LIVING GROUND – A Photographic Dialogue across Colonial Histories

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LIVING GROUND – A Photographic Dialogue across Colonial Histories

sitespecific GbR (Freya Hattenberger) | Anna Brus | boasblogs | Global South Studies Center

Medienkunstfonds 2026Förderung

Living Ground ist der Auftrakt zu einem Langzeitprojekt zur kritischen Neubestimmung des Verhältnisses zwischen ethnologischen Museen und indigenen Communities.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich die extraktive Logik kolonialer Bildpraktiken in einen produktiven fotografischen Dialog übersetzen lässt. Grundlage sind medienkünstlerische Recherchen in den Archiven des RJM und des Ethnologischen Museums Berlin zu den Forschungen Franz Boas‘ an der pazifischen Nordwestküste sowie eine Residency in Alert Bay (Kanada). Daraus entstehen pflanzenbasierte, nicht-toxische Bildverfahren, die gemeinsam mit der Kwakwaka’wakw-Community erprobt werden. Wie können ethnologische Sammlungen, deren Dokumente von epistemischer Gewalt und Leerstellen geprägt sind, nicht als tote Archive, sondern als lebendige Bezugssysteme für zeitgenössische Praxis nutzbar gemacht werden?  
LIVING GROUND setzt da an, wo Archive keine Antworten geben oder Geschichten zum Verschwinden gebracht haben. Das Projekt verbindet künstlerische Interventionen, akademische Lehre und Community-Kooperation unter dem Leitbild der Reziprozität. Durch die direkte Einbindung der Kwakwaka’wakw-Community als Autor:innen der Darstellung, durch die Verbindung von akademischer Reflexion und künstlerischer Arbeit, und durch die transparente Publikation aller Prozessschritte wird ein neues Modell für Museumskooperationen entwickelt – eines, das den kolonialen Blickregimen, die bis heute unsere Wahrnehmung prägen, eine relationale Kunstpraxis entgegenstellt. Ein Modell, das Gegenwart statt Vergangenheit, Partnerschaft statt Objektstatus, und Lebendigkeit statt Archivierung priorisiert.Bio-Text

Freya Hattenberger (sitespecific GbR) lebt u. arbeitet in Köln. Sie studierte Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln und Fine Arts am Sandberg Institut, Amsterdam. Von analoger Fotografie über das digitale Bild bis zum Bewegtbild fließen Sound, Performance und Installation in ihre Arbeiten ein. Ausgezeichnet u. a. mit dem Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium u. dem Förderpreis des Landes NRW. Mit dem Medienkünstler Peter Simon realisiert sie Klang-Performances, audio-visuelle Formate und Projekte kultureller Bildung.Bio-Text

boasblogs sind eine Reihe themenbezogener Blogs, die aktuelle Fragestellungen aus den anthropologischen Wissenschaften aufgreifen, diese in einem breiten Kreis von Autor:innen kontrovers diskutieren und gleichzeitig die öffentliche Rolle und gesellschaftliche Relevanz anthropologischen Wissens hinterfragen. Als Teil der öffentlichen Anthropologie zielen die blogs darauf ab, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen, um einen kritisch-konstruktiven Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu leisten und gesellschaftliche Beziehungen auf verschiedenen politischen, sozialen und alltäglichen Ebenen mitzugestalten.
Der boasblog »DCNtR« steht für »Decolonizing Collections – Networking towards Relationality«. Ziel ist es, koloniale Wissensformen und vorherrschende epistemische Praktiken zu hinterfragen, um sie aufzulösen. https://boasblogs.org/dcntr/
 
„Wir wollen die Trennung zwischen Zentrum und Peripherie aufbrechen, indem wir eine Plattform für vielfältige Stimmen unterschiedlicher Herkunft schaffen, selbstverständliche Annahmen in Museen relativieren und neue Zielgruppen ansprechen. Wir laden indigene Akteure, lokale Experten, postkoloniale Aktivisten, Künstler, Museumsfachleute und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Regionen ein, Beiträge zu leisten.“

Anna Brus ist Kunsthistorikerin an der Universität zu Köln und war Gastprofessorin an der FU Berlin und der Stanford University. In ihrer Forschung und kuratorischen Arbeit beschäftigt sie sich mit Kunst in kolonialen Kontaktzonen, den Klassifikationssystemen der Moderne, Fragen von Kulturerbe und Erinnerung und erprobt Möglichkeiten internationaler Kooperation. Nach ihrer Promotion zur Sammlung von Julius Lips leitete sie ein Projekt zur Provenienz kolonialer Sammlungen in Kunstmuseen und und fragt nach den Resonanzen ihrer Geschichte(n) in den Herkunftsgesellschaften. Sie ist Chefredakteurin des boasblogs DCNtr – https://boasblogs.org/dcntr/ und Mitglied des Global South Studies Center (GSSC) der Universität zu Köln.

Das Global South Studies Center (GSSC) der Universität zu Köln ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, das die Key Profile Area „Global South Studies“ koordiniert.
Ziel ist es, wissenschaftliche Perspektiven auf den Globalen Süden zu stärken und die komplexen Zusammenhänge globaler Ungleichheiten, kultureller Dynamiken und gesellschaftlicher Transformationen innerhalb verschiedener thematischer Schwerpunkte zu erforschen.
Das Zentrum fördert den Austausch zwischen Disziplinen, Forschenden und Partnerinstitutionen weltweit – mit einem besonderen Fokus auf Kooperationen im Globalen Süden. Durch gemeinsame Forschungsprojekte, Lehrinitiativen und Veranstaltungen trägt das GSSC dazu bei, neue Formen des Wissens zu entwickeln und globale Dialoge aktiv mitzugestalten.Bio-Text


Das Förderprogramm Medienkunstfonds fördert neue kooperative Prozesse in der Medienkunst & digitalen Kultur. Es unterstützt die Zusammenarbeit zwischen Akteurinnen und Akteuren aus verschiedenen Bereichen von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen.