Das Haus ohne Netz – Eine interaktive Medienkunstinstallation zur Reflexion digitaler Gegenwart
Das Haus ohne Netz – Eine interaktive Medienkunstinstallation zur Reflexion digitaler Gegenwart
Wie fühlte es sich an, online zu gehen, bevor das Internet uns überallhin begleitete? „Das Haus ohne Netz“ macht die Netzkultur der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre als begehbare Medienkunstinstallation erfahrbar. Das Herzstück der Ausstellung ist das frühe Web selbst: An mehreren Computerstationen erkundet das Publikum eine kuratierte Auswahl historischer Webseiten aus dem Internet Archive, darunter persönliche Homepages, Foren, Chats, Suchmaschinen, Portale und Fanseiten. Wo historische Angebote nicht vollständig erhalten sind, entstehen neue Webseiten, die Gestaltung, Navigation, Sprache und technische Begrenzungen der Zeit künstlerisch aufgreifen.
Die Computer stehen in inszenierten Wohnräumen. Das Interior ist dabei kein nostalgischer Selbstzweck, sondern macht sichtbar, wo und unter welchen Bedingungen Menschen damals online gingen. Ein Internetzugang war an einen konkreten Ort gebunden, Verbindungen brauchten Zeit und ein Computer wurde häufig von mehreren Familienmitgliedern geteilt. Jeder Raum eröffnet deshalb einen anderen Zugang zum Netz: von Nachrichten, Suchmaschinen und beruflicher Recherche über Spiele und Fanseiten bis zu Chats, persönlichen Homepages und digitaler Selbstdarstellung.
Zu Beginn ihres Besuchs geben Besucher:innen ihr Smartphone für eine begrenzte Zeit ab. An die Stelle des persönlichen, permanent verfügbaren Geräts tritt ein langsamer und ortsgebundener Zugang. Webseiten laden nicht sofort, Links führen auf unerwartete Seiten und Navigation verlangt aktive Entscheidungen. In den entstehenden Zwischenräumen wird gewartet, gelesen, Radio gehört, beobachtet und miteinander gesprochen.
„Das Haus ohne Netz“ bringt zwei digitale Erfahrungswelten zusammen: das frühe, fragmentarische und noch wenig standardisierte Internet und eine Gegenwart, die durch Smartphones, Plattformen, personalisierte Inhalte und dauerhafte Erreichbarkeit geprägt ist. Die Ausstellung fragt, wie sich Aufmerksamkeit, soziale Nähe, Zugänglichkeit und Selbstdarstellung verändert haben. Was haben wir durch die permanente Vernetzung gewonnen und was ist verloren gegangen? Der Rückblick macht zugleich sichtbar, wie stark Plattformen, Gestaltung und Geschäftsmodelle unsere heutige Interneterfahrung bestimmen.
Die Installation richtet sich an frühe Internetnutzer:innen ebenso wie an jüngere Generationen, die eine Welt ohne Smartphone kaum kennen. Führungen, Workshops und moderierte Gespräche für Schulen, Bildungseinrichtungen und ein interessiertes Publikum vertiefen die Themen Medienkompetenz, Erinnerungskultur und digitale Öffentlichkeit. Persönliche Erinnerungen und unterschiedliche Generationserfahrungen werden dabei Teil der Vermittlung.
„Das Haus ohne Netz“ ist ein Projekt der grotesk.group. Die einmonatige Ausstellung ist in Düsseldorf geplant; Ort und Termine werden noch bekannt gegeben.
grotesk.group ist ein Düsseldorfer Kunstkollektiv, Research Lab und Produktionsstudio an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. In Ausstellungen, interaktiven Installationen, audiovisuellen Arbeiten, Forschungsformaten und Workshops untersucht das Kollektiv, wie digitale Technologien, künstliche Intelligenz und datenbasierte Systeme Wahrnehmung, Identität und gesellschaftliche Gegenwart prägen.

Das Förderprogramm Allgemeine Projektförderung Medienkunst unterstützt Projekte und Ausstellungsvorhaben im Kontext der Medienkunst, die künstlerische Positionen der Medienkunst erforschen, präsentieren, thematisieren und zielgruppenspezifisch vermitteln möchten. Ein wichtiges Ziel ist die Erforschung, der Erhalt und die Präsentation des Medienkunstbestandes in Nordrhein-Westfalen.


