Metaphors: From Web, Library, War to Fire, Garden, Feed

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Metaphors: From Web, Library, War to Fire, Garden, Feed

Universtität Duisburg-Essen | College for Social Sciences and Humanities der Universitätsallianz Ruhr | Zentrum für Netzkunst, Berlin |

Medienkunstfellows 2026Förderung

Eine Metapher wirkt wie ein Fehler, ein falsch gesetztes Wort, etwas, das irritiert — und dann, seltsamerweise, doch Sinn ergibt. Als sprachliches Bild fügt sie Bedeutungen hinzu: Sie verweist auf eine Sache, indem sie eine andere nennt, und überträgt dabei die Affekte des einen Bereichs auf den anderen. In diesem Moment entsteht ein Riss, eine Dissonanz, die Imaginationen evoziert und zugleich Grenzen und Normen setzt, da manche Eigenschaften hervorgehoben und andere verdeckt werden. Metaphern durchdringen das alltägliche Leben – nicht nur unsere Sprache, sondern auch die Materialitäten, die uns umgeben. Und doch erkennen wir den metaphorischen Ursprung der Wörter, die wir benutzen, nur selten.
Das Internet ist voller Metaphern. Als der Computer und das Internet Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre ihren ursprünglich militärischen und akademischen Kontext hinter sich ließen und sich im Alltag verbreiteten, florierten Metaphern: Sie boten eine gemeinsame Sprache, um die neue Technologie zugänglich und vertrauenswürdig zu machen. Das Internet wurde als etwas gefasst, das außerhalb von uns liegt, eine zu entdeckende Welt – ein „Cyberspace“ oder eine „Datenautobahn“. Heute ist das Internet in vielen Teilen der Welt integraler Bestandteil des Alltags. Im Zuge dessen sprechen wir kaum noch vom „Internet“ oder davon, „online zu gehen“, sondern benutzen nachgeordnete Begriffe, die unmittelbar auf unsere Tätigkeiten verweisen, wie „teilen“, „swipen“, oder „posten“.
Doch die Funktion, die Metaphern in der Sprache rund um Computer einnehmen, reicht noch tiefer. Ohne Metaphern könnten wir über und mit Computern gar nicht kommunizieren. Denn streng genommen beschränken sich unsere Interaktionen auf Klicken (mit einer Maus oder einem Trackpad), Tippen (auf einer Tastatur) oder Berühren (eines Touchscreens oder Trackpads); erst durch die Verbindung mit Metaphern und deren Verkörperung in Icons gewinnen unsere wiederholten Bewegungen an Bedeutung. So transferieren Metaphern  algorithmische Prozesse in verständliche Zeichen auf dem Bildschirm und ermöglichen uns, ohne dass Programmierfähigkeiten nötig wären, digitale Objekte zu handhaben, zu verändern und zu manipulieren.

From Web, Library, War to Fire, Garden, Feed konzentriert sich auf einige der Schlüsselmetaphern unserer  Imaginationen des Internets und Erfahrungen mit dem Digitalen. Die sechs Metaphern des Projekts formieren jeweils eine übergreifende Logik oder Vorstellung vom Internet. Sie greifen ineinander, bauen aufeinander auf oder konterkarieren sich. Dabei sind manche  älter als andere und klingen bereits befremdlich, andere wiederum sind noch gebräuchlich oder gar allgegenwärtig. Die versammelten Metaphern entstammen der englischen Sprache und sind in einem eurozentrisch geprägten Internetgebrauch verwurzelt. Wir konzentrieren uns auf diese Begriffe, weil sie unserer eigenen Interneterfahrung nahestehen und viele andere Sprachen – darunter unsere eigene – geprägt haben.

Web wendet sich einer frühen Metapher zu, die sowohl Vernetzung als auch Verstrickung evoziert – vom Spinnennetz und rhizomatischem Denken bis hin zu algorithmischen Fallen und Knoten der (Des-)Information. Library betrachtet das Internet als Archiv und universales Wissenssystem, gespiegelt in Ordnerstrukturen, Suchoberflächen und der anhaltenden Metapher der digitalen Speicherung. War adressiert das Internet als Ort des Konflikts – von Cyberwars und automatisierten Kriegseinsätzen bis zu Online-Propaganda, Hassrede und der Militarisierung von Sprache. Fire erfasst die Intensitäten des Internets: von überhitzten Rechenzentren und ihren Folgen für die Umwelt bis zu Firewalls, viralen Trends und der befeuernden  Beschleunigung digitaler Aufmerksamkeit. Garden begreift das Internet als ein künstliches Biotop, das von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen bewohnt wird, von data harvesting über permacomputing zu digitalen Gemeingütern. Schließlich erkundet Feed eine der prägendsten Metaphern des zeitgenössischen Internets. Sie beschreibt den endlosen Konsum und die ununterbrochene Einverleibung von Content – von Social-Media-Feeds und Doomscrolling bis zu den Aufmerksamkeitsökonomien, die User:innen nähren, erschöpfen und schließlich metabolisieren.


Das College for Social Sciences and Humanities der Universitätsallianz Ruhr ist eine interdisziplinäre Forschungsinstitution, die exzellente Forschung in den Sozial- und Geisteswissenschaften fördert. Es unterstützt innovative Forschungsgruppen und internationale Kooperationen zu gesellschaftlich relevanten Zukunftsfragen und verbindet die Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen. Sweat. Zur Soziologie des Schwitzens in einer heißer werdenden Welt ist eine von Elena Beregow geleitete Forschungsgruppe am College. Sie untersucht, wie Schwitzen, Hitze und thermische Regulation soziokulturell und politisch geprägt sind und wie sie in Zeiten des Klimawandels neu verhandelt werden.

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Das Zentrum für Netzkunst rekonstruiert, pflegt und bewahrt Netzkunst und Netzkultur. Die Initiative befasst sich mit der Archivierung und Kontextualisierung von Netzkunst.

Das Zentrum für Netzkunst ist seit September 2019 Pioniernutzer im Haus der Statistik und wird vom Kulturamt Berlin Mitte für die Ausstellung „stick.t.me“ (Juni 2020) gefördert. Bis zur Gründung des Vereins haben die Mitglieder des Zentrums für Netzkunst in verschiedenen Kooperationen Ausstellungs- und Publikationsprojekte realisiert, darunter: „En Plein Air. Ethnographies of the Digital“ (2019, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes), „Zentrum für Netzkunst, damals und heute“ (2018, gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa) und „warehouse. industries“ (2017, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes).

Mitglieder des Vereins sind: !Mediengruppe Bitnik, Anneliese Ostertag, Cornelia Sollfrank, Igor Štromajer, Paloma Oliveira, Tabea Rossol, Tereza Havlíková und Robert Sakrowski.

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Das Förderprogramm Medienkunstfellows ist ein Fellowship für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Es setzt sich zum Ziel, Impulse und Ansätze aus anderen Regionen, Ländern und Kontinenten nach Nordrhein-Westfalen zu holen und somit neue Verknüpfungen mit internationalen Diskursen und Praxen der Medienkunst und digitalen Kultur herzustellen.