Kunstverein Arnsberg e.V. „Between the Layers of Petrified Silence“

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Kunstverein Arnsberg e.V. „Between the Layers of Petrified Silence“

Kulturbüro der Stadt Arnsberginstrument inventors   initiative – iii, Den Haag

MedienkunstfondsAusstellung

Between the Layers of Petrified Silence ist die erste Soloausstellung von Louis Braddock Clarke in Deutschland, realisiert vom Kunstverein Arnsberg in Zusammenarbeit mit iii (Instrument Inventors Initiative). Die Ausstellung im Lichthaus Arnsberg untersucht das Zuhören als kulturelle Technik inmitten multipler ökologischer und gesellschaftlicher Krisen. In zwei großformatigen Installationen – Buried in Air und Pareidolia Prospecting – verbindet Clarke geologische Materialien, Klang, Technologie und spekulative Forschung.
Buried in Air macht Infraschall – niederfrequente Schallwellen, die durch menschliche Aktivitäten wie Gasfackeln, atomare Detonationen oder Bergbausprengungen entstehen – durch Transduktions- und Knochenleitungssysteme körperlich erfahrbar. Eine massive, über dem Boden schwebende Marmorplatte wird durch Transducer und Subwoofer in einen vibrierenden Resonanzkörper verwandelt, der geologische Prozesse spürbar macht.

Eröffnung: 10. Oktober 2025, 17:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 10. Oktober – 16. November 2025
Pressetermin: 8. Oktober 2025, 11:00 Uhr
Künstlergespräch: 26. Oktober, 15:00 Uhr
Ort: Lichthaus Arnsberg, Kloster Wedinghausen, Klosterstraße 11, D-59821 Arnsberg
Öffnungszeiten: Fr 16:00-18:00 Uhr, So 11:00 -15:00 Uhr und n.v. (Multimediales Kunstwerk durchgehend sichtbar).

Pareidolia Prospecting nutzt maschinelles Sehen, KI und geologische Datenanalyse, um die Beziehung zwischen Ressourcengewinnung und menschlicher Bedeutungsprojektion zu reflektieren. Auf einer maßgefertigten 16:9-LED-Matrix mit über 2000 LEDs werden algorithmisch erzeugte, sich ständig verändernde Landschaften gezeigt. Zwei verschiedene Algorithmen suchen dabei – vergleichbar mit geologischer Prospektion bzw. menschlicher Pareidolie – nach Spuren von Erz oder abstrakten Mustern in Dünnschliffen aus Bergbauarchiven.
Die beiden Werke sind durch eine achtkanalige, eigens komponierte Klanglandschaft miteinander verbunden, die das Digitale und das Analoge, das Wissenschaftliche und das Sinnliche in ein poetisches Spannungsfeld setzt. Die Ausstellung ist tief in der lokalen Geschichte Arnsbergs als Bergbauregion verankert und spiegelt zugleich globale Dynamiken von Extraktion, technologischer Spekulation und ökologischer Transformation. Sie steht exemplarisch für das Engagement von iii und dem Kunstverein Arnsberg für interdisziplinäre künstlerische Forschung an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.
 
iii – instrument inventors initiative
iii ist eine von Künstler:innen geführte Community-Plattform, die neue interdisziplinäre Praktiken fördert, die Performance, Technologie und die menschlichen Sinne miteinander verbinden. Entstanden aus der ArtScience-Tradition in Den Haag, strebt iii danach, technologische Innovation, theoretische Reflexion und menschliche Erfahrung in Einklang zu bringen. iii trägt zu internationalen Entwicklungen im Bereich Kunst, Wissenschaft und Technologie bei und fungiert sowohl als kultureller Inkubator, der Forschung und Kreation unterstützt, als auch als Agentur, die Schöpfer:innen über ein breites (inter-)nationales Partnernetzwerk mit einem breiten Publikum verbindet.

Kunstverein Arnsberg
Der Kunstverein Arnsberg versteht sich als Ort der Auseinandersetzung mit Ideen und Erfahrungen zeitgenössischer Kunst. Die Förderung junger Kunst und die Bereitschaft, sich auf unsichere Wege zu begeben, haben den Charakter des Kunstvereins geprägt. Der Handlungsraum des Vereins hat sich über die Jahre deutlich erweitert und den öffentlichen Raum in und um Arnsberg integriert. Der Anspruch, sich immer wieder neu zu definieren und programmatisch zu entwickeln – in Bezug zur Stadt und Region, aber auch im internationalen Kontext – ist unser Anliegen und Paradigma. Dies geschieht durch die Produktion von Ausstellungen, Außenprojekten und Publikationen, aber auch durch eine intensive Vermittlungsarbeit vor Ort, die das Verständnis und Erfahren zeitgenössischer Kunst ermöglicht. Weitere Informationen auf der Webseite des Kunstvereins Arnsberg.

Louis Braddock Clarke
Louis’ Praxis ist in den Bereichen des geologischen Zuhörens, esoterischer Philosophie und Deep Time Cinema verortet. Zuhören und Verstärkung als Methoden der Sinnfindung und des Verstehens gehören zu seinen Schlüsselansätzen, um unsere gestörten Ökologien zu verstehen. Durch Feldarbeit, Film, Klang und Amateurgeologie versuchen seine Projekte, über die zukünftigen Oberflächen der Erde zu spekulieren.
Braddock Clarkes Beziehung mit seiner Umwelt ist eingebettet in seine prägenden Jahre in Cornwall, umgeben von Radon-Moorlandschaften, Granit-Minen, sich verändernden Isolinien, Kobolden, Zinnminen und transatlantischen Kabelsystemen. Diese verflochtenen Erdenergien sind der Ankerpunkt seiner laufenden Forschungsmethoden in Bezug auf Technologien und Terrains.
Louis fühlt sich besonders zu den Erdschichten hingezogen, in denen Elektromagnetismus, Bio-Mineralisierung und geologische Narben zu sehen und zu hören sind. Wenn Louis nicht gerade in Vulkanen steckt oder Eisschichten erschnüffelt, findet man seine Arbeiten in Ausstellungen und Biennalen auf der ganzen Welt – unter anderem in der Venice Biennale Musica, Sonic Acts, Rewire, National Taiwan Museum of Fine Arts, Centre Wallonie Bruxelles, Rencontres Internationales Paris/Berlin, Seeyousound, Netherlands Film Festival, FILE Brazil, Digital Arts Taipei, Macau Design Museum, MU Hybrid Art House, W139, Museum of Mines and Metal Brazil, WEST Museum, Sounds of Silence, Noorderlicht Biennale, Het Hem.

Ani Schulze

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Ani Schulze

1982, Frankenberg
STIPENDIUM 2022

Büro medienwerk.nrwAusstellungseröffnung, Förderung

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2022/23 geht an Ani Schulze.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien Köln), Dr. Linnea Semmerling (Direktorin Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute, Düsseldorf) und Julia Weißenberg (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2020, Köln). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury
Ani Schulze arbeitet unter anderem mit den Medien Video, Zeichnung und Skulptur, die sie zu multimedialen räumlichen Landschaften zusammenfügt. Intensive Klänge und drängende Rhythmen verleihen ihren surrealen, fragmentarischen Bildwelten einen unausweichlichen Sog. Die Themen, die Ani Schulze dabei beschäftigen, reichen von nichtlinearen Erzählstrategien über die Verflechtungen von Natur- und Kulturlandschaften bis hin zu Stofflichkeit und Digitalität in der Bildgestaltung.

In ihrem Projektvorhaben The Hurricane widmet Ani Schulze sich der fiktionalen Utopie einer radikalen, frei von patriarchalen Zwängen lebenden weiblichen Gemeinschaft aus dem 17. Jahrhundert. Diese will die Künstlerin mit dem Leben und Werk – Skulpturen, Figurinen, Kostümentwürfen, Aquarellen, Zeichnungen – von drei französischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts verknüpfen, um in der Verschränkung von mythischen mit realen Frauenfiguren hybride Charaktere entstehen zu lassen, die sie in Kooperation mit zwei Tänzer*innen in einem spekulativen, abstrakt-räumlichen Szenario inszeniert. Mit Unterstützung von computergenerierten Animationen sollen sich die Grenzen zwischen den historischen Figuren und ihren Performerinnen, realen und fiktiven Räumen, historische Fakten und Anekdoten auflösen.

Ani Schulze überzeugte die Jury mit ihren dichten, collageartigen multimedialen Rauminstallationen, in denen sie mit einem außerordentlichen Gespür für Rhythmus und Dramaturgie verschiedenste Medien und Materialien – wie z.B. Video, Zeichnung, Skulptur, Keramik, Sound, Found Footage – zu komplexen, surreal anmutenden Erzählungen und ambivalenten Gefühlsbildern unserer Gesellschaft verwebt.

Wir freuen uns, 2022/23 mit The Hurricane von Ani Schulze ein Projektvorhaben mit dem NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen unterstützen zu können, das vor dem Hintergrund virulenter Fragen des Zusammenlebens, der Geschichtsschreibung und der Konstruktionen von Weiblichkeit Perspektiven für neue Möglichkeitsräume und Realitäten schaffen will.



Ani Schulze (*1982) arbeitet mit Video, Skulptur, Malerei und multimedialen Rauminstallationen. Sie studierte an der Städelschule in Frankfurt, an der Glasgow School of Arts sowie an den Kunstakademien Düsseldorf und Karlsruhe. Ihre Praxis untersucht die Beziehung zwischen menschlichem Körper und seiner Umwelt und die Konstruktion von Weiblichkeit. Jüngst waren ihre Arbeiten in der Hamburger Kunsthalle, im Kunstverein Siegen, im Salzburger Kunstverein und im I: Project Space in Beijing zu sehen.
Mehr Infos zu Ani Schulze


VERANSTALTUNGEN ZUM PROJEKT
THE CONVENT OF PLEASURE

Ausstellungseröffnung am 21. Oktober 2023, 18 – 21 Uhr
Ausstellungslaufzeit: vom 22. Oktober bis 19. November 2023

Öffnungszeiten
Sa und So | Von 15 – 18 Uhr
mail@apathcp.com
in der Moltkerei Werkstatt
Moltkestrasse 8, 50674 Cologne
Mehr Infos zu The Convent of Pleasure


Portraitfoto: © Jorge Nogueira; Video stills + Installationsansichten THE CONVENT OF PLEASURE: © Ani Schulze; Installationsansicht: © Simon Vogel, Ani Schulze, Flint House Lizard, Kunstverein Siegen, 2021; Video still: © Ani Schulze, Suffusion of Yellow, 4K Video, mit Sound, 10 min, 2021