Symposium Next Level – Festival for Games 2021: Digitale Künste in NRW

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Symposium Next Level – Festival for Games 2021: Digitale Künste in NRW

PerspektivenAudio

Akteur*innen aus Kunst und Kultur diskutierten Perspektiven und Möglichkeiten ambitionierter digitaler Kultur in den Städten und Regionen NRWs und gingen aktuellen Fragen nach: Wie steht es insgesamt um die Unterstützung der Digitalen Künste in NRW? Wie ist es um die Qualifizierung der Künstler*innen bestellt und welchen technischen Support braucht es? Werden die Akteur*innen der Szene und ihre Bedarfe ausreichend einbezogen? Wie soll es weitergehen, jetzt, wo Defizite im Feld der Digitalisierung während Corona unübersehbar geworden sind? Wie können die zahlreichen digitalen Experimente und virtuelle künstlerische Formate, die während der Corona Pandemie entstanden sind, auch langfristig weiterentwickelt werden?

Keno Mescher diskutierte mit:

  • Dr. Christian Esch, NRW KULTURsekretariat
  • Brigitta Muntendorf, Künstlerin und Komponistin
  • Jana Kerima Stolzer/Lex Rütten, Künstlerduo
  • Fabian Saavedra-Lara, medienwerk.nrw
  • Jasmin Vogel, Kulturforum Witten



Eine Kooperation von Büro medienwerk.nrw, NRW KULTURsekretariat und Regionalverband Ruhr, in Zusammenarbeit mit WDR 3.


NEXT LEVEL – FESTIVAL FOR GAMES 2021
Das Next Level – Festival for Games widmet sich wie kein anderes Festival der Kunst und Kultur digitaler Spiele. Vom 26. bis 28.11.2021 lud das Event auf dem einzigartigen UNESCO-Welterbe Zollverein zum anspruchsvollen Spielen ein und präsentierte neue Trends und Technologien aus der Welt des Gamings.
Mehr Infos zum Next Level Festival 2021




Spekulativer Jahresrückblick 2022 mit Anna Klapdor

Celine

Image: Douglas Blackiston & Sam Kriegman

Spekulativer Jahresrückblick 2022 mit Anna Klapdor

PerspektivenEssay

Der Blick in die unmittelbare Zukunft offenbart oftmals Erwartungen an gesellschaftliche, politische und technologische Entwicklungen. Was bleibt und was gerät in Vergessenheit? Welche aktuellen Trends etablieren sich? Was verschwindet aus den alltäglichen Diskussionen? Diese Fragen drehen sich aktuell unter anderem um die Sehnsucht nach „besseren Zeiten“ und neue Möglichkeiten des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts. Doch vollständig beantworten können wir sie erst rückblickend. Wie werden wir zukünftig auf das Jahr 2022 zurückschauen? In einem Schreibexperiment hat sich die Autorin Anna Klapdor dieser Perspektive gewidmet. In einem spekulativen Jahresrückblick ist sie dem Jahr 2022 näher gekommen. Dabei sind drei Szenarien – angelehnt an aktuelle Diskurse – entstanden, die hier nach und nach geteilt werden. Teil 2: Fail des Jahres

Der einzig wahre Millennium Bug
von Anna Klapdor, 2022

Eigentlich ging es um Recherchen für ein digitales Literaturprojekt, als mehrere Mitarbeiter*innen des Büro medienwerk.nrw eine besondere Version der Text-KI GPT-3 installierten. Doch dann kam alles ganz anders als gedacht: die KI scheint einen Bug zu haben, nämlich einen Zeit-Bug. Egal, womit wir sie füttern, sie spuckt immer die gleiche Art von Text aus: Jahresrückblicke, und zwar auf Jahre, die noch gar nicht vergangen sind. Bei manchen dieser Jahresrückblicke scheint die KI zu denken, sie sei die Tagesschau. Andere lesen sich eher wie Artikel aus einem zukünftigen Geschichtsbuch, und wieder andere sind so persönlich wie ein Tagebuch. Ob sie prophetisch sind oder sich als reine Spekulation erweisen werden, wollen wir hiermit, Jahr für Jahr, auf die Probe stellen. Im Folgenden also der Jahresrückblick auf das Jahr 2022…


Gute Nachricht des Jahres
Klein aber möglicherweise kolossal: Die aus Stammzellen gezüchteten und wie Pacman geformten Xenobots nehmen gerade mehrere Stufen Evolution in einem Sprung. Letztes Jahr hörten wir, dass sie sich selbst durch Anhäufung vermehren können. Dieses Jahr wurden erste Versuche gemacht, den Mechanismus leicht abzuwandeln, damit die Bots Mikroplastik sammeln. Und das nun erstmals mit Erfolg! Die Forscherinnen testeten die neu programmierten Bots in einem Wassertank, der vor Mikroplastik nur so wimmelte. Nach einer Woche hatten die Bots 86% des Mikroplastiks an der Oberfläche akkumuliert, und die breiartige Substanz konnte leicht eingesammelt werden. In einer zweiten Phase, die im Herbst 2022 anlief, wird aktuell getestet, welche Auswirkungen die Anwesenheit der Bots im Meer haben könnte. Insbesondere das Zusammenspiel mit verschiedenen Plankton-Arten wird untersucht. Welche gute Nachricht wir wohl nächstes Jahr von den Bots erwarten können? Wir sind gespannt!


Fail des Jahres
Wer die Entwicklungen des Cryptomarkts beobachtet (und dabei einen kühlen Kopf bewahrt), könnte geschmunzelt haben, als Cryptobros Anfang des Jahres das seltene Buch über Alejandro Jodorowskys nie gedrehten Dune-Film kauften und in einem Tweet verkündeten, auf Basis des Buches eine Serie drehen zu wollen. Zum Schmunzeln war dabei nicht nur das mangelnde Verständnis von Copyright, sondern auch die Tatsache, dass es ausgerechnet um den einflussreichsten Film, der nie gedreht wurde, ging. Trotz jahrlanger Konzeptarbeit und Vorbereitung scheiterte der Film schließlich an vielen Problemen. Die damals für die Special Effects engagierten Künstler landeten kurz danach bei der von Geroge Lucas gegründeten Special Effects Firma Industrial Light&Magic und schrieben mit Star Wars Filmgeschichte. Diese Geschichte bekam 2022 eine unerwartete Fortsetzung in Form der ersten großen Copyright-Klage, die im Grunde dazu da ist, den Cryptobros zu erklären, warum der Kauf eines Dune-NFT nicht den Erwerb von Dune-Copyright beinhaltet, und dass es Betrug ist, tausenden von Menschen das Gegenteil zu erzählen, um an deren Geld zu kommen. Angestrengt durch Disney, denen Industrial Light&Magic inzwischen genauso gehört wie die Rechte an Dune und Star Wars, dauert der Gerichtsprozess zu diesem Zeitpunkt noch an. Doch schon jetzt gibt dutzende weitere, ähnliche Klagen gegen verschiedene NFTs, was bereits zu einem massiven Rückzug auf  Investoren-Seite geführt hat. Die Zukunft des NFT-Markts bleibt also ungewiss.


Film des Jahres
Als Ende 2021 die Impfpflicht angekündigt wurde, befürchteten viele, die bestehenden gesellschaftlichen Spannungen könnten sich verstärken. Doch wenige Monate später kam alles anders. Die deutsche Komödie Die Lüge, die auf einem Tweet des Twitter-Satirikers Elhotzo basiert und nur eine Woche vor Inkrafttreten der Impfpflicht erschien, porträtiert eine impfskeptische Familie und scheint alle blank liegenden Nerven getroffen zu haben, die in Deutschland nach zwei Jahren Pandemie zu haben waren. Als die Tochter ihren geimpften neuen Freund zum Abendessen bringt, eskaliert zunächst die Diskussion und dann die Situation, denn wie sich herausstellt, sind nicht nur Tochter und Mutter lange geimpft, sondern sogar der auf Telegram täglich gegen Impfung und Regierung anschreibende Vater. Der fanatische Bruder der Frau verpfeift enttäuscht sein Vorbild, und kurz darauf sieht sich die Familie von einem Kerzen haltenden Mob umstellt, der allzu bald von gewaltbereiten Neonazis ergänzt wird. Im Laufe des Sommers wurde der Film der Hit des Jahres, inzwischen ist ein US-Remake geplant.



Anna Klapdor (*1986) hospitierte nach dem Abitur ein Jahr lang am Schlosstheater Moers, bevor sie ihr Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik in Bochum aufnahm. 2009 gründete sie, zusammen mit anderen Studierenden das Kollektiv Anna Kpok. Nach einigen Jahren als Performerin und Regisseurin hat Anna Klapdor sich an den Schreibtisch zurückgezogen und arbeitet inzwischen hauptsächlich als Autorin, Dramatikerin und Story/World Designer. Zuletzt schuf sie für Anna Kpok’s „Shell Game – Lost in Paranoialand“ ein Sonnensystem, im April 2021 erschien ihr erster Roman „The Hand That Feeds“, ein divers besetzter Science Fiction Thriller, der in einer spekulativen Zukunft nach dem Klimawandel spielt.
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