Beneath her Shroud
Juli Film GbR / Juli LAB
In den medienkünstlerischen Arbeiten des Künstlerkollektivs Zero Degree Arts aus Mumbai, Indien werden gesellschaftspolitische Themen mit großer experimenteller Freude und visueller Kraft verhandelt.
Ausgehend von realen Ereignissen, die durch eine Bildsprache der Träume und Zukunftsvisionen transformiert werden, ist „Beneath Her Shroud“ ein Kurzfilm und ein immersives XR-Werk, das eine verbannt lebende Frau durch Traumlandschaften begleitet, die von ungeborenen Töchtern, vererbtem Schweigen und dem langen Schatten von Kastenwesen und geschlechtsspezifischer Gewalt im Indien der Vergangenheitsbewältigung geprägt sind.
„Beneath Her Shroud“, ein zwei-formatiges filmisches Projekt von Hyash Tanmoy, wird von Juli Film (Deutschland) in Koproduktion mit Zero Degree Arts (Indien) und Dosomik (Kanada) produziert. Das Werk verbindet einen Kurzspielfilm mit einem immersiven XR-Erlebnis und untersucht, wie neue Medien die Filmsprache erweitern können, während sie gleichzeitig in regionalen Geschichten und verkörperten Erinnerungen verwurzelt bleiben. Es wird durch das Medienkunststipendium des Medienwerks NRW gefördert und entstand im Rahmen des Pitching Labs beim Drama International Short Film Festival – ein Zeichen für die wachsende internationale Zusammenarbeit in der Medienkunst.
Das Projekt erscheint zu einer Zeit, in der Fragen nach vererbtem Trauma, geschlechtsspezifischer Auslöschung und Kasten-Gewalt im gesamten südasiatischen öffentlichen Leben wieder aufgerollt werden und in der immersive Medien noch immer nach einem Vokabular jenseits des Spektakels suchen. „Beneath Her Shroud“ positioniert sich bewusst an dieser Schnittstelle – und nutzt XR nicht als Spielerei, sondern als Mittel, den Zuschauer in einen Erinnerungskörper zu versetzen, der historisch zum Schweigen gebracht wurde.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Umkehrung des herkömmlichen Blicks. Der Film verfolgt oder beobachtet seine Opfer nicht so, wie solche Subjekte üblicherweise dargestellt werden; hier sind es die Opfer, die zurückblicken. Mit dieser umgekehrten Ansprache beschäftigt sich das Projekt, erforscht und experimentiert damit – und sie prägt sowohl die Bildsprache des Films als auch die räumliche Struktur des XR-Werks. Das Erfahrungskonzept für das Publikum wird direkt in den Entstehungsprozess integriert: Die beiden Formate sind eher als sich ergänzende Begegnungen gedacht als als Adaptionen voneinander, wobei jedes auf seine eigene Wahrnehmungsweise ausgelegt ist – die kollektive Stille des Kinos und die einsame, körperlich erlebte Präsenz des begehbaren Raums.
Anstatt der alternden Protagonistin durch einen konventionellen Handlungsbogen zu folgen, durchquert das Werk fragmentierte Traumlandschaften, in denen gespenstische Erinnerungen auftauchen und sich wieder auflösen. „Beneath Her Shroud“ lehnt lineare Erzählung ab und entfaltet sich durch Rituale, Abwesenheit und sinnliches Eintauchen, wobei es das Publikum zu einer poetischen Begegnung mit Erinnerung, Resilienz und kollektivem Gedenken einlädt.
Beneath her Shroud wird als Mediekunstausstellung im Juli Lab 2027 präsentiert.
Das Format Juli Lab (DE) ist aus der Idee entstanden, den Katalog des auf Medien-kunstproduktion spezialisierten Künstler-kollektivs Juli Film einer Öffentlichkeit zu-gänglich zu machen. Jeweils im Sommer und im Winter findet halbjährlich eine Ausstellung mit zeitgenössischen künst-lerischen Positionen zur Film- und Medien-kunst statt. Dabei wird ein Fokus auf neue experimentelle Formen von inter-nationalen Künstler:innen gesetzt, die in Deutschland noch keine größere institu-tionelle Ausstellung vorweisen können. Wir glauben an eine einzigartige Stellung mit Juli Lab in der Kulturlandschaft NRWs und Deutschland mit jeweils einem Stand-ort in Münster (Westf) und Berlin. Als Studio mit 65qm Ausstellungsfläche, die abgedunkelt werden kann, können wir eine ausgewählte Anzahl an Projekt-ionen als auch installative Arbeiten prä-sentieren. Für ein lokales und überregio-nales Publikum gedacht, wird die Aus-stellung jeweils am Wochenende Sams-tags und Sonntags parallel zu den Öffnungs-zeiten der Kunsthalle Münster, die sich im gleichen Gebäude befindet, frei zugäng-lich sein. Außerhalb der Ausstellungs-zeiten bleibt Juli Labor ein Produktions-ort für zeitbasierte Kunst. Mehr Infos findet ihr hier.

Das Förderprogramm Allgemeine Projektförderung Medienkunst unterstützt Projekte und Ausstellungsvorhaben im Kontext der Medienkunst, die künstlerische Positionen der Medienkunst erforschen, präsentieren, thematisieren und zielgruppenspezifisch vermitteln möchten. Ein wichtiges Ziel ist die Erforschung, der Erhalt und die Präsentation des Medienkunstbestandes in Nordrhein-Westfalen.

