Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst | Kris Dittel: „ON KINSHIP“

Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst | Kris Dittel: „ON KINSHIP“

FELLOW: Kris Dittel

MedienkunstfellowsResearch

Laufzeit: März bis Dezember 2022


Kris Dittel ist derzeit Medienkunstfellow NRW an der Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Köln. Während ihres Stipendiums ist sie an dem Forschungsprojekt „On Kinship“ zu Formen der Verwandtschaft beteiligt, in dem sie über utopische Formen der Verwandtschaft jenseits von Eigentumsverhältnissen und der sozialen Reproduktion von Normen spekuliert. Es geht um eine Kritik an der Kernfamilie mit dem Ziel, den hinterfragenden Geist auf Praktiken des kollektiven Lernens, des Teilens und des Nachdenkens über andere Formen der Organisation des Lebens und der sozialen Reproduktion auszuweiten. Kris Dittel interessiert sich für Themen wie die Abschaffung der Familie, queere Verwandtschaft, reproduktive Gerechtigkeit, die Rolle der Technologie bei der Gestaltung von Beziehungen sowie Überlegungen zur Kindererziehung. Das Projekt zielt darauf ab, gemeinsam über die Frage nachzudenken, wie Gemeinschaften aufgebaut werden können, die über die normative Familieneinheit hinausgehen, in einer Welt, die darauf ausgerichtet ist, soziale Beziehungen über die private sozioökonomische Organisation der Kernfamilie zu regeln. Anstatt „neue Modelle“ oder universalistische „Ideale“ zu präsentieren, will das Projekt von der Idee der Blaupausen abweichen und hofft, gemeinsam die Frage zu erörtern, wie Gemeinschaften aufgebaut werden können, die über die normative Familieneinheit hinausgehen, in einer Welt, die darauf ausgerichtet ist, die sozialen Beziehungen über die private sozioökonomische Organisation der Kernfamilie zu regeln.

Das Projekt beinhaltet eine gemeinsame Forschung zwischen der Stipendiatin Kris Dittel und der Direktorin der Temporary Gallery, Aneta Rostkowska. Zusätzlich findet die Studiengruppe „Forms of Kinship“ statt. Diese Reihe von Treffen zielt darauf ab, gemeinsam über die Art und Weise nachzudenken, wie wir Beziehungen in und mit der Welt außerhalb der Kernfamilienstruktur gestalten. Die Treffen finden monatlich statt, online. Jede Sitzung wird von einem eingeladenen Gast geleitet, darunter Künstler, Denker, Dichter, Aktivisten und andere.

Kris Dittel ist Kuratorin, Redakteurin und gelegentliche Autorin in Rotterdam. Ausgehend von ihrem Hintergrund in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften achtet sie in ihrer kuratorischen Praxis auf den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Kontext ihrer Arbeit. Ihre langfristigen Forschungsprojekte werden auf vielfältige Weise realisiert: in Form von Ausstellungen, Performances, Publikationen, Vorträgen, öffentlichen Veranstaltungen und anderem. Zu ihren jüngsten Forschungsinteressen gehören On Kinship (Temporary Gallery, Köln 2022); The Voice as Material (Post-Opera bei TENT, V2_, Operadagen Rotterdam, 2019); und The Question of Value (The Trouble with Value bei Bunkier Sztuki, Krakau und Onomatopee, Eindhoven, 2016-19). Zusammen mit Eloise Sweetman ist Kris Dittel Co-Moderatorin von I Hope This Message Finds You Well, einem Podcast über das Kuratieren.

Ihre neueste Veröffentlichung, The Material Kinship Reader, die sie gemeinsam mit Clementine Edwards herausgegeben hat, befasst sich mit Material jenseits der Extraktion und Verwandtschaft abseits der Kernfamilie (Onomatopee, 2022). Zu ihren früheren Sammelbänden gehören The Trouble with Value: Art and Its Modes of Valuation (Onomatopee, 2020), Marjolijn Dijkman: Radiant Matter (Onomatopee, 2018), The Economy is Spinning (Onomatopee, 2017) und Antonis Pittas: Road to Victory (gemeinsam mit Clare Butcher herausgegeben, Mousse Publishing und Hordaland Kunstsenter, 2017).

Weitere Informationen über Kris Ditte

VERANSTALTUNGEN ZUM PROJEKT FORMS ON KINSHIP

FORMS OF KINSHIP – LIQUID DEPENDENCIES
Sa 19 Februar 2022, 18 Uhr


Eine Veranstaltung des documenta Instituts in Zusammenarbeit mit Temporary Gallery. Zentrum für zeitgenössische Kunst.
Mit Aneta Rostkowska (CCA Temporary Gallery, Köln), Kris Dittel (freie Kuratorin), Aiwen Yin (ReUnion Network / Liquid Dependencies)
Moderation: Mi You

Weitere Informationen über FORMS OF KINSHIP – LIQUID DEPENDENCIES

FORMS OF KINSHIP — ON FAMILY ABOLITION
Vortrag von Sophie Lewis
Mi 16 März 2022, 19 Uhr


Die Abschaffung der Familie ist ein aufgeladener Begriff, der oft augenblicklich die Reaktion „Aber ich liebe meine Familie!“ hervorruft. Mit Sophie Lewis werden wir diskutieren, was mit Familienabschaffung gemeint ist, was sie mit Liebe und kollektiver Fürsorge zu tun hat, warum wir die Familie und ihre utopische Vision abschaffen sollten. Sophie Lewis wird auch darüber nachdenken, was die Abschaffung der Familie in politischen Kontexten bedeutet, in denen die indigene, minoritäre und rassifizierte Familie immer schon vorher abgeschafft ist.

Dokumentation FORMS OF KINSHIP — ON FAMILY ABOLITION. A talk by Sophie Lewis

FORMS OF KINSHIP — THE MATERIAL KINSHIP READER
Gespräch mit Kris Dittel, Clementine Edwards und Vortrag von Joannie Baumgärtner
Fr 29 April 2022, 19 Uhr


Was bedeutet es, die eigene Nähe, die Verstrickungen oder gar die Verwandtschaft mit der materiellen Welt anzuerkennen? Und was bedeutet es, Familienstrukturen zu hinterfragen — die Art und Weise, wie sie bestimmte Lebensformen organisieren, ihnen Zwänge auferlegen und sie abweichen lassen — und in anderen Möglichkeiten der Verwandtschaftsbildung zu verweilen? The Material Kinship Reader ist nicht nur ein fröhliches Überdenken von Objekten oder ein polyamores Herumtollen in Beziehungen — das Buch rechnet mit der extraktivistischen Geschichte von Material und den sozialen Beziehungen, die einen Großteil des heutigen Lebens bestimmen, ab.

Weitere Informationen über FORMS OF KINSHIP – THE MATERIAL KINSHIP READER

FORMS OF KINSHIP — RADICAL DREAMING
Workshop mit Georgy Mamedov
So 15 Mai 2022, 14—19 Uhr


Für viele Menschen ist Schlaf in stressigen Situationen eine Strategie der Flucht. Wir wollen einschlafen, in der Hoffnung, dass nach dem Aufwachen der stressige Zustand vorbei ist. Der Schlaf ist ein vorübergehender Zustand, eine Zufluchtsort vor der bedrängenden und schrecklichen Realität. In Träumen erscheinen komplexe, sonst nie zuvor erfahrene Welten und nie zuvor erlebte Gefühle. Träume haben die Kraft, zu erschrecken und zu beunruhigen, aber auch zu heilen und zu befreien. Träumen ist eine sehr persönliche, sogar intime Erfahrung, die oft zu peinlich ist, um sie mit anderen zu teilen.

Doch genau das möchte ich tun – Freunde und Fremde in meinen Traum einladen; jeden die Traumwelt, die ich selbst einmal besucht habe, erforschen und besiedeln lassen. Es ist eine Welt, in der die Menschen die Chance haben, ewig zu leben. Doch wenn und falls sie sich entscheiden zu sterben, verwandeln sie sich in menschenerschaffene Objekte. Welches Objekt würden Sie nach dem Tod werden wollen? Was bedeutet der Tod überhaupt? Was geschieht mit Verwandtschaft, Liebe und Zugehörigkeit in einer Welt, in der der ontologische Unterschied zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen willkürlich wird? Wir werden gemeinsam in diese Fragen eintauchen und versuchen, einige Antworten zu finden, die möglicherweise etwas Licht und Hoffnung in unsere gegenwärtige düstere und beängstigende Welt bringen.

Weitere Informationen über FORMS OF KINSHIP – RADICAL DREAMING

FORMS OF KINSHIP — THE POWER OF DREAMS
Lesung und Talk mit Georgy Mamedov
Mo 16 Mai 2022, 17—19 Uh
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In Träumen sind Alltäglichkeit, Fantasie, individuelle Ängste und kollektive Sehnsüchte oft auf die seltsamste Weise miteinander verbunden. Können wir die Kraft dieser seltsamen Gegenüberstellungen möglicherweise für eine radikale (Neu-)Vorstellung der Welt, in der wir leben, nutzen? Audre Lorde beginnt ihre „Notes from a Trip to Russia“ (1976) mit der Erinnerung an einen erotischen Traum während ihres Besuchs in Moskau. Georgy Mamedov wird dieses kurze Fragment als Einladung zu einem Gespräch über die Macht der Träume als Mittel radikaler Imagination lesen. Lasst uns Träume teilen und sehen, wohin sie uns führen!

Weitere Informationen über FORMS OF KINSHIP – THE POWER OF DREAMS

Die Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst ist eine gemeinnützige Institution für zeitgenössische Kunst in Köln. In 2009 als Kunstverein gegründet, wurde sie in den Jahren 2012-2018 von der Kunsthistorikerin und Kuratorin Regina Barunke geleitet. Im Januar 2019 hat Aneta Rostkowska die Leitung der Galerie übernommen. In Einzel- und Gruppenausstellungen stellt die Temporary Gallery junge oder wiederentdeckte, vielfach internationale Positionen vor. Seit 2014 wird die Temporary Gallery von der Stadt Köln als Zentrum für zeitgenössische Kunst institutionell gefördert.

Weitere Information über Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Abb. Quelle: @ Konrad Klapheck. The Superman (Der Supermann), 1962. Ludwig Museum I ©Christopher Leaman. Sophie Lewis, 2019 I © Pan Yannan

Stiftung Zollverein | Julia Kaganskiy & Juliette Bibasse: „A Model World“

Bildschirmfoto 2021-05-05 um 14.16.40
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Stiftung Zollverein | Julia Kaganskiy & Juliette Bibasse: „A Model World“

FELLOWS: Julia Kaganskiy & Juliette Bibasse

MedienkunstfellowsResearch

Laufzeit: Dezember 2021 bis Juni 2022
A Model World ist ein Forschungsprojekt, das sich mit neuen Techniken zur Veränderung des Klimas, allgemein bekannt als Geoengineering, beschäftigt und diese aus Sicht der visuellen Kultur betrachtet. Es wurde von den Kuratorinnen Julia Kaganskiy und Juliette Bibasse im Frühjahr 2021 initiiert und läuft derzeit noch.

Wie der Kunsthistoriker T.J. Demos betont, scheint die Vorstellung, dass wir im Zeitalter des Anthropozäns leben, „die Notwendigkeit von Geoengineering zu implizieren“. Es lohnt sich daher, darüber nachzudenken, wie es dazu gekommen ist und wie spezifische Formen der Repräsentation, der Wissensproduktion, der Macht und des Begehrens das Konzept der Klimamanipulation nicht nur denkbar, sondern (für einige wenige Privilegierte) auch greifbar gemacht haben.
Einige würden sagen, dass der Mensch das Klima schon die ganze Zeit unabsichtlich verändert hat, so dass wir das Steuer genauso gut selbst in die Hand nehmen können. Diejenigen, die diesen Standpunkt vertreten, neigen dazu, die Klimasysteme der Erde als leichter zu regulieren anzusehen als die menschlichen Aktivitäten, die sie gestört haben. Viele Wissenschaftler warnen jedoch davor, dass wir die Umweltsysteme einfach nicht gut genug verstehen, um mit Zuversicht technische Lösungen einzuführen, und weisen darauf hin, dass die potenziellen Risiken zu groß sein könnten, um etwas wie Geoengineering verantwortungsvoll zu versuchen. Andere befürchten, dass Geoengineering ein „moralisches Risiko“ darstellt, da es die politische und soziale Notwendigkeit, die Emissionen fossiler Brennstoffe zu reduzieren, verringert. Trotz dieser Bedenken berücksichtigt der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) der Vereinten Nationen seit 2018 in seinen Modellprognosen Klimamaßnahmen wie den großflächigen Abbau von Kohlendioxid und stellt fest, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als 1,5 °C nicht mehr allein durch die Senkung der Emissionen erreicht werden kann. Sogar Solar Geoengineering, der radikalere und riskantere Ansatz, wird von einigen als „unvermeidlich“ angepriesen.

Unser Forschungsinteresse an diesem Thema wurde zum Teil durch mehrere neuere populärwissenschaftliche Bücher wie Holly Jean Bucks After Geoengineering, Oliver Mortons The Planet Remade und Elizabeth Kolberts Under a White Sky angeregt, aber auch durch die Beobachtung, dass Künstler*innen langsam beginnen, sich in diesen Bereich vorzuwagen, indem sie die Geschichte der vom Menschen gestalteten Eingriffe in das Klima erforschen, technologische Lösungsansätze für das Umweltmanagement problematisieren, die implizite materielle Wiederherstellung der Atmosphäre untersuchen und ethische Fragen darüber aufwerfen, wem diese Eingriffe letztendlich zugute kommen.

Dank des Forschungsstipendiums des Medienwerks NRW konnten wir einen einmonatigen Aufenthalt in der Zeche Zollverein in Essen absolvieren, der im Rahmen des ersten Künstleraufenthalts des NEW NOW Festivals stattfand. Nordrhein-Westfalen schien uns aufgrund seiner Bergbauvergangenheit und seines Schwerpunkts auf industrieller Innovation ein geeignetes Terrain zu sein, um unsere Recherchen zu aktuellen technologischen Lösungen für den Klimawandel durchzuführen. Das Stipendium und der Aufenthalt gaben uns die Möglichkeit, die Wissenschaft des Geoengineering und die kritischen Diskurse, die es umgeben, zu vertiefen sowie Interviews mit Wissenschaftlern, Forschern, Künstlern und Kuratoren zu führen, deren Arbeit sich mit diesem Themenbereich überschneidet.

Heute ist Geoengineering noch weitgehend hypothetisch, aber wie die Umweltsoziologin Holly Jean Buck anmerkt, „ist es ein Thema, das wahrscheinlich nicht verschwinden wird, bis entweder ernsthaft Schadensbegrenzung betrieben oder das Konzept des Geoengineering durch etwas Besseres ersetzt wird; solange sich der Klimawandel verschlimmert, ist das Gespenst immer da“.

Die Ergebnisse unseres Aufenthalts und unsere bisherigen Forschungen sind auf der Projektwebsite zu finden: www.a-model-world.net/

Die gemeinnützige Stiftung Zollverein wurde 1998 von der Stadt Essen und dem Land Nordrhein-Westfalen gegründet, Zustifter ist der Landschaftsverband Rheinland. Neben der Förderung von Kultur und Denkmalpflege hat die Stiftung die zentrale Aufgabe, die Bestandsgebäude und Anlagen des UNESCO-Welterbes Zeche und Kokerei denkmalgerecht zu erhalten, zu sichern und für eine künftige Nutzung zu entwickeln. Mehr Infos auf www.zollverein.de/

Abb. Quelle: www.a-model-world.net

Fringe ensemble | Fehime Seven: „SHARING SPACE“

MAP TO UTOPIA

Fringe ensemble | Fehime Seven: „SHARING SPACE“

FELLOW: Fehime Seven

MedienkunstfellowsPerformance

Laufzeit: Fortlaufend

(Auszug aus Projektbeschreibung)
Wir möchten die Rahmenbedingungen einer Performance neu denken, erweitern und mit ursprünglichen Formaten verbinden. Wir möchten eine Situation erschaffen, in der ein hybrides Publikum sich als Gemeinschaft erlebt. Wir möchten erforschen, wie sich das neue Verständnis von Begegnung und Nähe auf den Theaterraum auswirkt.

Unsere Forschung wird an der Zusammenarbeit von Fehime Seven und dem fringe ensemble im Projekt „Map to Utopia“ anknüpfen. Das Projekt, eine deutsch-türkische Kooperation, entwickelte von 2019 bis 2020 ein interaktives Performancedesign, welches Corona bedingt zunächst als ein hybrides dann als ein rein digitales Format entwickelt wurde. Die Situation, auf eine Produktion hinzuarbeiteten, gab uns die Chance an Rahmenbedingungen und inhaltlich verknüpft die technischen Möglichkeiten im Detail zu erfahren und das Feedback des Publikums zu sammeln.

Das Fellowship erlaubt es uns einerseits einen Schritt zurückzutreten und unsere Erfahrungen zu überprüfen, den Blick zu öffnen für neue Formate und andererseits eine erfolgreiche Zusammenarbeit fortzuführen. 

Das Bonner fringe ensemble wurde 1999 von Frank Heuel gegründet. Unter seiner Leitung sind bislang über 80 Produktionen, Projekte und Projektreihen entstanden. Das fringe ensemble arbeitet mit einem freien und offenen Ensemble freiberuflicher, professioneller Schauspieler*innen – ergänzt durch produktionsabhängig ausgesuchte Musiker*innen, Videokünstler*innen und Autor*innen.

Abb.: © fringe ensemble |  © Fehime Seven | © Tanja Evers

Burg Hülshoff – Center for Literature | Andreas Bülhoff: „TAB TALKS“

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Burg Hülshoff – Center for Literature | Andreas Bülhoff: „TAB TALKS“

FELLOW: Andreas Bülhoff

MedienkunstfellowsResearch

Laufzeit: Dezember 2021 bis Juni 2022
Ab Dezember 2021 bis Juni 2022 arbeitet Andreas Bülhoff, Autor, Wissenschaftler und Medienkünstler aus Berlin als Medienkunstfellow an der Burg Hülshoff – Center for Literature (CfL). Bülhoff beschäftigt sich in seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung mit dem Einfluss der Digitalisierung auf Praktiken von Textproduktion und -rezeption wie Schreiben, Publizieren und Lesen. Während dem Fellowship entwickelt Andreas Bülhoff den Tab Talk, ein digitales Veranstaltungsformat zwischen Studio Visit und Werkstattgespräch. Arbeitsthese: Schriftstellerische Arbeit findet heute im Wesentlichen am Computer statt. Der Tab Talk macht über die Funktion „Bildschirm teilen“ Unsichtbares sichtbar und gewährt einen einzigartigen Zugang zu den digitalen Schreibumgebungen von Autor*innen: Nie zuvor war es möglich so nah und immersiv Prozesse kreativer Arbeit auf dem eigenen Screen zu sehen und mit den jeweilig eingeladenen Autor*innen darüber ins Gespräch zu kommen. Die Reihe Tab Talks startet im Mai 2022.

Tab Talk mit Mara Genschel
14.06.   19:30-20:30 Uhr
In der Reihe Tab Talks führen Autor*innen in einer Mischung aus Atelierbesuch und Werkstattgespräch durch ihre digitalen Schreibumgebungen. Für den zweiten Tab Talk teilt die Autorin und Performerin Mara Genschel ihren Screen. Sie ist bekannt für ihr permanentes Unterlaufen literarischer Konventionen und ihre ortsspezifischen Textrealisationen. Doch auch die unkonventionellste Poesie muss irgendwann durch den Texteditor. Was das für ihre Produktion ihrer „angewandten Konzeptualismen“ bedeutet, legt sie offen im Gespräch mit Andreas Bülhoff.

Kollaborative Schreib-Workflows am Computer #1
10.04.   16:00-19:00 Uhr
Wie laufen schriftstellerische Arbeitsprozesse am Computer ab und welchen Einfluss haben Computerprogramme auf den Schreibprozess? In einem Workshop der Autorin und Programmierin Allison Parrish schreiben und programmieren wir die Möglichkeiten kollektiver Textproduktion mit und trotz Computerprogrammen. Die Ergebnisse können in einem zine publiziert werden.

Lautsprache: Deutsch/Englisch

Kollaborative Schreib-Workflows am Computer #2
26.04.   16:00-19:00 Uhr
Wie laufen schriftstellerische Arbeitsprozesse am Computer ab und welchen Einfluss haben Computerprogramme auf den Schreibprozess? In einem Workshop des Programmierers und Medienkünstlers Brendan Howell disziplinieren wir unsere Textproduktion. Wir loggen uns in seine Schreibmaschine The Maggot. Wir folgen den Schreibaufgaben und -zeiten, die uns die Maschine vorgibt und aus denen sie eigenständig einen kollektiv geschriebenen Text editiert. Die Ergebnisse können in einem zine publiziert werden.

Lautsprache: Deutsch/Englisch

Seit 2018 entwickelt das Center for Literature als Ort künstlerisch-praktischer Forschung Projekte zwischen Veranstaltung, Ausstellung und Dialog. Das CfL überträgt dabei Ästhetiken und Produktionsweisen anderer Künste (etwa Film oder Performing Arts) modellhaft auf das Feld von Textentstehung und -vermittlung.

Abb.: Leon Kirchlechner

Stiftung IMAI | Wouter de Romph: „The Cassette Underground – Kulturen alternativer Distribution in NRW archivieren“

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Bildschirmfoto 2021-05-05 um 14.16.40

Stiftung IMAI | Wouter de Romph: „The Cassette Underground – Kulturen alternativer Distribution in NRW archivieren“

FELLOW: Wouter de Romph

MedienkunstfellowsResearch

Laufzeit: 15.12.2021 – 30.06.2022

Von den 1970er bis in die 1990er Jahre hat die Musikkassette einen wesentlichen Beitrag zu einer dauerhaften Demokratisierung der Musikindustrie und der Ausbreitung marginaler Genres und Stile auf informellen Märkten geleistet.  „The Cassette Underground“ nähert sich den Kassettenkulturen von NRW anhand von Archivpraktiken: dem Nachlass aus dem Punk, New Wave und Industrial Programm des Kassettenvertriebs 235 im Düsseldorfer IMAI, den Kassettensammlungen türkischer Gastarbeiter*innen im Kölner DOMiD, den Zines, Flyern und Aufklebern im Duisburger Afas und das kritische Tape-Digging-Programm der Essener Initiative Interkultur Ruhr. Mit ihren unterschiedlichen Sammlungsstrategien, Erschließungsmethoden und Forschungsschwerpunkten ermöglichen diese Institution neben der Erforschung von Produktions- und Distributionsmechanismen auch eine Reflektion der verschiedenen Archivierungs- und Präsentationsstrategien für marginale und fragile audiovisuelle Medien.

Die Stiftung IMAI widmet sich der Archivierung, Distribution, Erhaltung und Vermittlung von Videokunst. Mehr Infos gibt es hier: stiftung-imai.de

Abb.: Detail aus 235 Vertriebskatalog, 1983, Archiv Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute,
© Ulrich Leistner, Axel Wirths, 2022