreysing (*1967 in Hamm) lebt in Münster. Sie studierte Experimentalfilm und Klangkunst bei Lutz Mommartz (Meisterschülerin); Improvisierte Musik u.A. bei Malcolm Goldstein; Certified Deep Listening Practitioner nach Pauline Oliveros. Live-Soundtracks für Film, Theater, Performance; Elektroakustische Environments / Klanginstallationen; improvisierte Musik mit Akkordeon und Elektronik in der Tradition von Experimental/Noise & Folklore Imaginaire, Kuratorin bei „schwarz-weiss ist die bessere farbe“, Label für Filmkonzerte und a/v Kunst.

Weitere Informationen zur Künstlerin

Philine Sollmann

Philine Sollmann

1978, ulm
STIPENDIUM 2004

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2004 wurde an Philine Sollmann vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Kathrin Becker (ehem. Leitung Videoforum/NBK, Berlin), Iris Dressler (ehem. Direktorin HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Bettina Lockemann (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2001).

Begründung der Jury
Mit der Stipenidumvergabe fördert die Jury eine junge, viel versprechende Nachwuchskünstlerin aus NRW. Philine Sollmann untersucht in ihrem Projekt urbane „Nicht-Orte“.

Philine Sollmann (*1978 in Ulm) lebt und arbeitet in Berlin und Dessau. Sie studierte an der HBK Saar, Saarbrücken, bei Prof. Ulrike Rosenbach. Sie erhielt 2001/2002 ein Erasmus-Stipendium für die Escola Massana in Barcelona und hat ihr Studium mit Auszeichnung bestanden. Seit 2001 beteiligt sie sich mit Multimediainstallationen an Ausstellungen im In- und Ausland.

Weitere Informationen zur Künstlerin

Rosa Barba

Rosa Barba

1972, agrigent
STIPENDIUM 2005

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2005 wurde an Rosa Barba vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Kathrin Becker (ehem. Leitung Videoforum/NBK, Berlin), Iris Dressler (ehem. Direktorin HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund) und Bettina Lockemann (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2001).

Begründung der Jury
Rosa Barba setzt sich in ihrem Projekt mit den Schnittstellen zwischen Musikvideo, Experimentalfilm und Installation auseinander. Mit der Vergabe des Stipendiums würdigt die Jury eine international erfolgreiche Medienkünstlerin aus NRW.

Rosa Barba (*1972 in Agrigent, Italien) lebt in Köln. Sie studierte in Erlangen und an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Ihre Videoarbeiten und Filminstallationen wurden bereits in zahlreichen renommierten Ausstellungshäusern gezeigt. Dazu gehören die Kunsthalle Düsseldorf, das Museum of Fine Arts in Taipeh, die Kunsthalle Budapest, das Museum Ludwig und die Kunsthalle Köln. Außerdem nahm sie an zahlreichen internationalen Film- und Medienkunstfestivals teil.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Rena Tangens

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Rena Tangens

1960, bielefeld
STIPENDIUM 2007

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2007 wurde an Rena Tangens vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Cornelia Sollfrank (Künstlerin, Hamburg/Celle) und Rosa Barba (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2005).

Begründung der Jury
Ausgehend von der Feststellung Lev Manovichs, dass der „(medial) erweiterte Raum überwachter Raum“ ist („Augmented space is monitored space“) wird Rena Tangens sich in ihrem Projekt Citizens need parks, netizens need privacy mit den Auswirkungen realer bzw. erwarteter Überwachung auf das menschliche Verhalten auseinandersetzen und technische, politische, aber auch künstlerische Handlungsmöglichkeiten gegen den oft als unausweichlich empfundenen Verlust der informationellen Selbstbestimmung aufzeigen. Ihr Kunstbegriff ist dabei ein erweiterter, der den Beuysschen Begriff der „Sozialen Plastik“ in den medialen Raum ausdehnt und so eine dezidiert politische Form der „relationalen Ästhetik“ skizziert. Tangens’ Projekt, das sich explizit auf Frederick Law Olmsted bezieht, will dazu anregen, die sozialen, gesellschaftlichen und politischen Prozesse, die im „Augmented Space“ stattfinden, in einem ästhetischen Rahmen zu reflektieren und kritisch zu begleiten.

Rena Tangens (*1960 in Bielefeld) ist Künstlerin, Publizistin, Netzpionierin und Mitbegründerin des Bielefelder Digitalcourage e.V. 1984 gründete sie gemeinsam mit ihrem Kollegen padeluun das Kunstprojekt Art d’Ameublement. Seit 2000 recherchiert und organisiert sie die jährlichen deutschen BigBrotherAwards (die „Oscars für Datenkraken“). Rena Tangens prägte 2001 das Wort „Datenkrake“, das inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist. 2004 erhielt sie gemeinsam mit padeluun den Kunstpreis „Evolutionäre Zellen“, 2008 die Theodor-Heuss-Medaille für ihr Engagement für die Bürgerrechte, 2014 den taz-Panterpreis für „Helden des Alltags“, 2015 den Preis „Persönlichkeit des Verbraucherschutzes“ der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz, 2016 den Bielefelder Frauenpreis und 2018 die Ehrennadel der Stadt Bielefeld.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Agnes Meyer-Brandis

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Agnes Meyer-Brandis

1973, aachen
STIPENDIUM 2009

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2009 wurde an Agnes Meyer-Brandis vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Susanne Ackers (ehem. Geschäftsführerin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Annette Schindler (ehem. Direktorin des plug.in, Basel) und Sabine Himmelsbach (ehem. Direktorin des Edith-Ruß-Haus, Oldenburg).

Begründung der Jury
„Die Unbekannten Theorie-Objekte, sogenannte UTO’s, sind zufällige Verdichtungen des theoretischen Feldes. … UTO’s sind Kristallkugeln, in denen das vage Licht eines noch nicht existierenden Theorems auftaucht.“
Dies schrieb 1993 die Agentur Bilwet aus Amsterdam, die sich die Verbreitung illegaler Wissenschaften zum Ziel gesetzt hat. Mit diesen illegalen Wissenschaften wird häufig so etwas verbunden wie Zukunftsforschung im allgemeinen oder Trendforschung im speziellen.
Das eingereichte Projekt trägt den Titel The Moon Goose Experiment / a bio-poetic investigation. Die bereits vorhandenen Materialien sind Beobachtungen von Verhalten und Reaktion der Mondgans unter dem Einfluss der totalen Sonnenfinsternis in Sibirien, 2008, die die Künstlerin während einer Sibirienexpedition nach Novosibirsk sammelte. Vergleichbar dem klassischen Verhalten von Zugvögeln migrieren die Mondgänse von der Erde zum Mond und zurück. Die Forscherin Agnes Meyer-Brandis untersucht die Frage: Welche Störung oder Veränderung bewirkt die Sonnenfinsternis auf die Flugrouten, den Flugrhythmus und das Verhalten der Mondgänse? 
Agnes Meyer-Brandis setzt Technologie als pseudowissenschaftliches Instrument ein. Sie bedient sich dieses wissenschaftlichen Instrumentariums und setzt es ästhetisch künstlerisch um, indem sie imaginäre Welten konstruiert und erschließt. Die künstlerisch starke Position, die mit diesem Projekt gefördert wird, verknüpft biologische Vorgänge mit technologisch-wissenschaftlichen Mitteln in einer performativ geprägten Form. Die poetische Investigation von Wissenschaft leistet einen klugen und komplexen Beitrag zum großen Thema „Wissenschaft und Kunst“. 
Die Ergebnisse der Residenz wurden 2009 im HMKV Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Agnes Meyer-Brandis (*1973 in Aachen) ist wohnhaft in Köln. Mit ihrem Gesamtkonzept Forschungsfloß für Unterirdische Riffologie u. V. / www.ffur.de entwickelte sie eine eigene Sprache und definiert ihre Rolle sehr präzise als die einer Poetik-Forscherin. In unterschiedlichen Ortsbezügen und Forschungsreisen erhält ihre künstlerische Sprache immer wieder neues Vokabular.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Marianna Christofides

Marianna Christofides

1980, Nikosia
STIPENDIUM 2014

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2014 wurde an Marianna Christofides vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Denise Ritter (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2012) und. Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 55 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die künstlerische Praxis der zypriotischen, in Köln lebenden Medienkünstlerin Marianna Christofides umfasst Multimediainstallationen, Diaprojektionen, Objekte, Fotografien und Texte. Den thematischen Ausgangspunkt ihrer medienübergreifenden Arbeiten bilden häufig Reiseerlebnisse, spezifische Orte oder persönliche Geschichten. Archivarisches Material wie alte Glasdias, Foto- und Kartografien, Text, Film- und Tonmaterial unterzieht sie einer künstlerischen Transformation und kombiniert diese in räumlichen Installationen mit eigenen Bildern und Objekten. So fließen in ihren Werken häufig zeitliche, geografische und thematische Erzählstränge ganz bewusst zusammen. In Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, unter Verwendung transdisziplinärer Informationen und dokumentarischer Methoden entwickelt Christofides eigene, atmosphärische Topografien und fiktive Bildräume.
All ihre Projekte sind geprägt von einem Prozess der Annäherung an das Material und die eigene Recherche, der berechtigte Zweifel an der festgeschriebenen Wirklichkeit von Gegenständen, Orten und Landschaften erkennen lässt. Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Videoarbeit Here let me stand (2013, HD Video mit Ton |4:3| 29’42“ loop) steht beispielsweise ein umfangreicher Foliant von 1881 mit dem Titel Cyprus Antiquities – Excavated by Major Alexander Palma di Cesnola aus den National Archives of London. Christofides vereint die detailreichen Bilder archäologischer Funde, ihre chronologisch wie topographisch subjektive Klassifizierung zu einer langsamen, poetischen Kamerafahrt. Für l’histoire d’histoire d’une histoire (Installation, 2012) wurden zusammenhanglos gesammelte Laterna-Magica-Glasdias digitalisiert, teilweise bearbeitet und zu einer fiktiven Filmgeschichte in 200 Standbildern verdichtet.
Die Jury überzeugte Christofides‘ vielschichtiges Werk und ihr Projektvorschlag, in dem sich – ausgehend von einem bereits geplanten Aufenthalt – die Auseinandersetzung mit der Oberflächenprägung der Landschaft um Los Angeles fortsetzen wird und dort sozioökonomische, geologische und architekturhistorische Spuren der Zeitgeschichte verfolgt. Mit den Mitteln filmischer Montage wird die Künstlerin ein aktuelles Landschaftsbild, bestehend aus verschiedenen medialen, zeitlichen und disziplinären Quellen, zeichnen.

Marianna Christofides (*1980 in Nikosia, Zypern) lebt und arbeitet in Köln. 2011 vertrat die Künstlerin Zypern bei der 54. Biennale in Venedig. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter Stipendien der Stiftung Kunstfonds, Künstlerhaus Schloss Balmoral, Alexander S. Onassis Stiftung, Kölnischer Kunstverein und Imhoff Stiftung und war nominiert für den 8. Deste Preis in Athen. Derzeit ist sie Stipendiatin der Villa Aurora, Los Angeles. Jüngste Ausstellungen ihrer Werke fanden statt im National Museum of Contemporary Art (Athen), Gasworks (London), Kölnischer Kunstverein, Museum für Fotografie (Braunschweig), Museum für Gegenwartskunst Siegen, Kunsthalle Bremen und BOZAR Palais des Beaux-­Arts (Brüssel).

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Ilona Johanna Plattner

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Ilona Johanna Plattner

1961, Dachau
STIPENDIUM 2000

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2000 wurde an Ilona Johanna Plattner vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Iris Dressler (Gründerin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Christine Meierhofer (Kunsthistorikerin, Berlin) und Dr. Friederike Wappler (Dozentin am Kunsthistorischen Institut, Ruhr-Universität Bochum).

Begründung der Jury

Das erste Stipendium des Landes NRW für eine Medienkünstlerin aus NRW wurde an Ilona Johanna Plattner vergeben, die sich mit ihrem Konzept für www.dieMystikerin.de bewarb: einem Netzkunstprojekt, das den Status des Realen, Fiktiven und Virtuellen befragt. www.dieMystikerin.de wurde im Rahmen der Ausstellung Chiffren + Legenden (März/April 2001) in erweiterter Form (Installation Stellen im Hirn und andersWo) vorgestellt. Parallel dazu wurde die Website der Mystikerin auf dem internationalen Filmfestival „femme totale“ präsentiert. 

Stellen im Hirn und andersWo, Rauminstallation, 2001:
Ausgehend von der etymologischen Bedeutung der Stelle als „äußerstes Ende“, stellt Stellen im Hirn und andersWo die Frage nach der Wirklichkeit, nach ihrer Konstitution und Konstruktion und nach ihren Medien. Wo ist das äußerste Ende, das Unvorstellbare, dort wo das Nichts beginnt? Jede Stelle befasst sich mit einem anderen Themenkreis und/oder anderen Medien, der Handhabung und Bedeutungsgebung von Wahrnehmungskontexten. An verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten werden verschiedene Stellen kombiniert und variiert. dieMystikerin als Schaltstelle und Keimzelle stellt die Frage nach dem was eine Person ist, was eine Person ausmacht in Bezug zu Kommunikationsmedien, die keine körperliche Anwesenheit erfordern. Der materielle Träger ist jeweils ein anderer, er beeinflusst und bestimmt das wahr zu nehmende. Die Stellen variieren in Form und Inhalt, in Bild und Text, in real und fiktiv, in konkret und virtuell, in Leben und Tod; musikalische Strukturen von Wiederholung und Abwandlung. (Ilona Johanna Plattner)

www.dieMystikerin.de, Netzkunstprojekt, seit 2000, produziert im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW für Medienkünstlerinnen aus NRW:
Alles beginnt mit einer Tablette. Der Spalt lässt ein Produkt erkennen, doch darin befindet sich nicht der Stoff zur Erlösung vom Kopfschmerz, sondern vielmehr der Schriftzug, welcher diese Netzkunst-Arbeit tituliert: Die Mystikerin. Die Domain der „Mystikerin“ existiert seit Mai 2000. Seitdem nimmt die Arbeit immer neue Gestalten an. Sie ist zentraler Bestandteil eines Kernwerks („Stellen im Hirn und andersWo“) der Künstlerin Ilona Johanna Plattner.
Die „Mystikerin“ ist als offline-Werk nicht denkbar, denn sie rechnet mit dem Abonnement des Surfers und spiegelt dies durch ihre dem Web angemessene Struktur und die entsprechende Form. Der Gebrauch von schlichten Codierungen, die immer auch für den nicht allzu geübten Laien nachvollziehbar bleiben, verweist auf die Geschichte des HTTP-Protokolls und von HTML als System zur Textübermittlung und Seitenbeschreibung aus einer Zeit vor der Multimedialität. Das Werk baut nicht auf Abgeschlossenheit, ist aber auch nicht performativ im eigentlichen Sinne. Jedoch verhandelt es Zustände, die sich in der Regel um den Begriff der Virtualität, der Sprache, der KünstlerIn ranken. Insofern ist es dem Medium Internet angemessen. Nicht jedes Update ist eine Erweiterung. Manchmal sind es die kleinen Änderungen wie Streichungen, die zu einer Irritation des Besuchers führen.
Zentral ist die selbst beschreibende Komponente und die Frage nach der Identität im Zeitalter der Digitalität. Das Internet verhandelt auf vielfache Weise seit seiner Popularisierung den Begriff Identität dekonstruktiv. Das Transgendering in Chatrooms (aber auch schon in Text basierten Adventures) beispielsweise erlaubte in einem Echtzeit-Kommunikations-Regelwerk, dass sich sowohl Name als auch Geschlecht oder Gattung nach Belieben unter gesetzten Bedingungen verändern ließen. Man konnte dabei auf das Verständnis der jeweiligen Community rechnen. Doch was das Theoretisieren über solche Phänomene weitgehend außer Acht ließ, war die körperliche Verfasstheit, was zu exorbitanten Theorieblasen führte, welche in extremen Positionen den Menschen bereits in ein Nirwana aus Null und Eins lozierten.
Der Begriff der Mystikerin fungiert in Ilona Johanna Plattners Arbeit mehr als nur als Metapher. Mit der Verkoppelung eines uralten religiös-intellektuellen Phänomens und der Hinterfragung von Identitätsbehauptungen in unserer Zeit, formuliert Plattner eine Kritik an der technokratischen Einstellung zum Netz. Gleichermaßen hinterfragt die Arbeit aber intensiv die Vernetzung von Identität mit dem Begriff der KünstlerIn und spielt dies anhand von autobiografischen Details durch, welche aber durch das Medium streng genommen fiktionalisiert werden. Um die Reichweiten zu verdeutlichen, produziert Plattner immer wieder auch lokale Installationen ihrer Arbeit, exzerpiert Bilder, Textfragmente und setzt diese zu komplexen selbstbezüglichen Settings zusammen, die auf Umwegen die Literarizität des Internet entlarven. Dabei entspricht die Modularität im Realraum gleichermaßen der Arbeit im Internet.
Insofern ist www.dieMystikerin.de sowohl Zentrum als auch Peripherie einer ins Rotieren geratenen Vorstellung von Identität, Sprache und Bedeutung. (Matthias Weiß)

Anmerkung: Die Website www.dieMystikerin.de ist seit Mitte 2018 eingestellt. Im „Internet Archive“ lässt sich die letzte Version nachlesen.

Ilona Johanna Plattner (*1961 in Dachau): Kunst schaffen ist ein Befreiungsakt. Ich löse mich von den Zuschreibungen, der Moral und den bestehenden Ansichten. Ich seziere und werte um. Kunst ist wie eine Geburt. Um geboren zu werden braucht es Zeit und Geduld und Können und Übung. Dann, wenn die Kunst geboren ist, wenn sie sich ausbreitet, kann sie erschüttern, trösten und Rebellionen auslösen. Die Macht der Kunst ist eine oft unterschätzte. Sie wirkt im Untergrund, im nicht Gewussten und sie wirkt auf unvorhersehbare Weise.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Bettina Lockemann

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Bettina Lockemann

1971, Berlin
STIPENDIUM 2001

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2001 wurde an Bettina Lockemann vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Iris Dressler (ehem. Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Sophie Delvallée (Künstlerin, Avignon) und Ute Vorkoeper (Kuratorin, Hamburg).

Begründung der Jury
Das Stipendium 2001 des Landes NRW für eine Medienkünstlerin aus NRW erhielt die Künstlerin Bettina Lockemann für ihr Konzept Was habe ich eigentlich mit der Raumfahrt zu tun? Archiv der Gegenwart (Arbeitstitel). Das Projekt setzt an den vielschichtigen Überlagerungen zwischen öffentlichen und privaten Ereignissen/Erinnerungen an. Die Arbeiten Border Patrol und Position I und II von Bettina Lockemann, die im Rahmen ihres Stipediumsprojekts erarbeitet wurden, waren Teil einer internationalen Gruppenausstellung nicht weit von der wirklichkeit entfernt im Herbst 2002 im HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund. 

Bettina Lockemann (*1971 in Berlin) ist Künstlerin und Wissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt künstlerische Dokumentarfotografie. Nach einer Lehre zur Fotografin in Berlin studierte sie künstlerische Fotografie und Medienkunst in Leipzig und promovierte in Kunstgeschichte in Stuttgart. Sie war fünf Jahre lang Professorin für Praxis und Theorie der Fotografie an der HBK Braunschweig. Sie erhielt zahlreiche Förderungen und präsentiert ihre Arbeiten in Ausstellungen, Vorträgen, Fotobüchern und Texten. Sie lebt in Köln.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Aurelia Mihai

Tal_der_Träumen_Valley_©Aurelia_Mihai

Aurelia Mihai

1968, Bukarest
STIPENDIUM 2003

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2003 wurde an Aurelia Mihai vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Iris Dressler (ehem. Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Diana Ebster (ehem. Kuratorin im lothringer 13/spiegel, München) und Anja Kreysing (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2002). Die Jury hat die Stipendiatin aus 53 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Aurelia Mihais Projekt Tal der Träumer setzt an einer Auseinandersetzung mit der Geschichtskultur in den USA an. Ziel ist eine auf zwei Räume bezogene Installation, die zum einen die Ästhetiken und Sprachen der wissenschaftlichen Ausstellung sowie zum anderen des wissenschaftlich-dokumentarischen Filmes aufgreift. Kalifornien und Nevada werden zum paradoxen Austragungsort ägyptologischer Forschung und Ausgrabungen. Gegenstand der Forschung sind dabei detailgetreue Imitationen des Tutanchamun Grabes oder der Sphinx, wie sie in der Spielermetropole Las Vegas zu finden sind, sowie Film-Sets aus der Hollywood Industrie. 
Die Inszenierung einer fiktiven und „gefakten“ Altertumsforschung wird dabei von der Realität eingeholt: So wurde das Film-Set von Cecil B. De Milles Monumentarfilm Die Zehn Gebote (1923) – d.h. die Kulisse einer 30 Meter langen Tempelarchitektur – nach Ende der Dreharbeiten im Sand der Dünen von Santa Maria vergraben. Vor 10 Jahren wurden Überreste dieser Kulissen gefunden und von Archäologen untersucht. Das Filmset wurde jedoch bisher nicht gehoben. Die Jury überzeugte die sorgfältigen Vorrecherchen, der konzeptionelle Ansatz sowie die geplante Umsetzung und Präsentation des Projektes. Ausschlaggebend waren darüber hinaus die komplexen Ebenen zwischen Dokumentation, Fiktion, Wissenschaft und Illusionismus, die das Projekt Tal der Träumer einander gegenüber stellt.

Lobend erwähnt wurden darüber hinaus die eingereichten Projekte von Christine Erhard (Düsseldorf) und Monika Pirch (Düsseldorf).

Aurelia Mihai (*1968 in Bukarest, Rumänien) studierte an der Kunstakademie Bukarest, Kunstakademie Düsseldorf und an der KHM Köln. Seit 2009 lehrt sie an der HBK Braunschweig. Preise und Stipendien u.a.: E-STAR-Stipendium IEA N.Y., Stipendium der Villa Aurora, L.A., EMARE-Stipendium, HTBA Hull, Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf; EuRegio Kunstpreis; Villa Massimo Stipendium Rom und IASPIS, Stockholm. Ihre Werke wurden international ausgestellt und waren auf zahlreichen Festivals zu sehen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Anne Pöhlmann

Anne Poehlmann Bonner Kunstverein 2014

Anne Pöhlmann

1978, DRESDEN
STIPENDIUM 2006

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2006 wurde an Anne Pöhlmann vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Cornelia Sollfrank (Künstlerin, Hamburg/Celle) und Rosa Barba (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2005).

Begründung der Jury

Das NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen 2006 geht an Anne Pöhlmann (Düsseldorf) für das Projekt Skater im erweiterten Raum. Anne Pöhlmann beschäftigt sich in ihren künstlerischen Arbeiten seit längerer Zeit mit „realgewordenen Zukunftsvisionen aus der Vergangenheit“. Dieses Interesse hat sie in die Pariser Stadtviertel La Defense und Beaugrenelle gebracht. In Paris stieß sie auch auf eine Website mit Fotos von Jugendlichen, die in genau diesen Vierteln Skateboard fahren. Die Skater besetzen, so Pöhlmann, eben jene Orte „zwischen der Architektur, zwischen den definierten und umbauten Räumen“. Diese Nicht-Orte, Zwischenräume, Wege, Ecken, zweckfreien Zonen – Negativformen der sie umgebenden Architektur – tauchen wiederum bevorzugt als Szenarien in Computerspielen auf. Pöhlmann fragt, ob es sich bei diesen unbeherrschten Orten, die sich stadtplanerischen, ökonomischen, kommerziellen oder digitalen Kontrollstrukturen entziehen, nicht um die letzten romantisch-besetzten Freiräume der Großstadt handelt. Ihr künstlerisches Projekt wird anhand der zweckfreien Zonen Parallelen zwischen Stadtarchitektur und Computerspiel aufzeigen. 
Die Ergebnisse des Stipendiums wurden in der Ausstellung Walkthrough im HMKV Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Anne Pöhlmann (*1978 in Dresden) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. 2018-2019 Vertretung der Professur für Fotografie, HBK Braunschweig. Einzelausstellungen u.a Japanraum Langen Foundation und Peter Mertes Stipendium Bonner Kunstverein. Seit 2002 verschiedene Gruppenausstellungen u.a. Bon Voyage! Reisen in der Kunst der Gegenwart Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen (2020), Schluss mit reden, spielen wir! Kunsthalle Lingen (2019) und Next Generations. Aktuelle Fotografie made im Rheinland Museum Morsbroich Leverkusen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Susanne Weirich

WEIRICH_Angels in Chains_2009

Susanne Weirich

1962, Unna
STIPENDIUM 2008

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2008 wurde an Susanne Weirich vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Susanne Ackers (ehem. Geschäftsführerin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Annette Schindler (ehem. Direktorin des plug.in, Basel) und Sabine Himmelsbach (ehem. Direktorin des Edith-Ruß-Haus, Oldenburg).

Begründung der Jury
Das Konzept „Angels in Chains“ von Susanne Weirich sieht eine Untersuchung der dreiköpfigen Frauengruppe vor, die an den Tate / La Bianca-Morden beteiligt waren: Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie van Houten. Die von der Künstlerin bereits geleistete Recherche zu einschlägigen Filmen und TV-Interviews sowie YouTube-Links brachte interessantes Material zutage. Überaus spannend ergab sich in diesem Zusammenhang die Verknüpfung mit der Fernsehserie „Charlie’s Angels“, die auch im Titel der Arbeit anklingt, welche die wirklichkeitskonstituierende Rolle der Medien aufzeigt. Die geplante multimediale Installation wird die Medienbilder und -konstrukte miteinander verknüpfen und das eine Hollywood-Bild mit dem anderen überblenden. Es entsteht eine Art Re-Enactment der 1976 erstmals ausgestrahlten US-Serie „Drei Engel für Charlie“, die 2000 und 2003 als Hollywoodblockbuster erneut in Szene gesetzt worden sind. Deren Inszenierung weiblicher Selbstermächtigung korrespondiert mit der Inszenierung der Frauengruppe der „Manson Family“.
Die Jury hat besonders überzeugt, wie durch das für Frauen unlegitime gewaltsame Verhalten, welches in beiden Fällen „plausibel“ dargestellt wird, ein Gender-Diskurs hergestellt wird. Neben diesen thematischen Aspekten überzeugte die geplante technisch-formale Umsetzung, die in bestehenden Arbeiten von Susanne Weirich bereits hervorragend gelöst wurde, wie sich die Jury aufgrund des eingereichten Materials zum Werk der Künstlerin überzeugen konnte.
Die Förderung durch das Stipendium des Landes NRW für die gebürtige Künstlerin aus Unna (*1962), die seit mehreren Jahren in Berlin lebt, ermöglicht ihr, intensiv an der Konzeption und Realisierung der Installation zu arbeiten. Gezeigt wurde die fertige Arbeit im Januar 2009 in der Ausstellung „Man Son. The Horror of the Situation“ die von Frank Barth und Dirck Möllmann für die Hamburger Kunsthalle kuratiert wird und die das Thema Charles Manson und „The Family“ ausführlich beleuchtet.

Die im Rahmen des Stipendiums entstandene Arbeit wurde 2009 im HMKV Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Susanne Weirich (*1962 in Unna) zeigt in ihren prototypischen Realisierungen von Installationen, Objekten und medialen Inszenierungen diverse künstlerische Strategien. Ausgehend von einem Akzent auf Text als Material wenden sich aktuelle Werke Formen des Rituals in transkulturellen Zusammenhängen zu. Seit 2011 ist sie Professorin an der Universität Duisburg-Essen. Eine Werkschau war 2013 im Kinofilm ART GIRLS zu sehen, internationale Ausstellungen ihrer Arbeiten zuletzt in Bolivien und China.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Tina Tonagel

DortmunderU_2011

Tina Tonagel

1973, Lemgo
STIPENDIUM 2010

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2010 wurde an Tina Tonagel vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Thibaut de Ruyter (Kunstkritiker, Berlin) und Susanne Weirich (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2008).

Begründung der Jury
Die Künstlerin Tina Tonagel (Köln) entwickelt seit einigen Jahren experimentelle Arbeiten mit Overhead-Projektoren. Ausgehend von zunächst rein visuellen Installationen, bei denen kinetischen Aufbauten auf den Projektoren Bilder in Echtzeit erzeugten, ist die Künstlerin seit kurzem dazu übergegangen, diese raumbezogenen Installationen durch Klangelemente zu erweitern. Tina Tonagels Projektvorhaben „Himalaya-Variationen“ ist eine audiovisuelle Performance mit zwei Overhead-Projektoren. Auf die Auflageflächen der Projektoren werden selbstgebaute Klangerzeuger/Musikinstrumente gelegt, diese Instrumente werden live gespielt und in Echtzeit visualisiert. Das Konzept für diese „kinetische Overhead-Installation“ sowie die Experimentierfreudigkeit, der Humor und der intelligente Witz dieser Künstlerin haben die Jury überzeugt.

Das Ergebnis der Arbeit im Rahmen des Stipendiums wurde 2011 im HMKV Hartware MedienKunstVerein gezeigt.

Tina Tonagel (*1973 in Lemgo) studierte an der Universität Bielefeld und an der Kunsthochschule für Medien Köln (Abschluss 2004). Sie erhielt u.a. 2004 den Milla und Partner-Preis für Medien im Raum (Stuttgarter Filmwinter), 2008 den 5. Marler Video-Installations-Preis (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl), 2009 ein Stipendium der Kunststiftung NRW (Nachwuchsförderung) und 2011 das Arbeitsstipendium Stiftung Kunstfonds.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

kerstin Ergenzinger

Kerstin

kerstin Ergenzinger

1975, Gomadingen
stipendium 2011

Büro medienwerk.nrwFörderung


Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2011 wurde an Kerstin Ergenzinger vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstverein, Dortmund), Thibaut de Ruyter (Kunstkritiker, Berlin) und Susanne Weirich (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2008).

Begründung der Jury
Kerstin Ergenzinger (in Köln lebend) schafft raumbezogene, reaktive Installationen, wie z.B. die beeindruckende Lichtinstallation ..W / ..O KEINGRADWESTUNDKEINGRADOST (2006), die aus einer begehbaren Kiste bestand, deren Ecken durch projizierte Linien visualisiert wurden, welche sich kaum merklich verschoben. Auch die raumgreifende kinetische Installation Studie zur Sehnsucht (2007-2009), die seismologische Daten in sich langsam verändernde Berg- und Bodenformationen übertrug, beeindruckte die Jury.
Kerstin Ergenzingers Projekt Rotes Rauschen ist eine experimentelle Installation, ein pseudo-wissenschaftliches Arrangement, eine künstlerische Studie zur Erforschung des Rohmaterials unserer Wahrnehmung – und eine Skulptur. Die Künstlerin plant, einen Raum in einem alleinstehenden, nicht unterkellerten Gebäude in einen „Raumseismometer und Zustands- und Unruhemesser“ umwandeln. Dieser „lauscht den Neigungen – also den Gewichtsverlagerungen in seinem Inneren – sowie den langsamen Frequenzen des allgegenwärtigen seismischen Rauschens, das unter ihm durch den Boden wandert.“ Jeder, der einen solchen Raumseismometer betritt, verändert die Gewichtsverteilung des Ortes und verschiebt das Beziehungsgefüge im Raum.
Das Projekt wurde 2012 im Hartware MedienKunstVerein präsentiert.

Kerstin Ergenzinger (*1975 in Gomadingen) arbeitet in und zwischen den Bereichen von Skulptur, Klang, Kinetik, Licht und Zeichnung. Zentrales Thema ihrer Praxis ist das unauflösbare Beziehungsgefüge zwischen Körper und Welt, zwischen Wahrnehmung und Wahrgenommenem, zwischen sinnlichem Erkunden und der Herstellung von Sinn. Zentral sind Disziplin übergreifende Kunst- und Forschungsprojekten u.a. ist sie Mitherausgeberin der künstlerischen und akademischen Publikation “Navigating Noise” (Walther König, Berlin).

Informationen zur Künstlerin auf ihrer Website.

DENISE RITTER

Denise Ritter

DENISE RITTER

1971, Rodalben
stipendium 2012

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2012 wurde an Denise Ritter vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstVerein, Dortmund), Ute Vorkoeper (Kuratorin, Hamburg) und Kerstin Ergenzinger (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2011).

Begründung der Jury
Die oft mehrkanaligen elektroakustischen Kompositionen in den Klanginstallationen, -skulpturen und -objekten der Künstlerin und Diplom-Geografin Denise Ritter (Wohnsitz in Dortmund) gehen immer von realen Klangsituationen aus – wie z.B. den Geräuschen eines Walzwerks in Lothringen; Tönen, die die Künstlerin beim Einschlafen macht; dem Kratzen von Pflanzenblättern auf Mauerwerk; dem Funkkontakt zwischen der Erde und der Internationalen Raumstation ISS. Neben der präzisen und differenzierten Ausarbeitung der Kompositionen hat die Jury insbesondere Ritters künstlerischer Umgang mit Raum und Form überzeugt (die Künstlerin nennt sie „audiokartografische Installationen – begehbare Bodeninstallationen – mit Kartensignaturen aus Kabel, Lautsprecher und Kompositionen, die den Landschaftsraum, in dem sie entstehen, widerspiegeln“). Ihr Projektvorhaben „small world wide“ geht von dem sogenannten „Kleine-Welt-Phänomen“ aus, nach dem angeblich jeder weltweit jeden über maximal sechs Ecken kennt („six degrees of separation“). Die Künstlerin wird zehn Zielorte festlegen (z.B. die Internationale Raumstation ISS, das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meersforschung, den Kenogami-Urwald in Ontario, etc.) und über zehn „Startpersonen“ Aufnahmegeräte über eine Kette von Bekanntschaften an die zehn Zielpunkte gelangen lassen, die von zehn „Zielpersonen“ per Audioaufnahmen dokumentiert werden sollen. Das so generierte Audiomaterial wird zum Ausgangspunkt einer neuen audio-kartografischen Installation.
Denise Ritter im Interview über ihr Projekt / Website des Projekts

Denise Ritter (*1971, Rodalben) ist Klangkünstlerin. In ihren Klanginstallationen bringt sie elektroakustische Kompositionen in Einklang mit plastischen Rauminterventionen. Sie ist Dipl.-Geographin, studierte Audiovisuelle Kunst an der HBKsaar in Saarbrücken und war Meisterschülerin von Christina Kubisch. Denise Ritter ist u.a. Preisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises, ist bei Ausstellungen und Festivals im In- und Ausland vertreten und realisiert auch Klanginstallationen im öffentlichen Raum.

Informationen zu den Künstlerinnen auf ihrer Website

Céline Berger

Celine

Céline Berger

1973, Saint martin d’Hères
stipendium 2015

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2015 wurde an Céline Berger vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Denise Ritter (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2012). Die Jury hat die Stipendiatin aus 55 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Céline Berger interessiert sich einerseits dafür, wie sich prekäre Arbeitsverhältnisse in (Bild-)Sprache einschreiben (Employees, Release, beide 2010). Andererseits untersucht die Künstlerin, auf welche Weise Sprache eingesetzt wird, um die persönlichen Karriereziele innerhalb des Unternehmens zu erreichen. Sogenannte „Business Coaches“ bedienen sich dafür einer Vielzahl von Modellen und Gesprächstechniken: Neurolinguistisches Programmieren, systemische Aufstellung, Transaktionsanalyse, emotionale Intelligenz. Die Beziehung zwischen „Trainer“ (Coach) und „Klienten“ (Coachee) stellt dabei für die Künstlerin ein besonders interessantes Erzähluniversum dar: Sie ist ein Rahmen, innerhalb dessen „Geschichten der Arbeitswelt“ erzählt werden. Diese Geschichten, die sie zum Beispiel in den Fallstudien des Harvard Business Review findet, verwebt Céline Berger zu poetischen Erzählungen (z.B. in Rare birds in these lands, La Ronde, beide 2013). Der Künstlerin, deren Blick sicherlich auch durch ihren Aufenthalt in den Niederlanden geschärft wurde, gelingt so eine äußerst genaue, in manchen Momenten durchaus beängstigende Analyse der gegenwärtigen Unternehmenswelt. Die Jury ist beeindruckt von der präzisen Arbeit dieser Künstlerin, der es gelingt, aus der funktionalen Sprache unserer Arbeitswelt künstlerische Reflexionen über die zunehmend von ökonomischem Denken geprägte Gegenwart zu destillieren. Die im Rahmen des Stipendiums entstandene Arbeit Ballade wurde 2018 im Dortmunder U und in der Temporary Gallery, Köln gezeigt. Organisiert wurden die Vorführungen vom Büro medienwerk.nrw.

Céline Berger (*1973 in Saint martin d’Hères, Frankreich) untersucht das Medium Sprache. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit steht die heutige Arbeits- und Unternehmenswelt.

Informationen zu den Künstlerinnen auf ihrer Website

Vera Drebusch

Vera

Vera Drebusch

1986, herdecke
stipendium 2016

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2016 wurde an Vera Drebusch vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware Medienkunstverein, Dortmund), Thomas Thiel (ehem. Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Céline Berger (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2015, Köln). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 43 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die 1986 in Herdecke geborene und in Köln lebende Künstlerin Vera Drebusch setzt sich in ihren Foto-, Text- und Medienarbeiten mit Zeitgeschichte auseinander und aktualisiert diese in Form persönlicher Erinnerungen. So thematisiert Vera Drebusch in der Fotoarbeit Route (2014) die Vertreibung ihrer Großmutter nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Künstlerin ist die 300 km lange Route von Polen über die Tschechoslowakei nach Deutschland mit dem Fahrrad abgefahren und projiziert diese Wegstrecke als Google-Map auf ihr Dekolleté: Der Fluchtweg der Großmutter erscheint als blaue Äderung der eigenen Haut. Geisel-Radio (2014) entstand während eines Aufenthaltes in Kolumbien 2013. Jeden Samstag sendet der größte Radiosender Kolumbiens von Mitternacht bis um 6:00 Uhr des nächsten Tages Nachrichten von Familienangehörigen der vielen Entführten an die Gekidnappten im Dschungel. Die Installation besteht aus einem Radiosender und einem Weltempfänger, aus dem ein von Vera Drebusch verfasster und gesprochener Text zu hören ist – und all dies ist vor einem von hinten beleuchteten Stück Levanto Rosso (Blutmarmor) platziert. Auch in anderen Projekten arbeitet Vera Drebusch mit den Methoden der Verdichtung und der Sichtbarmachung. Ihr neues Projekt, das im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW für eine Medienkünstlerin 2016 realisiert werden soll, hat den Titel Die Höhle des Löwen.
Die Höhle des Löwen, Mixed Media Installation (Diaprojektion, in Stahl gerahmte Bilder, 50 x 70cm), 1987/2006/2016: In einem autobiografischen Werk spürt Vera Drebusch dem Verhältnis zu ihrem Kindheitsfreund nach. Wie Geschwister waren beide aufgewachsen, er nahm dann aber eine völlig andere Entwicklung: 11 Jahre lang gehörte er der rechten Szene an, war zwei Mal im Gefängnis, bis er erst kürzlich den Ausstieg schaffte. Die gemeinsamen Fotografien aus den vergangenen 30 Jahren sind stark bearbeitet, sowohl das Gesicht als auch großflächige Tätowierungen sind (auch zur Anonymisierung) ausgeschnitten. Den Versuch der Annäherung in langen Gesprächen dokumentieren Zitate, die in Handschrift vom Diaprojektor an die Wand geworfen werden. Die Empore von Sankt Peter dient als Ausstellungsort. (Mario Müller)

Vera Drebusch (1986 in Herdecke) lebt und arbeitet in Hamburg, absolvierte ein Diplom-Fotostudium in Dortmund und studierte anschließend an der Kunsthochschule für Medien Köln, an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá und als Gast an der Hochschule für Künste Bremen und der Kunsthochschule Kassel. 2013 gründete sie den Ausstellungsraum GOLD+BETON am Kölner Ebertplatz. Von 2015 bis 2019 übernahm sie Lehraufträge am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität zu Köln sowie an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn. Für den Westdeutschen Künstlerbund kuratierte sie Ausstellungen im In- und Ausland.


Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Pauline M‘barek

Pauline

Pauline M‘barek

1979, Köln
stipendium 2017

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2017 wurde an Pauline M’Barek vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV Hartware MedienKunstverein, Dortmund), Thomas Thiel (Direktor des Kunstverein Bielefeld) und Céline Berger (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2015). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Die 1979 in Köln geborene und dort lebende Künstlerin Pauline M‘barek setzt sich in ihren multimedialen Inszenierungen mit grundsätzlichen Fragen der menschlichen Wahrnehmung auseinander. Gegenstand ihrer Video- und Audioinstallationen, Skulpturen, Zeichnungen sind Medien der Wahrnehmung (Vitrine, Halterungen) sowie die Sinne selbst. Die Wechselwirkungen von Sehen, Hören und Tasten beschäftigen die Künstlerin ebenso wie die Bedeutung der Körperlichkeit für die Wahrnehmung. In der fortlaufenden Kreuzung von objektiven und subjektiven Perspektiven relativiert M‘barek unsere Wahrnehmung von Welt. So werden aufgrund eines schwarzen Bildhintergrunds in ihrem Video Semiophoren (2013) schwarze, ethnologische Objekte für den Betrachter erst durch Gesten der Berührung mit weißen Handschuhen sichtbar. Im Gegensatz dazu zeigt die Werkserie Artifacts (2014) individuelle Formen der Berührung, indem die Künstlerin einzelne Handbewegungen in fremd wirkenden Artefakten aus Alabastergips abbildet. In Folge der verschiedenartigen Übersetzung taktiler Erfahrung beschäftigte sich die Künstlerin in ihrem Video Glance (2014) oder der Fotografie Selbstporträt nach Ernst Mach (2014) auch mit den möglichen Berührungen des Auges und einer Materialität des Sehens.
Ihr neues Projekt mit dem Titel Glance – der Körper im Blick, das im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW für eine Medienkünstlerin 2017 realisiert werden soll, wird diese künstlerische Untersuchungen zum Sehen als taktiler Prozess fortsetzen. Geplant ist die Produktion eines Videos, das an Erkenntnisse früherer Arbeiten anknüpft und den Körper als eigentliches Medium der Wahrnehmung in den Mittelpunkt stellt. Unter professionellen Bedingungen möchte die Künstlerin diesmal den subjektiven Blick des Betrachters mit Makroaufnahmen der Pupille einfangen und gleichzeitig als Spiegel einer architektonischen Umgebung und körperlichen Bewegung im Raum einsetzen. Da sich in der Pupille auch der Körper (Nase, Hände, Beine etc.) spiegelt, erkunden wir mit den Augen eines Anderen im Video einen uns fremden Raum und folgen den minimalen Bewegungsabläufen einer einstudierten Performance. So entsteht im Luhmannschen Sinne eine „Betrachtung zweiter Ordnung“ oder ein langsames „Tasten mit dem Blick“ (Merleau-Ponty) – dank eines natürlichen Zerrspiegels, dem Glanz (Glance) im Blick.

Pauline M‘barek (*1979 in Köln) lebt und arbeitet in Brüssel und Köln, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (2000-2007), École Supérieure des Beaux-Arts in Marseille (2003-2004) und schließlich postgradual Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln (2007-2009). Die Jury ist beeindruckt von dieser medial vielseitigen und dennoch sehr fokussiert arbeitenden Künstlerin, die schon jetzt auf ein sehr eigenständiges Werk und zahlreiche wichtige Auszeichnungen zurückblicken kann.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Nico Joana Weber

Nico

Nico Joana Weber

1983, Bonn
stipendium 2018

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2018 wurde an Nico Joana Weber vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV, Dortmund), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Pauline M’Barek (Künstlerin und NRW-Medienkunststipendiatin 2017). Die Jury wählte den Stipendiaten aus 56 Bewerbungen aus.

Begründung der Jury

In ihren Arbeiten forscht Nico Joana Weber entlang dichotomisch gedachter
Strukturen wie Zentrum – Peripherie, Architektur – Natur, Innen – Außen und
überführt sie in einen Zustand des Hybriden. Oder vielmehr: sie seziert das
diesen Strukturen bereits immanent Hybride und legt es offen. Ausgangspunkt
ihrer Untersuchungen sind oftmals architektonische Körper, an und in denen
sich Narrative historischer und kultureller Aneignungs- und Wandlungsprozesse
ablesen lassen. So vollzieht Nico Joana Weber beispielsweise in Arbeiten wie
„Monstera Deliciosa“ (2018) oder „Unstable Landscape“ (2016) nach, wie sich
westlich geprägte Architekturen in der tropischen Umgebung Südamerikas
verorten. Die Architekturen werden hier nicht allein als Ausdruck der Dominanz
einer Kultur und ihrer Technik gegenüber einer anderen gezeigt. Vielmehr wird
die Verletzlichkeit dieser Gebäude offen gelegt, die sich als Fremdkörper
gegenüber den lokalen Verhältnissen behaupten müssen.

Im Rahmen des hier vergebenen Stipendiums will Nico Joana Weber ihr Projekt
„Hybrid Moments“ (AT) weiter voranbringen. Das Projekt nähert sich der
kolonialen Vergangenheit Nigerias über die unterschiedlichen architektonischen
Stile, die dort als Erbe zum einen der britischen Kolonialisierung und zum
anderen des von Nigeria ausgehenden Sklavenhandels der Portugiesen in die
damalige Kolonie Brasilien heute noch zu finden sind. Zentral sind hierfür
sowohl die realisierten Entwürfe von Architekten des Department of Tropical
Architecture, das sich 1955 – 1970 an der Architectural Association in London
formiert hatte, als auch die sogenannten Brazilian Houses, die von aus Brasilien
zurückgekehrten ehemaligen Sklaven in Lagos entworfen wurden. Architektur
wird hier nicht nur als Manifestation globaler historischer Prozesse und als
hybrider kultureller Baukörper erlebbar, in dem Einflüsse aus Zentrum und
Peripherie gleichberechtigt ineinanderfließen. Sie wird zugleich als ein im Verfall
begriffenes Kulturgut, das im Übergang zwischen Moderne und Gegenwart
verloren zu gehen droht, dauerhaft dokumentiert. Wir sind sicher, dass Nico
Joana Weber in ihren Bildern und der späteren installativen Umsetzung im Raum
überzeugende Mittel und Wege der Darstellung für diese komplexen Prozesse
finden wird und freuen uns daher, sie mit dem Stipendium für
Medienkünstlerinnen des Landes NRW bei diesem ambitionierten Projekt
unterstützen zu können.

Nico Joana Weber (*1983 in Bonn) arbeitet mit Video, Fotografie und multimedialen Rauminstallationen. Sie studierte Bildende Kunst und Kunstgeschichte am Goldsmiths College in London und schloss 2013 ihr Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln ab. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den ästhetischen und politischen Prägungen von Architektur und Landschaft in transkulturellen Kontexten.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Bild: Nico Joana Weber, No Longer A Single Root (2021), Filmstill © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Vanja Smiljanić

Vanja

Vanja Smiljanić

1986, Belgrad
stipendium 2019

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2019 wurde an Vanja Smiljanić vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Direktorin des HMKV, Dortmund), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Pauline M’Barek (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2017). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 56 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Vanja Smiljanić interessiert sich für spekulative Narrationen, feministische Science Fiction und einen neuen Materialismus, der das Physische mit dem Jenseitigen verbindet. Seit 2010 setzt sie sich mit der neuen religiösen UFO-Bewegung „Cosmic People“ auseinander. Nach vielen erfolglosen Versuchen wurde Smiljanic 2013 schließlich Mitglied und bezeichnet sich heute selbst als „Senior Architect“ der „Library of Light“ der „Cosmic People“, also des Archivs, deren Inhalte sie ‚von innen heraus’ zu verändern beginnt. In Lecture-Performances berichtet sie von dieser (subversiven) Tätigkeit. Vanja Smiljanic reflektiert aus einem ambivalenten Innen heraus über ihr Sujet – und lässt in neuartigen Live-Formaten eine interessierte Öffentlichkeit an ihrer künstlerischen Forschungsarbeit teilhaben.

Im Rahmen des Stipendiums wird Vanja Smiljanić an ihrem experimentellen Dokumentarfilm Herland arbeiten. Dazu wird sie mit Mitgliedern der „neuen religiösen Bewegung“ „Unarius“ zusammenarbeiten, einem religiösen UFO-Kult, der 1954 im kalifornischen El Cajon (USA) gegründet wurde. Wie in früheren Projekten versucht die Künstlerin, die von dieser Gruppe entwickelten „unwissenschaftlichen“ Praktiken als alternative Methoden kritischen Denkens einzusetzen. Bei Unarius interessiert sich Vanja Smiljanić insbesondere für die dort praktizierte „Past Life Therapy“. Diese deutet die Künstlerin um in eine „Choreografie des Werdens“, die zu einem „trans-persönlichen Zustand“ führen soll. Im Zentrum des Films wird Billie Stafford stehen, eine 78-jährige Frau, die in ihren früheren Leben angeblich u.a. Leonardo da Vinci, eine illegitime Tochter von Maria Theresia von Österreich und Charlotte Perkins Gilman war. Charlotte Perkins Gilman (1860-1935) war eine utopische feministische Autorin und eine intellektuelle Anführerin der amerikanischen Frauenbewegung. Ihr Buch Herland (1915) schildert eine fiktive, nur aus Frauen bestehende Gesellschaft, die frei von Krieg, Gewalt und Herrschaft ist. Ausgehend von Interviews mit Stafford/Gilman wird Vanja Smiljanić ein experimentelles Dokumentarformat entwickeln, das die Betrachter*innen auf eine Reise in die Geschichte feministischer und anarchistischer Science Fiction, Cyberfeminismus und Tech Noir mitnimmt. Dr. Inke Arns für die Jury

Die Arbeit „Orion Debacle“ wurde im April 2019 als Video des Monats beim Hartware MedienKunstVerein gezeigt.

Vanja Smiljanić (*1986 in Belgrad) ist eine in Belgrad geborene und in Köln lebende Künstlerin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der bildenden Kunst, Video und Performance. In ihrer Praxis nutzt sie oft das Modell der Performance-Vorlesung als einen Weg, um fiktive und erfahrbare Universen zu überbrücken, die technische Apparate, Diagramme und sci-fi Povera-Skulpturen umfassen. Ihre Arbeit verbindet ansonsten unvergleichbare Realitätssysteme und bezeugt die Grundlage von Ideologien als entfremdete Regime, wobei sie ihren eigenen Körper als Medium der Narration verwendet und oft zwischen der Position des Orakels und der Geschichtenerzählerin wechselt.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Julia Weißenberg

Julia Weißenberg

Julia Weißenberg

1982, Bergisch Gladbach
STIPENDIUM 2020

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2020 wurde an Julia Weißenberg vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Welche Erzählungen liegen unter den Oberflächen von Architekturen, Objekten, Produkten, die uns tagtäglich umgeben? Welche Geschichten sind darin verwoben? Welche Politiken des gesellschaftlichen globalen Miteinanders verbergen sich hinter dem Schein des Äußerlichen? Julia Weißenberg erforscht diese Politiken in ihren Werken mit unterschiedlichsten Medien und Formaten und legt sie offen. Es sind die Geschichten von Rohstoffen, die wir in Form von Kleidung oder technischem Gerät tagtäglich am Körper tragen und die, in ihrer Reinform betrachtet, globale Abhängigkeitsverhältnisse und Handelswege offenbaren. Es sind die Erzählungen von Marken und Produkten, die sich als unsichtbare Schichten über unsere Wahrnehmung und unsere Körper legen. Und es sind die Architekturen, die in ihrer Verortung in Raum und Zeit Utopien und Weltsichten manifest werden lassen. Julia Weißenberg bricht diese Oberflächen mit gezielten Interventionen auf und lädt uns ein, genauer hinzusehen. 
Auch in ihrem Projekt The Habitat, mit dem sich Julia Weißenberg auf das Stipendium für Medienkünstlerinnen beworben hat, blickt die Künstlerin hinter die Kulissen zeitgenössischer Architekturen und fragt danach, wie sich verschiedene Formen von Arbeit in den Formen unseres Wohnens spiegeln. Konkret vergleicht sie hier die Lebensräume der „digitalen Nomaden“ mit denen chinesischer Wanderarbeiter in sogenannten „Urban Villages“. Während erstere ihren Wohnort selbst nach eigengesetzten Kriterien bestimmen und das Leben aus dem Koffer als den Luxus der Freiheit eines westlichen Lebensstils begreifen, sind die anderen Spielball übergeordneter Machtverhältnisse und zu einem Leben und Wohnen in einem dauerhaft temporären Zustand zwischen Abriss und Neuanfang verdammt. Wie lässt sich unter diesen jeweiligen Verhältnissen und in den dafür vorgesehenen Architekturen ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Identität herstellen, und welche Verbindung müssen unsere menschlichen Körper hierfür mit den architektonischen Körpern eingehen? Welche Bedeutung haben diese Kategorien überhaupt noch für ein modernes Nomadentum? Und gibt es ein Recht auf so etwas wie Heimat? Wir freuen uns, mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Landes NRW Julia Weißenberg dabei zu unterstützen, dieses Projekt umzusetzen, und sind gespannt auf die neuen Lesarten, die sie uns dadurch eröffnen wird. Tasja Langenbach für die Jury

Julia Weißenberg (*1982 in Bergisch Gladbach) hat an der FH Düsseldorf sowie der Kunsthochschule für Medien Köln studiert und dort 2012 ihr Studium abgeschlossen. 

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin

Sophia Bauer

Sophia Bauer

Sophia Bauer

1987, EBERSBERG
STIPENDIUM 2021

Büro medienwerk.nrwFörderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2021 wurde an Sophia Bauer vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Im Zentrum von Sophia Bauers künstlerischer Praxis steht die Auseinandersetzung mit Klang als historischem Dokument und Ressource für neue Formen der Wissensproduktion: „Das Denken durch Klang als einem Netzwerk von Verbindung und Zugehörigkeit hilft uns, Strukturen von Ausgrenzung in Frage zu stellen“, so die Künstlerin. Dabei versteht sie Sound „als ein Medium, das die Kernideen der Trennungskonzepte des europäischen Imperialismus und Kolonialismus“ kritisch beleuchten kann. In ihren Werken – zuletzt vorwiegend Klanginstallationen und Sound-Archive – befragt Sophia Bauer die tradierten hierarchischen Strukturen eines asymmetrischen Machtverhältnisses zwischen Mensch und Natur. Mithilfe von Soundaufnahmen werden die Nachwirkungen kolonialer Strukturen, wie sie sich beispielsweise in den biosozialen (Kommunikations-)Netzwerken von domestizierten Wäldern manifestieren, aufgespürt und offengelegt, um durch eine Rekontextualisierung alternative Zusammenhänge zu schaffen und neue Erkenntnisse für postkoloniale Diskurse zu gewinnen.
In ihrem mehrteiligen Werkkomplex Forest Scapes (seit 2019) erforscht Sophia Bauer den Einfluss des – in die botanische und zoologische Taxonomie eingeschriebenen – Kolonialismus auf verschiedene Waldlandschaften. Anknüpfend an ihre Klanginstallation Kereita Forest Block über eine Zypressenplantage im kenianischen Hochland, plant die Künstlerin nun im Rahmen des NRW Stipendiums für Medienkünstlerinnen eine umfassende Klangstudie über den Arabuko Sokoke Forest, einem der letzten noch weitgehend intakten trockenen Küstenwälder Ostafrikas mit einer Fläche von 420 Quadratkilometer. Im Mittelpunkt von Sophia Bauers akustischer Aufarbeitung steht ein Neudenken des Beziehungsgeflechts zwischen Bewohner*innen, Nutzer*innen, Orten und Pflanzen. Das künstlerische Ausgangsmaterial reicht dabei von aus der Kolonialzeit stammenden Berichten aus dem National Archive of Kenya über Interviews bis hin zu mit hochsensiblen Kontaktmikrofonen aufgezeichneten Klängen von Bäumen, Vögeln und Insekten. Aus diesem Repertoire programmiert Sophia Bauer eine Sound-Komposition, die auf Grundlage von akustischen Merkmalen zu einem sich stetig verändernden Klanggeflecht arrangiert und in eine räumliche Installation gebracht wird. Sophia Bauer hat uns mit ihrer Klangstudie Forest Scapes: Arabuko Sokoke Forest überzeugt, die verspricht eine komplexe, tiefgehende und politische Erfahrung von Naturräumen und Kulturlandschaften zu ermöglichen. Wir freuen uns, dieses transkontinentale Vorhaben mit dem NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen unterstützen zu können.

Sophia Bauer (*1987 in Ebersberg) arbeitet in ihren installativ-multimedialen Werken vorrangig mit Klang, Video und Fotografie. Sie hat Afrikanische Sprachen, Literatur und Kunst an der Universität Bayreuth studiert und 2019 ihr Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln abgeschlossen.

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin